Platz 9 bis 7 der besten Horrorfilme aller Zeiten!

Besten Horrorfilme

Unsere nächsten drei Plätze der besten Horrorfilme aller Zeiten zeigen wieder eine bunte Mischung dessen, was das Genre zu bieten hat: Von Aliens bis zu Hexen. Von Stanley Kubrick über John Carpenter bis zu Ari Aster: Hier ist Horror zuhause.

Platz 9: Hereditary (2018)

Mit seinem Regiedebüt Hereditary gelang Regisseur Ari Aster ein imposantes und kolossales Erstlingswerk, das man so nur selten zu Gesicht bekommt. Der Film folgt Annie Graham, deren Mutter vor kurzem verstarb, und ihrer Familie, die sich kurz nach der Beisetzung der Großmutter mit unerklärlichen Erscheinungen konfrontiert sieht. Als es kurz darauf zu einer verheerenden Katastrophe kommt, bricht schierer Terror über das Leben der Grahams ein.

Was Hereditary in erster Linie so besonders macht, ist die furiose Bravour, mit der er seine Zweischneidigkeit meistert. Während in der ersten Hälfte geschickt der totale soziale Zerfall einer sowieso angeschlagenen Familie inszeniert wird und eher noch die Schiene eines intensiven Familiendramas gefahren wird, schleicht sich immer mehr ein nicht greifbares Grauen ein. Dieses schlägt etwa ab der Hälfte ins Übernatürliche um, um von dort an rücksichtslos seine Protagonisten heimzusuchen. Dabei hält sich das nebulöse Böse lange bedeckt und windet sich erst spät ganz langsam durch die Risse in der Familienstruktur an die Oberfläche. Die Mitglieder der Familie Graham sind von Anfang an ohnmächtige Schachfiguren in der verheerenden Maschinerie, die durch den Tod der Großmutter erst in Gang gesetzt wurde. Der psychologische Terror, der die Familie unnachgiebig heimsucht, manifestiert sich nicht etwa in billigen Schockmomenten; stattdessen nistet sich das Böse wie ein Virus in die Köpfe der Familienmitglieder, das sie von innen zerfrisst, von ihrer Trauer zehrt und sie wie Puppen an Strippen unvermeidbar ins Verderben manövriert.

So steigert sich die Anspannung mit einer unglaublich düsteren und beklemmenden Atmosphäre hin zu einem wahrlich furchteinflößenden Showdown, der die grausame Konsequenz dessen ist, was die Familie Graham alles im Vorfeld erleiden musste. Der Film nimmt sich viel Zeit, um den Zerfall seiner Figuren zu zeigen, während der Horror ganz schleichend aus dem Wissen entsteht, dass da nachts in der Dunkelheit, in der Stille, etwas abgrundtief Teuflisches auf die Grahams lauert. Hereditary ist ein wahres Monstrum von einem Film: ein auf Zelluloid gebannter Alptraum, dessen Intensität und Wucht ihn zweifelsfrei zu einem der besten Horrorfilme aller Zeiten macht. [Robert]

Platz 8: Das Ding aus einer anderen Welt (1982)

Tief im antarktischen Eisschild liegt die amerikanische Forschungseinrichtung Outpost 31. Als deren Besatzung einen Schlittenhund vor den Gewehrkugeln norwegischer Polarforscher rettet, ahnt sie noch nicht, dass sie sich im wahrsten Sinne den Teufel ins Haus holt. Denn im Pelz des Vierbeiners verbirgt sich eine bizarre außerirdische Kreatur, ein namen- und formloser Gestaltwandler, der nach und nach auch die Körper der Crew infiziert und grausam transformiert. In kürzester Zeit entsteht eine Atmosphäre umfassender Paranoia, in der niemand mehr dem anderen traut…

Ein wahrer Kraftakt muss der Dreh von John Carpenters Neuverfilmung der Novelle „Who Goes There?“ von John W. Campbell gewesen sein. Materialschäden, Komplikationen und Verletzungen begleiteten den Dreh in der beißenden Kälte Alaskas, während Spezialeffekt-Jungtalent Rob Bottin bis zur Erschöpfung arbeitete. Zunächst blieb der Einsatz unbelohnt: Das Ding aus einer anderen Welt spielte nur wenig mehr als seine eigenen Kosten an den Kinokassen ein. Schuld daran scheint vor allem der zeitgleiche Release von E.T. gewesen zu sein, den Carpenter später als „das genaue Gegenteil“ seines Films beschrieb.

Und in der Tat könnte sich dem großen Thema außerirdischen Lebens unterschiedlicher nicht genähert werden: Dem anthropomorphen Alien Spielbergs setzt Carpenter ein Maß radikaler Fremdheit entgegen, das alle Kategorien bricht. Sein Extraterrestrisches bleibt völlig gestaltlos; über seine ureigene Physiologie wird ebenso wenig bekannt wie über seine Motivationen oder seine Herkunft. Es spielt auf unvorstellbare Weise mit der irdischen Biologie und erschüttert das bisherige Verständnis der Wissenschaftscrew, die nicht einmal mehr ihren eigenen Sinnen trauen kann, als die tentakelstrotzende Katastrophe fortschreitet.

Mit diesem Ding, das man anders nicht nennen kann, erforscht Carpenter jenes imaginäre Außerirdische, das jenseits der stellaren Kulturen von Star Wars und Star Trek, abseits der grauen Männlein Spielbergs regiert: Das ureigenen Grauen vor dem gänzlich Unbekannten. [Alexander]

Platz 7: Shining (1980)

Der arbeitslose Autor und Ex-Lehrer Jack Torrance nimmt eine Stelle als Hausmeister im Overlook-Hotel in Colorado an. Während der fünfmonatigen Winterpause des Hotels soll er sich um die Beheizung des Gebäudes kümmern. Für Jack kommt der Job wie gerufen, verspricht er sich von der mehrmonatigen Isolation doch genügend Zeit und Ruhe, um an seinem neuen Buch zu arbeiten. Als er mit seiner Frau Wendy und Sohnemann Danny das Overlook bezieht, dauert es nicht lange, bis es zu ersten Spannungen innerhalb der Familie kommt und eine merkwürdige Macht scheint immer mehr von Jack Besitz zu ergreifen…

Was Stanley Kubricks Adaption von Stephen Kings gleichnamigem Roman so genial macht, ist seine Abkehr von beinahe allem offensichtlich Übernatürlichen, das in Kings Roman großzügig verteilt ist. Stattdessen macht er aus dem Stoff ein Familiendrama, in dem die fragile Fassade des menschlichen Miteinanders innerhalb der Familie bereits stark bröckelt, bevor das Overlook überhaupt ins Spiel kommt. Die bösen Präsenzen, die das Hotel behausen und die Danny durch das Shining fähig ist zu sehen, bemächtigen sich Jacks gebrechlicher Psyche und bringen all das Übel an die Oberfläche, das schon lange in ihm schlummerte. Mit fanatischer handwerklicher Perfektion erzählt Kubrick eine Tragödie, die unausweichlich zur Katastrophe führt.
Labyrinthische Gänge und die schier unmögliche Architektur des Hotels verwirren die Sinne, unheimliche Visionen und geisterhafte Erscheinungen den Verstand. Mit seiner manipulativen Kraft entfesselt das Hotel Jacks Abgründe und treibt ihn langsam in den Wahnsinn, während Wendy und Danny dem Terror schutzlos ausgeliefert sind.

Damit gelang Kubrick eine überaus eigenständige Interpretation der Romanvorlage, die King zwar überhaupt nicht zusagte, aber die bis heute nichts von ihrer Intensität verloren hat und vollkommen zu recht ein zeitloser Klassiker des Genres darstellt. [Robert]


Was sagt ihr zu unseren Plätzen 9 bis 7? Habt ihr alle Plätze schon gesehen? Ganz nach eurem Geschmack oder fragt ihr euch, was uns bloß geritten hat? Lasst es uns wissen!

Am 18. Juli erscheinen die Plätze 6 bis 4. Ihr dürft gespannt sein!

Hier geht es zum Überblick über die gesamte bisher veröffentlichte Liste.

DarkForest

2 Kommentare

  • Avatar

    Was für eine schöne Liste, vielen Dank dafür!
    Heredity hätte ich nicht so weit oben platziert. Den Film empfand ich als wunderbar böse, handwerklich brillant, unglaublich intensiv, toll gespielt – bei allen verdienten Superlativen aber doch eher Kunsthandwerk. Ganz großes, sicher, aber mir fehlte etwas wirklich Originäres. Zumindest, das am Ende mehr ist als die Summe seiner (wirklich hervorragenden) Teile. Die Halbwertszeit wird hier nicht so lang sein, vermute ich. Aber das muss auch kein Parameter für die Platzierung sein.

    • Florian Halbeisen
      Florian Halbeisen

      Hallo Lex,
      danke für die lieben Worte. Das hören wir natürlich immer gern 🙂

      Bei Hereditary hast du natürlich recht. Unsere Redaktion ist über weite Teile sehr begeistert von dem Film, weshalb er in der Liste sehr weit oben steht. Wie hoch dessen Halbwertszeit ist, ist natürlich fraglich und das werden wir erst in einigen Jahren beurteilen können.

      Wir werden die Liste alle paar Jahre aktualisieren und wir werden dann ja sehen, wie sich die Platzierung von Hereditary entwickelt. Ob er sich dauerhaft oben festsetzen kann oder langsam aus unserem Gedächtnis verschwindet.

...und was meinst du?