Der Affe im Menschen (1988) – Review

Der Affe im Menschen gehört zu den kaum beachteten Werken im Œuvre George A. Romeros. Nach über 30 Jahren wagen wir einen frischen Blick auf den animalischen Horror und verraten euch, ob der Film mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Originaltitel: Monkey Shines
Land: USA
Laufzeit: 113 Minuten
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Vorlage: Roman „Monkey Shines“ von Michael Stewart
Cast: Jason Beghe, John Pankow, Kate McNeil u.a.
VÖ: Ab 28.04.2022 als Mediabook

Hintergründe & Inhalt

Ich bin ein großer Fan von George A. Romeros Schaffen und das nicht nur aufgrund der Begründung des modernen Zombiefilms durch Die Nacht der lebenden Toten. Der Affe im Menschen gehörte neben Bruiser jedoch zu den Werken des US-Amerikaners mit denen ich nie so wirklich warm geworden bin. Die Neuauflage des Affen-Horrors durch Koch Films in Form eines Mediabooks war nun allerdings die perfekte Gelegenheit, um dem Film eine weitere Chance zu geben.

Und es war eine hervorragende Idee, dies zu tun, denn auch abseits von Zombies weiß Romero zu überzeugen. Der Affe im Menschen dreht sich um Allan (Jason Beghe), dessen Leben durch einen Autounfall komplett auf den Kopf gestellt wurde. Vom Hals abwärts gelähmt ist dieser fortan nicht nur auf einen Rollstuhl angewiesen, den er mit seinem Mund bedient, sondern auch auf Rund-um-die-Uhr-Pflege. Allan hat Schwierigkeiten sich mit der Situation abzufinden und seine überfürsorgliche Mutter sowie die strenge Pflegerin sind alles andere als eine Hilfe. Als auch noch seine Freundin ihn sitzen lässt, begeht Allan einen Suizidversuch. Doch dieser scheitert und um Allans Stimmung zu heben und als Unterstützung bei diversen Tätigkeiten, bringt eines Tages sein Freund Geoffrey ein trainiertes Kapuzineräffchen namens Ella mit. Allan spürt von Beginn an eine spezielle Verbindung zu der Affendame. Geoffreys Tat ist jedoch nicht ganz uneigennützig, stammt Ella doch aus seinem Laber, in dem er ein neues Serum testet, das die Intelligenz der Tiere steigern soll. Doch dies hat ungeahnte Effekte auf Ella und auch Allan, wie wie sich schon bald herausstellt…

Kritik

Für Romero stellte Der Affe im Menschen die zweite und zugleich letzte größere Studioproduktion dar. United Artists hatte die Rechte an Michael Stewarts Roman „Monkey Shines“ erworben und Romero konnte dafür gewonnen werden, das Drehbuch zu schreiben und den Film zu inszenieren. Was Romero jedoch schnell bereuen sollte. Denn dem Film wurde vom Studio Orion Pictures nicht nur ein Happy End aufgedrückt, das dem Ende im Buch widersprach und Romero grundsätzlich widerstrebte, sondern der Film wurde vom Studio auch noch umgeschnitten und drastisch gekürzt. Zwar sollte Romero noch ein weiteres Mal mit Orion Pictures zusammenarbeiten, aber wohl nur, da er die Möglichkeit bekam einen Roman seines guten Freundes Stephen King zu verfilmen. Doch auch die Verfilmung von „Stark – The Dark Half“ verlief nicht nach den Vorstellungen Romeros, wodurch sich dieser endgültig vom Studio-System verabschiedete und nur noch bei Independent-Produktionen mitarbeitete.

Trotz all dieser Schwierigkeiten ist in Der Affe im Menschen immer noch Romeros Handschrift erkennbar, wenn auch nicht in der Radikalität wie in anderen Werken, in denen er mehr kreative Freiheit genoss. Insbesondere in der Etablierung des Bedrohungsszenarios vollbringt der US-amerikanische Regisseur wirklich Großes. Dabei ist einerseits die Arbeit mit Tieren allein schon eine beachtliche Herausforderung und andererseits erweist es sich als inszenatorische Herausforderung, Wesen, die dem Menschen körperlich weit unterlegen sind, als ernsthafte Gefahr darzustellen. Romero entgeht dem geschickt, indem er das Kapuzineräffchen bis auf eine Ausnahme im Filme nie in direkte Konfrontation mit Menschen schickt. So sind es vielmehr geschickte Nahaufnahmen und Montagen, die die perfiden Machenschaften der Affendame suggerieren. Der Film baut eine Atmosphäre der potentiellen Gefahr auf, denn auch wenn wir nicht sehen wie Ella irgendwem Schaden zufügt, so wissen wir doch, dass sie dazu fähig ist und Allan ihr aufgrund seiner Lähmung hilflos ausgeliefert.

Dieses Bedrohungsszenario funktioniert vor allem deshalb, weil Allans Frustration und Verdruss so gut herausgearbeitet wird. Denn was ihm zu schaffen macht, ist zunächst alles andere, nur nicht seine animalische Assistentin. Seine Mutter nutzt seine Hilfsbedürftigkeit aus, um sich wieder in sein Leben zu drängen und ihre eigene Leere zu füllen, seine Pflegerin sieht Allan vielmehr als weiteren Fall, denn als vollwertigen Menschen und seine Freundin ist mit seinem Chirurgen durchgebrannt. All seine Wut findet in Ella ein Ventil, sie wird seine ungewollte Handlangerin. Sein Unbewusstes kann unbegrenzt durch ein zähmendes Über-Ich in Form der Affendame wüten und all seine Rachephantasien ausleben. Schlussendlich muss sich Allan somit nicht nur einem tobendem Kapuzineräffchen, sondern auch seinem eigenen unterdrückten Zorn stellen, der alles um ihn herum zu verschlingen droht.

Fazit

Man merkt Der Affe im Menschen zwar an, dass George A. Romero keine freie Hand hatte, so ist gerade das Ende arg kitschig geraten und auch der restliche Film wesentlich handzahmer als sonst, aber nichtsdestotrotz kann auch dieses Werk des US-Amerikaners überzeugen. Gerade die Inszenierung der Affendame Ella sorgt für eine bedrohliche Atmosphäre und eine gute Psychologisierung des Protagonisten lädt zum Mitfiebern ein. Spannender und mitreißender Tierhorror aus dem Hause Romero.

 

Bewertung

Grauen Rating: 3 von 5
Spannung Rating: 4 von 5
Härte  Rating: 1 von 5
Unterhaltung  Rating: 4 von 5
Anspruch  Rating: 2 von 5
Gesamtwertung Rating: 4 von 5

Ab 28.04.2022 als Mediabook:

Mediabook von Der Affe im Menschen

Bildquelle: Der Affe im Menschen © Koch Films

Florian Halbeisen

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