Das Tier II (1985) – Review

Tier II

Oftmals als die schlechteste Fortsetzung aller Zeiten bezeichnet, spaltet Das Tier II die Fangemeinde. Zurecht? Koch Media veröffentlicht den Monster-Horror diesen Monat im Mediabook und wir haben uns vorab unter die Wölfe gewagt.

Originaltitel:Howling II: Stirba – Werewolf Bitch
Land:USA
Laufzeit:91 Minuten
Regie:Phillipe Mora
Drehbuch:Robert Sarno, Gary Bradner
Cast:Sybil Danning, Marsha A. Hunt, Christopher Lee u.a.
VÖ:ab 28.01.2021 als Mediabook

Inhalt

Nachdem sich die Reporterin Karen White (Hana Ludvikova) im Live-Fernsehen in einen Werwolf verwandelte und erschossen wurde, trifft ihr Bruder Ben (Reb Brown) nach deren Beerdigung auf den mysteriösen Stefan Crosscoe. Dieser entpuppt sich als eine Art Werwolf-Jäger und klärt Ben über die unglaubliche Geschichte seiner Schwester auf, die der junge Mann nicht glauben will. Erst nachdem er und Karens ehemalige Kollegin Jenny (Annie McEnroe, Beetlejuice) von Werwölfen angegriffen werden, schließen sich die beiden mit Stefan zusammen und stellen sich gegen die scheinbar überirdische Bedrohung. Um die Menschheit zu retten, reist das Trio nach Transsylvanien, um die Werwolfkönigin Stirba (Sybil Danning, Halloween (2007)) zu vernichten, bevor diese zu ihren vollen Kräften zurückfindet.

Kritik

Das Tier II, international auch unter den wohlklingenden Namen Howling II: Stirba – Werewolf Bitch bekannt, ist die erste Fortsetzung zu Joe Dantes Kult-Film Das Tier, der bis zum heutigen Tag immerhin sieben Nachfolger aufweisen kann. Aber abgesehen von der Tatsache, dass Protagonist Ben als Karen Whites Bruder agiert, gibt es keine weiteren Verbindungen zum ersten Teil. Tatsächlich ändert Regisseur Philippe Mora (The Beast Within) fast das gesamte Konzept der pelzigen Kreaturen inklusive Aussehen, Ursprung und Verhalten.

Joe Dante schuf mit Das Tier eine clevere Hommage an alte Werwolf-Filme und traf sicherlich den Nerv des Publikums. Mit seiner selbstreferenziellen Inszenierung, den innovativen Make-up-Effekten von Rob Bottin und dem satirischen Humor ist er ein charismatisches Beispiel für den Horror der 1980er-Jahre.

Tier II

In Das Tier II kommt es zu einer vollkommenen Ton- und Konzeptverschiebung im Hinblick auf den Vorgänger. Dieser setzte auf die Existenz einer Gruppe von Werwölfen, die ansonsten ein absolut unauffälliges Leben als durchschnittliche Amerikaner:innen führen, während Das Tier II eine märchenhafte Geschichte mit magischen Elementen entwirft. Mora wirft alle Logik aus dem Fenster und verwandelt die Werwölfe in komplette Sex-Unholde. Der Film beginnt bereits mit einer ungewöhnlichen Eröffnungsszene, in der Christopher Lee in einem Meer aus Sternen schwebt und kryptisch die Passage der „Hure Babylons“ aus der Offenbarung des Johannes liest. Neben ihm erscheint plötzlich ein medizinisches Skelett und was folgt, sind eine Reihe von offensichtlich bizarren Handlungspunkten, die sich zu faszinierendem Nonsens entfalten: Werwolf-Hexerei, lykanthropische Orgien, ein etwas penetranter, aber eingängiger Synthie-Pop-Soundtrack und Sybil Danning, die sich wiederholt ihr Lederoberteil herunterreißt.

Tier II

Allgemein bewegt sich die Folklore des Films irgendwo zwischen Vampiren, Werwölfen, Dämonen und Versatzstücken aus der christlichen Glaubenslehre. Insbesondere die starke Sexualisierung der Werwölfe scheint doch vielmehr zu den Feinheiten der romantisierten Blutsauger zu passen. Denkwürdig in diesem Zusammenhang ist die knurrende, fauchende Werwolf-Ménage-a-trois zwischen der Werwolfkönigin Stirba und zwei ihrer Akolythen.

Tier II

Im Unterschied zum ersten Teil gibt es keine aufwendigen Transformationsszenen oder Angriffe, der Regisseur beschränkt sich einfach auf einzelne Montagen und Nahaufnahmen aus blutbespritzten Gesichtern oder Gummi-Masken, die durch schnelle Schnitte den Eindruck eines blutigen Gemetzels erzeugen sollen. Leider ist kaum zu übersehen, dass die Werwölfe nicht unbedingt wie welche aussehen, sondern vielmehr nach einer Mischung aus Affe und Bigfoot.

Tier II

Die von Sybil Danning gespielte Werwolfkönigin Stirba ist, abgesehen von Christopher Lee, dann auch das Highlight in Das Tier II. Im Grunde trägt sie dieses Durcheinander eines Films auf ihren Schultern und stolziert dabei mit einer solchen Leidenschaft und solchem Selbstbewusstsein über den Bildschirm, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ihre sexuelle Aggressivität steht in einem spannenden Gegensatz zu Lees doch recht stoischer Mimik. Diese Ernsthaftigkeit und Lees völliger Mangel an Ironie bewahrt nicht nur das Intro, sondern auch einige andere Szenen davor, komplett ins Lächerliche abzugleiten. Und selbst wenn er manchmal aussieht, als wäre er lieber woanders, besitzt Lee dennoch eine einnehmende Präsenz und weiß nicht nur seine Rolle, sondern auch diesen seltsamen Film zu verkaufen.

Tier II

Weniger erfolgreich agieren die beiden Hauptdarsteller:innen Annie McEnroe und Red Brown, eines der furchtbarsten Leinwandpaare der Filmgeschichte. Als wäre Reb Browns Mangel an Bildschirmpräsenz und Charisma nicht schon schlimm genug, ist er auch nicht einmal in der Lage, eine Waffe abzuschießen, ohne dabei lauthals zu schreien. McEnroe und Brown scheinen einen Wettbewerb auszutragen, wer die grausamere Leistung erbringt. Es ist nicht sicher, wer letztlich gewinnt, aber das Publikum verliert in jedem Fall.

Tier II

Einen Pluspunkt bietet hingegen das Setting, denn hier wurde aus minimalen Mitteln das Beste herausgeholt. Natürlich besteht Transsylvanien aus einem charakteristischen Schloss auf einem Hügel, einem einzigen Straßenset und einigen gemalten Kulissen. Doch auch wenn Mora sich einige ost-europäische Stereotypen nicht verkneifen kann, kreiert er mithilfe der bröckeligen, rustikalen Gebäuden, regionaler Gimmicks, Schädeln und Düsternis eine unheimliche Atmosphäre, die an klassische Horrorfilme erinnert. Während die Außenszenen neblig und kalt sind, werden die Innenszenen von Hunderten von Kerzen beleuchtet. Die Fotografie ist dabei vorsichtiger und liebevoller, als es der Inhalt wahrscheinlich verdient.

Fazit

Während Das Tier ein ernsthafter Horrorfilm ist, gerät die Fortsetzung zur verrückten Achterbahnfahrt durch die Geschichte um einen sexhungrigen Werwolfkult, angeführt von einer mächtigen Göttin in Steampunk-Outfits. Wenn die letzten Credits laufen, fragt man sich höchstwahrscheinlich, was zum Teufel gerade auf dem Bildschirm passiert ist. Aber trotz des breiten Flickenteppichs an Idee behauptet der Film niemals etwas anderes zu sein als reine Unterhaltung.

Und eins ist Das Tier II auf keinen Fall: langweilig!

 

Bewertung

GrauenRating: 2 von 5
SpannungRating: 2 von 5
Härterating3_5
UnterhaltungRating5_5
Anspruch rating0_5
Gesamtwertungrating3_5

ab 28.01.2021 im Handel:

Tier II

Bildquelle: Das Tier II © Koch Media

Jana

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