The Dead Don’t Die (2019) – Review

The Dead Don't Die

Von melancholischen Vampiren zu kaffeesüchtigen Zombies. Jim Jarmusch spielt erneut mit dem Übernatürlichen und liefert mit The Dead Don’t Die eine liebevolle Hommage an die Zombiefilme der letzten 60 Jahre.

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VÖ:

The Dead Don’t Die
USA/Schweden
104 Minuten
Jim Jarmusch
Jim Jarmusch
Bill Murray, Adam Driver, Tom Waits u.a.
Seit 13.06.2019 im Kino

Inhalt

In der unscheinbaren amerikanischen Stadt Centerville scheint nicht viel zu passieren. Der rüpelhafte Farmer Miller (Steve Buscemi, Geschichten aus der Schattenwelt) fällt mit seiner fragwürdigen politischen Einstellung auf, lässt aber seine Mitmenschen meistens in Ruhe, der alte Hank (Danny Glover, Saw) betreibt den örtlichen Baumarkt, Horrorfilmfanatiker Bobby (Caleb Landry Jones, Get Out) die Tankstelle und den Mini-Mart, Bestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton, Suspiria) kümmert sich um die Toten, wenn sie sich nicht geraden ihren Kampfkünsten hingibt, und Einsiedler Bob (Tom Waits, Bram Stoker’s Dracula) lebt irgendwo im Wald, macht aber keine Probleme, außer Millers Hühner zu verspeisen.

Aber als durch „Polar Fracking“ die Rotation der Erde gestört wird, häufen sich seltsame Ereignisse in Centerville. Alle einheimischen Tiere nehmen fluchtartig Reißaus, die Sonne bleibt bis in die späten Abendstunden am Firmament und schon bald beginnen die Toten, sich auf dem nahegelegenen Friedhof aus ihren Gräbern zu erheben, um sich am Fleisch der Lebenden zu laben. Für Centervilles Polizei, die ausschließlich aus Chief Cliff (Bill Murray, Ghostbusters) und seinen Deputys Ronnie (Adam Driver, The Force Awakens) und Mindy (Chloë Sevigny, #Horror) besteht, ist es an der Zeit, so viele Zombies wie möglich zu eliminieren und die restlichen Stadtbewohner zu retten, die nicht bei der ersten Angriffswelle umgekommen sind.

Kritik

The Dead Don‘t Die kommt irgendwie zu einer komischen Zeit für das Subgenre. Mit Serien wie The Walking Dead, Filmen wie Operation: Overlord oder Train to Busan hat man mit Zombie-Geschichten schon so einiges abgegrast in den letzten Jahren. So viel wurde schon gesagt und ausprobiert, dass es kaum noch etwas gibt, was man noch nicht gesehen hat. Zum Glück liegt es dem Indie-Veteranen Jim Jarmusch nicht daran, das Rad neu zu erfinden, sondern sich viel mehr einen Spaß daraus zu machen, mit den gewohnten Zitaten und Anspielungen zu jonglieren. Der Filmemacher nahm sich dabei fast 60 Jahre Zombiegeschichte zur Brust. Ganz gleich ob Skurrilitäten wie Plan 9 from Outta Space, Klassiker wie Night of the Living Dead oder Kultfilme wie Verdammt, die Zombies kommen. Alles bekommt hier buchstäblich sein Fett weg und wird in bester Jarmusch-Manier durch den Wolf gedreht. So ist es die besondere Herangehensweise, die den Film vom herkömmlichen Klamauk unterscheidet.

Im Stile seiner früheren Werke wie Coffee & Cigarettes oder Night on Earth gestaltet sich besonders der Auftakt vielmehr wie eine Zusammensetzung von Skizzen über Centerville. Jarmusch präsentiert die einzelnen Geschichten entweder komplett zusammenhanglos zueinander oder schneidet diese kurzerhand einfach ab, nur um im späteren Verlauf dort wieder einzusetzen, wo er aufgehört hat. Die seltsame Eigenart funktioniert überraschenderweise wirklich gut und schafft es, den Film trotzdem zusammenzuhalten. Dabei wirkt der auf Dauerbeschallung laufende „The Dead Don‘t Die“ von Sturgill Simpson wie der Kleber, der alles verbindet und fest miteinander vereint. Selten war ein Song nerviger und doch so wichtig für das Geschehen wie dieser.

The Dead Don't Die

Natürlich durfte Jarmusch wieder einmal auf sein Ensemble von Stammschauspielern vertrauen, die durch die Bank eine bemerkenswert routinierte Leistung abliefern. Jede Rolle wurde genau mit dem Schauspieler besetzt, den man in dieser Rolle erwarten würde: Adam Driver ist ein sanfter, bebrillter Nerd, der sich ein wenig zu sehr für die Aussicht begeistert, frühere Nachbarn zu enthaupten. Bill Murray mimt den väterlichen Typ, der schon mal ein Nickerchen in der Gefängniszelle nimmt, nur um stets vor Ort zu sein und Tilda Swinton gibt die stahlharte, aber elfengleiche Bestatterin, die jenseits von Moral oder Geschlecht zu existieren scheint. Dass aber Iggy Pop als Zombie mit einem Hang zu Kaffee allen die Show zu stiehlt, war natürlich schon im Vorhinein wenig verwunderlich. Einen Aspekt den Jarmusch für sich nutzt, da er damit die klassische Formel kurzerhand auf den Kopf stellt. Zombies schlurfen jetzt nicht nur willenlos durch die Gegend, auf der Such nach dem nächsten Bissen Frischfleisch, sondern wiederholen Aktionen, die sie einst definierten, wie das Schlagen eines Tennisschlägers oder starren unentwegt auf ihr Smartphone. Zombiekinder sitzen in einem zerstörten Süßwarenladen und murmeln die Namen ihrer Lieblingssüßigkeiten wie Beschwörungsformeln. Und wenn sie aufgeschlitzt oder enthauptet werden, bluten die Untoten nicht mehr, sondern stoßen Ruß aus. Asche zu Asche, Staub zu Staub. Das besonders dieser Punkt bei vielen Gorehounds für Sodbrennen sorgen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Grafische Gewalt sucht man vergebens.

The Dead Don't Die

Sodbrennen wird mit Sicherheit auch Donald Trump bekommen, wenn er sich Jarmuschs neustes Werk anguckt. Der Filmemacher hat es sich nicht nehmen lassen, sein eigenes Statement zur aktuellen politischen Lage Amerikas einzubauen. Ganz gleich ob in offensichtlichen Dingen wie der Rolle von Steve Buscemi, der sich mit knallrotem Basecap mit der Aufschrift „Make America White Again“ (eine Anspielung auf Trumps Slogan „Make America Great Again“) darüber beschwert, sein Kaffee sei zu schwarz für seinen Geschmack oder Adam Drivers Monolog darüber, warum Mexikaner seine absoluten Lieblingsmenschen sind. Natürlich kommt auch Trumps Klimapolitik nicht zu kurz und bildet anhand des im Film angedeuteten „Polar-Fracking“ den Auslöser einer apokalyptischen Katastrophe. Die Mehrheit der Bevölkerung weigert sich solange den Ernst der Lage zu akzeptieren, bis es zu spät ist.

Fazit

Jim Jarmusch liefert eine liebevolle Hommage an das Genre mit all seinen Facetten und lässt es sich nicht nehmen, seine Unzufriedenheit gegenüber der aktuellen Trump-Regierung durch einige mehr oder minder herbe Seitenhieb kundzutun.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
Spannungrating1_5
Härte Rating: 1 von 5
Unterhaltung Rating: 4 von 5
Anspruch Rating: 4 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Bildquelle: The Dead Don’t Die © Universal Pictures Germany

Jörg

Horrorfilme sind wie Essen. Zwischen dem immer gleichschmeckenden Fast Food, gibt es auch mal kulinarische Höhepunkte, die es aber nur zu Erkunden gibt, wenn man sich auch mal traut, etwas Neues auszuprobieren.
Jörg

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