Was gibt es Neues aus der Welt des Horrors? – Festivalbericht vom /slash Filmfestival

slash filmfestival

Ende September fand in Wien das /slash – Festival des fantastischen Films statt. Wir waren vor Ort, um zu schauen, was das Genre neues zu bieten hat.

Seit dem letzten Festivaltag sind nun ein paar Wochen vergangen und wir konnten das Gesehene so langsam verarbeiten. In den elf Tagen des Festivals haben wir 27 Filme gesehen, aus 19 verschiedenen Ländern und mit einer Gesamtspielzeit von 2.722 Minuten oder gut 45 Stunden. Also eine geballte internationale Ladung aus der Welt des Horrors und phantastischen Films.

Eingeleitet wurde das Festival von Panos Cosmatos‘ Mandy in Anwesenheit von Festival-Ehrengast Udo Kier und Nicolas Cage, welche den Film einführten (Festivalbericht Tag 1). Ein wahrlich würdiger Start in das Festival.
Am zweiten Tag wurde es dann mit Anna and the Apocalypse und Await Further Instructions weihnachtlich – Ende September. Offenbar gab es ein paar Schwierigkeiten Anna zu bekommen und Splendid konnte erst mit einem eigenen Weihnachts-Special zufrieden gestellt werden. So erstrahlte das Filmcasino dann auch im weihnachtlichen Glanz,  inkl. Kekse, Punsch und Weihnachtsmusik.
Der dritte Festivaltag wurde nach der Sichtung von Zoe, Blue My Mind und Barb Wire definitiv mit der Burlesque-Show der Salon Kitty Revue gekrönt.
Bevor es am nächsten Tag zum dänischen Thriller-Hit The Guilty ging, welcher für die Oscarverleihung 2019 eingereicht wurde, wurden im Kino-Foyer mal eben ein paar Insekten verkostet. Zur Auswahl standen Heimchen, Mehlwürmer, Wander-Heuschrecken und Buffalo-Würmer. Zwei Packungen Mehlwürmer und Heimchen gingen dann auch gleich als Snack mit ins Kino.

X-Mas beim /slash Filmfestival

Weihnachtliches Filmcasino

Als großer Fan des ostasiatischen Kinos war ich begeistert zu sehen, dass das /slash eine Asia-Schiene im Programm hatte. So folgten in den nächsten Tagen der originelle thailändische Heist-Thriller Bad Genius sowie der thailändische Geister-Horror The Promise. Hinzu kamen der Martial-Arts-Thriller Paradox aus Hongkong mit großartigen Choreographien und Tony Jaa in einer Nebenrolle, den ich allen Martial-Arts-Fans nur ans Herz legen kann. Für Fans des chinesischen Fantasyfilms lief ein Double Feature mit Sword Master 3D und Detective Dee: The Four Heavenly Kings. Bei beiden Filmen hatte Tsui Hark, eine Koryphäe auf diesem Gebiet, die Finger im Spiel. Für Sword Master, einem Remake des Shaw-Brothers-Klassikers Das Todesduell der Tigerkralle, fungierte er als Produzent und beim nunmehr dritten Streich von Detective Dee nahm er wieder auf dem Regiestuhl Platz. Als besonderes Kuriosum gab es ein von Hongkong-Action-Guru Johnnie To (The Mission) inszeniertes Büro-Musical über Liebe und die Wirtschaftskrise: Office 3D. Leider ist dies so überfrachtet, wie es klingt; bei knapp zwei Stunden Laufzeit stellt einen die Kombination aus chinesischem Gesang mit englischen Untertiteln in 3D auf eine harte Probe.

Detective Dee

Detective Dee: The Four Heavenly Kings

Am elften Tag startete dann ein wahrer Marathon mit Nightmare Cinema, Boar, One Cut of the Dead, Puppet Master: The Littlest Reich und Terrified. Ich möchte euch von diesem Abend insbesondere den japanischen One Cut of the Dead sowie den argentinischen Terrified ans Herz legen. Der japanische Zombiefilm ist für mich wohl der Überraschungshit des Jahres über den man am besten rein gar nichts weiß, bevor man ihn sich anschaut und der argentinische Geisterfilm war in meinen Augen einer der gruseligsten Beiträge des Festivals.

PUPPET_MASTER

Puppet Master: The Littlest Reich

Auch die nach wie vor sich ausbreitende Retro-Welle war auf dem /slash Filmfestival spürbar. So war das gelungene Nachfolgewerk von den Turbo-Kid-MacherInnen Summer of ’84 zu sehen, wie auch Our House, der sich zeitlich nicht wirklich festlegen will, aber versucht, seinen Teil vom Retro-Kuchen abzubekommen. Hat bei mir weniger gut funktioniert und war daher auch eine meiner größten Enttäuschungen des Festivals.
Auch Piercing, das neueste Werk von Nicolas Pesce (The Eyes of My Mother), orientiert sich an der Vergangenheit, jedoch mehr am Giallo der 70er-Jahre. Ein wunderbarer Serienkillerfilm und eines meiner Jahreshighlights.
Passend zur 80er-Retro-Welle wurde das Festival mit dem großartigen, jedoch leider viel zu unbekannten, The Monster Squad von 1987 als Double Feature mit der Doku Wolfman’s Got Nards zu Ende gebracht. Nach all den Filmen und Serien, die sich an die 80er anlehnen, war es auch mal schön, einen Film im Kino zu sehen, der wirklich aus den 80ern stammt und den Geist von E.T., Die Goonies und Stand By Me atmet. Die Dokumentation konzentriert sich auf das Scheitern des Films beim Erscheinen mitsamt dem später daraus entstandenen Kult und beleuchtet insbesondere die Fans und Nerds hinter der kultischen Verehrung.

SUMMER_OF_84

Summer of ’84

Zusätzlich gab es auch noch das neueste Werk von unter anderem Veronika Franz und Serverin Fiala (Ich seh, Ich seh), Can Evrenol (Baskin), Peter Strickland (Berberian Sound Studio) zu sehen, eine Anthologie über düstere Volksweisen namens Field Guide to Evil. Des Weiteren liefen What Keeps You Alive, das neueste Werk von Colin Minihan (Grave Encounters, It Stains the Sands Red) über ein lesbisches Paar in einer abgelegenen Jagdhütte, eine Doku über die erste afghanische Metalband mit dem Titel Rockabul und The Dark, eine österreichische Produktion unter Regie eines US-Amerikaners, gedreht in Kanada und inspiriert vom schwedischen So finster die Nacht.

What Keeps You Alive

What Keeps You Alive

Wie ihr seht eine bunte Mischung an spannenden Werken, die 2018 auf uns losgelassen wurde. Einiges davon ist inzwischen auch schon regulär im Kino gelaufen oder gar schon auf dem Heimkinomarkt erschienen. Der Rest wird noch in naher Zukunft folgen.
Ihr könnt gerne die verlinkten Reviews lesen, ob die Filme vielleicht etwas für euch wären. Was noch nicht verlinkt ist, wird demnächst folgen. Welche Filme ich euch aber auf jeden Fall ans Herz legen möchte, sind der dänische Thriller The Guilty, der japanische Zombiefilm One Cut of the Dead, das Schweizer Coming-of-Age-Fantasy-Drama Blue My Mind und das österreichische Horrordrama The Dark.

The Dark

The Dark

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei dem /slash Filmfestival für ein großartiges Festival bedanken. Das Festival besticht nicht nur durch das starke und vielseitige Programm, sondern auch durch hochkarätige Gäste, ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und eine nach wie vor wundervoll familiäre Atmosphäre. Wir sehen uns beim /slash X-Mas!

Florian Halbeisen

...und was meinst du?