Von gefährlichen Papp-Labyrinthen und rotbeflecktem Sand – Filmfestival Tag 4

It Stains the Sands Red

An Tag 4 erwartete mich Dave Made a Maze und It Stains the Sands Red. Was soll da noch schief gehen?

Als großer Liebhaber des Zombie-Genres bin ich ja schon lange auf It Stains the Sands Red scharf, Dave Made a Maze hatte ich bevor ich das Festival-Programm in Händen hielt allerdings überhaupt nicht auf dem Schirm. Doch ist der Titel schon zum Verlieben schön, so hat mich der Trailer endgültig aus den Socken gehauen, weshalb wir auch sogleich starten mit

Dave Made a Maze (2017) von Bill Watterson

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Dave Made a Maze
USA
80 Minuten
Bill Watterson
Steven Sears

und dem famosen Trailer, dem ihr zumindest die Hälfte dieses Beitrages zu verdanken habt. Film ab!

Inspiriert wurden Drehbuchautor Steven Sears und Regisseur Bill Watterson von Abenteuerfilmen ihrer Jugend wie den Goonies, aber vor allem natürlich den Filmen von Jim Henson wie Die Reise ins Labyrinth und Der dunkle Kristall. Gerade in der Verbindung mit Puppenmeister-Henson lässt sich viel der kreativen Energie herleiten.

Dave Made a Maze ist allerdings weitaus mehr als einer jener Retro-Trips ins Nostalgieland, sondern eine wahre Explosion an anarchischer Kreativität. So greift Watterson inszenatorisch in die Vollen. Von Puppenspiel über Stop Motion ist alles an handgemachten Effekten dabei, was man sich nur wünschen kann.

Dazu bietet der Streifen viele schöne Allegorien. Natürlich in erster Linie über das Gefangen sein in der eigenen Kreation, in der eigenen Kreativität. Gerade an Hand von Dave wird dieses Nicht-zu-Ende-bringen-können und sich auch vor der Realität zurückziehen sehr schön dargestellt. Aber auch Paarbeziehungen werden unter die Lupe genommen und so bietet der Film schlussendlich wesentlich mehr Substanz als man ihm zuerst vielleicht zutrauen würde.

Dadurch ist Dave Made a Maze ein wundervolles, düsteres Fantasy-Stück in dem sich wohl die meisten zumindest zu einem kleinen Teil wieder erkennen können. Eines meiner absoluten Highlights der letzten Jahre und nicht zu Unrecht wohl der Publikumsliebling auf dem /slash Filmfestival.

Nach diesem wunderschönen Start ging es weiter mit einer meiner großen Festivalhoffnungen:

It Stains the Sands Red (2016) von Colin Minihan

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

It Stains the Sands Red
USA
92 Minuten
Colin Minihan
Stuart Ortiz, Colin Minihan

Was mich an dem Film von Anbeginn so sehr fasziniert hatte, war die aufs Simpelste runtergebrochene Story: eine Frau, ein Zombie.

Dieses Grundsetting ist es dann auch, was It Stains the Sands Red so von all den anderen ideenlosen Zombiefilmen unterscheidet. Im Normalfall setzen die Filmemacher bei Zombiefilmen auf Massen. Der Zombie ist langsam und dumm und viele Regisseure offenbar unfähig daraus eine echte Bedrohung zu entwickeln. Im schlimmsten Fall sieht das dann aus wie bei World War Z. Zombies sind die stumme unaufhaltsame Masse, was ja auch grundsätzlich nicht verkehrt ist, aber eben oft schiere Ideenlosigkeit vertuschen soll. Colin Minihan und Stuart Ortiz (unter dem Pseudonym The Vicious Brothers für Grave Encounters verantwortlich) beweisen nun, dass es auch anders geht.

Und man mag es kaum glauben, aber dem Duo gelingt es mit Leichtigkeit die Spannung über die gut 90 Minuten zu halten. Na gut zum Ende hin weitet sich der Fokus noch einmal, aber den Großteil der Zeit heißt es: I Walked with a Zombie! Dass dies so gut funktioniert, liegt einerseits an der einfallsreichen Inszenierung, aber andererseits vor allem an der bezaubernden Performance von Brittany Allen, die ihr bald auch im neuen Teil von Saw bewundern könnt. Ihre charakterliche Entwicklung von der drogenabhängigen Stripperin zur knallharten, postapokalyptischen Heldin ist nicht nur äußerst authentisch, sondern lädt vor allem auch zum mitfiebern ein. Aber nicht nur Allen macht hier einen grandiosen Job, auch ihr Zombie-Kollege Juan Riedinger weiß zu überzeugen. Müssen Zombies ja sonst auch nicht zwingend, da muss in erster Linie das Makeup in Nahaufnahmen zeigen was es kann.

Verfeinert wird das Ganze noch von einem gut durchdachten gesellschaftskritischen Kontext, der durchaus zum Nachdenken anregt und über die üblichen Zombie-Messages (wer denn jetzt die wirklichen Monster sind) hinausgeht. So nimmt It Stains the Sands Red direkt neben The Girl with All the Gifts Platz – in den Ruhmeshallen des aktuellen Zombiefilms. Bitte mehr davon!

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Damit schließe ich hochzufrieden meinen vierten Festivaltag ab und freue mich schon an Tag fünf auf Cult of Chucky und Hounds of Love.

 

Bewertung

 Dave Made a Maze
SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: Dave Made a Maze © Gravitas Ventures

Bewertung

 It Stains the Sands Red
SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: It Stains the Sands Red © Eurovideo

Florian Halbeisen
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