Scream (2022) – Review

Scream

Elf Jahre nach Wes Cravens letztem Film Scream 4 folgt nun mit Scream das bereits zweite Wiederauferstehen der beliebten Reihe. Wir haben uns Ghostface für euch gestellt, um herauszufinden, wie gut die erste Modernisierung ohne Cravens Beteiligung ist.

Originaltitel: Scream
Land: USA
Laufzeit: 115 Minuten
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: James Vanderbilt, Guy Busick
Cast: Neve Campbell, Melissa Barrera u.a.
VÖ: Seit 13.01.2022 im Kino

Inhalt

25 Jahre ist es bereits her, dass Sidney Prescott (Neve Campbell, Der Hexenclub), Dewey Riley (David Arquette, Ravenous) und Gale Weathers (Courteney Cox) die erste Mordserie der damaligen Ghostface-Killer in der beschaulichen Kleinstadt Woodsboro überlebt haben. Nachdem seit den letzten Angriffen eines Trittbrettfahrers von 2011 nunmehr elf Jahre vergangen sind, schlüpft abermals jemand in das altbekannte Kostüm von Ghostface, um eine Gruppe von Jugendlichen zu dezimieren. Also schließen sich Sidney, Dewey und Gale erneut zusammen, um das Morden ein für alle Mal zu beenden. Zwei Dinge scheinen glasklar: Die Morde haben immer etwas mit der Vergangenheit zu tun und der Mörder ist immer jemand, den du kennst…

Kritik

Als Scream – Schrei! 1996 in die Kinos kam, sorgte der Film für Furore, revolutionierte er doch das längst totgeglaubte Subgenre des Slashers auf nie dagewesene Weise. Mit einem unglaublich versierten Genre-Verständnis nahmen Regisseur Wes Craven (A Nightmare on Elm Street) und Drehbuchautor Kevin Williamson die Regeln des Slasher-Genres aufs Korn und erschufen somit einen innovativen Klassiker, der zu Cravens Lebzeiten drei ebenfalls von ihm inszenierte Fortsetzungen bekommen sollte. Das Spiel mit Meta-Ebenen und die Dekonstruktion der eigenen Mechanismen ist seit Tag 1 das Aushängeschild der Reihe und wurde von Craven selbst in den Fortsetzungen stets variiert und aufeinander aufbauend weitergedacht. Mit der Bekanntgabe, dass sich der neue Scream von dem Meta-Geschlitze der Vorgänger verabschieden würde, wurde ein Bruch mit der bisherigen Gangart des Franchises angekündigt – eine Befürchtung, die sich zum Glück als unwahr herausstellen sollte.

ScreamDenn entgegen der vorherigen Ankündigung ist Scream sehr wohl erneut ein Meta-Horror par excellence. Der Clou dabei: Anders als noch in Teil 1-4 sind es nun nicht mehr die Regeln des Slashers bzw. von etwaigen Fortsetzungen, die selbstreferentiell durch den Kakao gezogen werden, sondern der aktuelle Ist-Zustand in Hollywood in Bezug auf die zunehmende Produktion von sogenannten Legacy Sequels. Also späte Fortsetzungen, die ein zentrales Figurenensemble aus früheren Filmen wieder zusammenbringen und hauptsächlich um neue Charaktere herum aufgebaut sind.

Diese Idee ist im Scream-Franchise nicht gänzlich neu, schließlich hat auch schon Scream 4 sich daran abgearbeitet, wie Altbekanntes an eine neue Generation weitergetragen werden kann. Doch der neuste Ableger der Reihe spielt geschickt mit den Erwartungen an solch ein Legacy Sequel, lässt das beliebte Trio nur sehr rar auftreten und untergräbt damit seine eigenen formalen Vorgaben. Entgegen dem vielerorts ausgedrückten Vorwurf, Scream würde nur Fan-Service betreiben, ist es daher vielmehr eine Abrechnung mit der oftmals beklagten Einfallslosigkeit jener Produktionen, da diese parodistisch unterwandert werden. Frei nach dem Mottot „Don’t hate the player, hate the game“ eignet sich Scream diesen Hollywood-Trend an und verändert dadurch erstmalig innerhalb des Franchises das Objekt, das reflektiert wird.

ScreamSich diesen Umstand zunutze zu machen, mag auf den ersten Blick ein wenig plump erscheinen, ist im Grunde aber ein Beweis für ein umfangreiches Verständnis nicht nur der aktuellen Filmbranche im allgemeinen, sondern auch des Horrorgenres im speziellen. Angestoßen durch den riesigen Erfolg des 2018er Halloween erscheinen immer mehr neue Beiträge zu längst kultigen Horrorreihen, die den jeweils ersten Film in einer Mischung aus Fortsetzung und Remake neu aufbereiten sollen. Candyman und die kommenden Texas Chainsaw Massacre und Der Exorzist sind nur einige Beispiele. Scream ist ohne Zweifel im selben Fahrwasser unterwegs, ist aber an entscheidender Stelle mutig genug, den häufigen Vorwurf der Kopie des Originals selbstbewusst anzunehmen als Stärke auszuspielen. Dementsprechend ist es nur konsequent, dass der Film statt Scream 5 schlicht Scream getauft wurde.

Die Verortung des Finales an einen früheren Schauplatz aus dem ersten Teil erweist sich als überraschender Geniestreich, zementiert sie doch erfolgreich die Prämisse des Films: beinahe einer Kopie gleich nah am Original zu bleiben und trotzdem gleichzeitig die Essenz dessen auf moderne Art weiterzudenken. Nicht zuletzt ist das auch ein zynischer Seitenhieb auf jene, denen das Original heilig ist und die alles Neue grundsätzlich verteufeln und solche, die behaupten, es gäbe grundsätzlich keine innovativen Ideen mehr, gleichermaßen.

Scream

Fazit

In Anbetracht der großen Fußstapfen erweist sich Scream als echte Überraschung. Es gelingt dem Film, nostalgisch zu sein, ohne in Kitsch zu versinken, das eigene Erbe ernst zu nehmen und trotzdem eigene Wege zu gehen. Zwar steht das Vermächtnis von Wes Craven über allem, wie auch die Widmung am Ende belegt, jedoch scheut das Regie-Duo Bettinelle-Olpin und Gillet nicht davor, auch eigene Akzente zu setzen. So beweisen die kreativen Köpfe hinter dem neusten Film ein überaus klarsichtiges Verständnis der aktuellen Filmbranche und eignen sich die Spielregeln der Legacy Sequels an, um sie in altbekannter Scream-Manier auf den Kopf zu stellen. Scream ist ganz nah am Puls der Zeit und bei der minutiösen Dekonstruktion dieser versiert wie eh und je; viel besser hätte man das grundsätzliche Konzept der Reihe nicht ins Jahr 2022 übertragen können.

Bewertung

Grauen Rating: 1 von 5
Spannung Rating: 3 von 5
Härte  Rating: 3 von 5
Unterhaltung  Rating: 4 von 5
Anspruch  Rating: 4 von 5
Gesamtwertung Rating: 4 von 5

Seit 13.01.2022 im Kino

Bildquelle: Scream © Paramount

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