Terrified (2017) – Review

Terrified

Aus Argentinien kommt ein ganz besonderer Geister-Horror, der letztes Jahr für verschreckte und sogleich begeisterte Festivalbesucher sorgte: Terrified!

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Aterrados
Argentinien
87 Minuten
Demián Rugna
Demián Rugna
Maximiliano Ghione, Norberto Gonzalo, Elvira Onetto u.a.

Der Film hält sich nicht lange mit der Einführung seiner Charaktere auf, sondern wirft uns direkt ins Geschehen. Ähnlich einer zusammenhängenden Sammlung an Kurzgeschichten lernen wir nach und nach die Nachbarn eines Ortsteils von Buenos Aires kennen. Alle haben eines gemeinsam: sie werden heimgesucht.

Regisseur und Drehbuchautor Demián Rugna gelingt es durch diesen Erzählstil eine äußerst bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Schon mit der ersten Szene zieht er uns den Boden unter den Füßen weg und macht klar, dass hier ausnahmslos alle in Gefahr sind. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass sich keine Protagonisten herauskristallisieren, an denen wir uns anhalten und uns somit zumindest den Anschein von Sicherheit geben könnten. Terrified verwendet die erste Hälfte seiner Spielzeit darauf, die verfluchte Nachbarschaft zu skizzieren. Danach treten die Hauptcharaktere der zweiten Hälfte ihren Dienst an: Dr.in Mora Albreck, eine Spezialistin für paranormale Phänomene, ihr Kollege Dr. Rosentock, der lokale Polizist Comisario Funes und sein Freund Jano Mario. Die Bewohner haben die Nachbarschaft vorübergehend verlassen, damit das Quartett, aufgeteilt auf zwei Häuser, seine Untersuchungen durchführen kann. Schon zu Beginn wird das Team mit paranormalen Phänomenen konfrontiert, wodurch direkt an die erste Hälfte des Films angeknüpft wird. Doch es dauert nicht lange bis das Besteck nicht nur schwerelos von Decken baumelt, sondern sich aufmacht Hände zu durchbohren…

Neben der dramaturgisch sehr wirkungsvollen Zweiteilung des Films, ist es vor allem Rugnas Gespür für Timing, das für Terrified spricht. Der Regisseur versteht es sein Publikum zu involvieren, Neugierde zu wecken, nur um dann unumwunden zuzuschlagen. Gerade die Erkundung der Häuser durch die ExpertInnen wird dadurch ein äußerst gruseliges Unterfangen. Auch wenn Rugna die Spannung konsequent hochhält, so hätte ich mir im Laufe der Entdeckungen eine Steigerung der Intensität gewünscht, welche Terrified leider schuldig bleibt. Andererseits gibt dieser gleichbleibend hoche Grad an Bedrohung dem Film auch ein Gefühl von Authentizität, da er sich der Künstlichkeit einer konventionellen Dramaturgie entzieht. Die Handlung nimmt zum Ende hin vermehrt surreale Züge an, verblasst dann aber langsam, statt mit einem Knall zu enden.

Terrified

Gerade die Schlusspointe ist leider äußerst klischeehaft, ausgelutscht und hätte besser auf dem Schneidetisch ihr Ende finden sollen. Selbstredend kommt dort noch einmal ein vollkommen vorhersehbarer Jumpscare zum Einsatz. Dabei werden diese von Rugna ansonsten sehr sparsam, gezielt und äußerst wirkungsvoll eingesetzt, wodurch sie dabei helfen die bedrohliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Passend dazu sorgt der industrial- und noiselastigen Soundtrack mit seinen disharmonischen Klängen für ein ständiges Unwohlsein, während das restliche Sounddesign im Gegensatz zu vielen Genrekollegen angenehm zurückhaltend ist und sich auf wenige Geräusche fokussiert.

Fazit

Unterm Strich gehört der argentinische Geister-Grusler definitiv zu den besseren Vertretern des Genres. Auch wenn er sich ein paar dramaturgische Schwächen erlaubt und eine zufriedenstellende Erklärung für den paranormalen Horror schuldig bleibt, so kann er mit einer richtig unheimlichen und zudem clever konstruierten ersten Hälfte glänzen. Fans des Genres können in jedem Fall unbesorgt zugreifen.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Terrified © Shudder

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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