The Sadness (2021) – Review

The Sadness

Seit Monaten schon eilt The Sadness sein Ruf als einer der brutalsten Zombiefilme aller Zeiten voraus. Nun startet der taiwanesische Film vollkommen ungeschnitten in den deutschen Kinos. Ob das Regiedebüt von Rob Jabbaz diesem Ruf gerecht werden kann, erfahrt ihr hier.

Originaltitel: Ku Bei
Land: Taiwan
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Rob Jabbaz
Drehbuch: Rob Jabbaz
Cast: Berant Zhu, Regina u.a.
VÖ: Ab 03.02.2022 im Kino

Inhalt

In der taiwanesischen Stadt Taipeh bricht eine Epidemie aus. Ein neuartiges Virus sorgt dafür, dass die niedersten Triebe der Menschen die Oberhand über diese gewinnen und sie zu willenlosen Sadisten werden lassen. Vergewaltigungen, Folter und Mord prägen schon bald das Stadtbild. Inmitten des herrschenden Chaos versucht das Paar Kat und Jim sich zu finden. Doch die Horde an Infizierten wächst mit jeder Minute…

Kritik

Es kommt nicht oft vor, dass ein Film schon Monate vor seiner Veröffentlichung dermaßen hohe Wellen schlägt wie The Sadness. Was für die letzte Dekade A Serbian Film war, soll nun für das aktuelle Jahrzehnt The Sadness werden. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die bisherigen Ankündigungen und Pressestimmen, die den Film als einen der brutalsten aller Zeiten antizipieren. In den allermeisten Fällen stellt sich solch eine Marketingstrategie als schwindelerregende Übertreibung dar und bei dem Hype, den Rob Jabbaz‘ Langfilmdebüt bisher generiert hat, können sich die Erwartungshaltungen schnell bis ins Unermessliche steigern. Umso erfreulicher ist es, dass The Sadness seinem Ruf durchaus gerecht wird – wenn auch vielleicht etwas anders, als man erwarten würde.

The SadnessJa, The Sadness ist brutal. Und zwar so richtig. Eine deftigere Schlachtplatte wird man vor allem in solch makelloser Hochglanzoptik aktuell wohl kaum finden. Und dennoch ist er bei weitem nicht das grenzüberschreitende Werk, zu dem er oft gemacht wird. Denn in den zahlreichen sadistischen Momenten ist The Sadness zwar rücksichts- aber nicht gänzlich hemmungslos. Es gibt zahlreiche Anspielungen und auch direkte Zitate an Gewaltspitzen aus unter anderem Scanners, Irreversibel oder auch A Serbian Film. So ernst The Sadness die meiste Zeit über auch sein mag, sind es doch genau diese Momente, die ihn auflockern. Nicht, weil es hier weniger zimperlich zur Sache gehen würde, sondern weil es einem ins Gedächtnis ruft, wie weit andere Filme schon lange vor ihm schon gegangen sind. Und weil es immer wieder Szenen gibt, in denen die Gewalt dermaßen überzeichnet ist, dass sie beinahe schon in Funsplatter-Gefilde abdriftet. Jene Momente sind es auch, die den Film letztlich auch mehr in Richtung eines Braindead denn zum Beispiel eines Inside positionieren.

The SadnessDie Einbettung der Handlung in immer größere Blutfontänen, immer mehr sich über die Straßen ergießenden Menschenbrei und immer unappetitlichere Vergewaltigungs- und Kannibalismusszenen ermöglicht letztlich gerade wegen ihres gelegentlichen Over-the-Top-Charakters auch eine gewisse Distanzierung, die den Film an vielen Stellen dann doch erstaunlich erträglich macht. Und genau darin liegt auf eine merkwürdige Art und Weise die große Stärke von The Sadness.

Ab einem gewissen Punkt nämlich ist es für Fans von deftigen Gewalteskapaden eine wahre Freude, die famosen handgemachten Effekte zu bestaunen, ohne dass der Film auf Biegen und Brechen zu weit geht. Er vermeidet eine schmerzhafte Auseinandersetzung und ermöglicht dadurch eine Seherfahrung, bei der man ein enorm hohes Maß an Gewalt bestaunen und damit Spaß haben kann, ohne dass es einen wegen enormer Ernsthaftigkeit erdrückt. Man könnte diese gelegentlichen tonalen Brüche als inkonsequent bezeichnen, tatsächlich ermöglichen sie aber erst, dass man sich dem Krawall hingeben kann, ohne, dass es zu sehr an die Nieren geht.

The Sadness

Fazit

Ob die prominente Ankündigung von The Sadness als der brutalste Zombiefilm aller Zeiten zutrifft oder zu hoch gegriffen ist, müssen die Zuschauenden letztlich nach ihren eigenen Maßstäben beurteilen. Zweifelsfrei ist er aber einer der härtesten der letzten Jahre, auch wenn viele der potenziellen Grenzüberschreitungen nur angedeutet werden oder im Off passieren. Nichtsdestotrotz lässt sich die Intensität der qualitativ enorm hochwertigen Effekte nicht von der Hand weisen, wenngleich der Film selbst durch teils augenzwinkernde Over-the-Top-Ästhetik für Auflockerungen sorgt. Und wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, sich eine solch hochwertige Schlachtplatte mit dermaßen blutigen Effekten anzuschauen, die einem zwar in der Tat allerhand abverlangen, aber über die graphische Darstellung hinaus nur selten auf die psychologische Empfindsamkeit des Publikums abzielen?

Bewertung

Grauen Rating: 3 von 5
Spannung Rating: 3 von 5
Härte  Rating: 5 von 5
Unterhaltung  rating3_5
Anspruch  rating0_5
Gesamtwertung Rating: 4 von 5

Ab 03.02.2022 im Kino
Bildquelle: The Sadness © Capelight Pictures

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