Serienkiller-Montag – Filmfestival Tag 5

Hounds of Love

Am fünften Tag standen Cult of Chucky und Hounds of Love auf dem Plan. Es verspricht blutig und brutal zu werden.

Nachdem mich am Sonntag ein mörderisches Labyrinth und ein Zombie in Dave Made a Maze und It Stains the Sands Red sehr glücklich machten, ging es am nächsten Tag weiter mit Serienkillern. Den Anfang machte

Cult of Chucky (2017) von Don Mancini

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Cult of Chucky
USA
91 Minuten
Don Mancini
Don Mancini

Als Chucky 1988 das erste Mal das Licht der Welt erblickte, war die goldene Zeit des Slasher-Genres schon vorbei. Nichtsdestotrotz erwies sich die liebenswerte Mörderpuppe mit losem Mundwerk als Publikumsmagnet und nicht tot zu kriegen. Chucky hat im Laufe der Jahre eine popkulturelle Stellung eingenommen, die Michael, Jason, Freddy oder Leatherface in nichts nach steht.

Dabei waren die ersten Chucky-Filme bestenfalls Mittelmaß. Mit späteren Teilen folgte man dann wohl vor allem auch dem Vorbild von Freddy Krueger und betonte verstärkt die humoristischen Anteile der Reihe. Besonders bei Teil vier Chucky und seine Braut und Teil fünf Chuckys Baby treten die Horroraspekte stark in den Hintergrund. Im sechsten Teil wurde das jedoch wieder über Bord geworfen und wir bekamen den düstersten Chucky aller Zeiten und damit auch einen meiner liebsten Teile der Reihe.

Wer sich über diesen Richtungswechsel genau so gefreut hat wie ich, der darf schon einmal verzückt die Hände reiben, denn Cult of Chucky macht genau dort weiter, wo Curse of Chucky aufgehört hat. Nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich. Der Film beginnt mit Nica in der Psychiatrie nachdem ihr niemand die Story mit der Mörderpuppe glauben wollte. Nicas Martyrium ist aber leider immer noch nicht vorbei, denn bei einer Gruppensitzung hat ihr Therapeut eine Good-Guy-Puppe dabei…

Cult of Chucky hätte jetzt ein 08/15-Slasher in einer Irrenanstalt werden können, der hie und da eine popkulturelle Referenz reinschmeißt und sich fröhlich, Sprüche klopfend durch die Gegend metzelt. Ich kann an dieser Stelle auch alle alten Chucky-Fans beruhigen: das kommt auch alles hier vor. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Regisseur und Drehbuchautor Don Mancini dabei auf sämtliche Regeln pfeift und den Wahnsinn loslässt – sehr passend zur Location.

Gerade Fiona Dourif (Fear Clinic), die Tochter von Brad Dourif (sehr passend auch in Einer flog übers Kuckucksnest), der seit jeher Chucky seine Stimme leiht, macht in diesem Spektakel eine wunderbare Figur und mausert sich zu einer der coolsten Heldinnen des Slasher-Genres.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit der Mörderpuppe und wer gerne noch mehr darüber lesen will, den verweise ich an die Kollegen von Film und Feder, die dazu eine wundervolle Review verfasst haben.

Vom phantastischen Wahnsinn ging es dann zu einer wahren Begebenheit in

Hounds of Love (2016) von Ben Young

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Hounds of Love
Australien
108 Minuten
Ben Young
Ben Young

Das Spielfilmdebüt von Ben Young basiert auf den Morden des australischen Ehepaars David und Katherine Birnie – hier umbenannt in John und Evelyn White. Ich will jetzt aber gar nicht zu viel für jene vorweg nehmen, die die Geschichte noch nicht kennen.

Filme dieser Art bergen auch immer das Risiko in sich, dass sie reales Leid zu unserer Erregung ausschlachten. Gerade das Horrorgenre neigt dazu, wenn ihr mir diese Pauschalisierung erlaubt, junge, hübsche Frauenkörper zu zerstören – und dies vielfach wie es scheint zum reinen Selbstzweck. Der Horrorfilm als Projektionsfläche für die eigenen destruktiven Triebe und Gelüste? Natürlich ist es nicht so einfach und dies ein ausgesprochen spannendes Thema, dem ich mich auf jeden Fall in einem gesonderten Beitrag zuwenden will. An dieser Stelle stellt sich mir mehr die Frage: wie geht Hound of Love damit um?

Genau diese destruktive Sensationslust wurde dem Film nämlich durchaus von mehreren Seiten vorgeworfen. Ich halte diesen Vorwurf allerdings aus zweierlei Gründen nicht für gerechtfertigt.

Zum einen suhlt sich Ben Young nicht in der Inszenierung von Qual und Missbrauch wie dies andere Genre-Beiträge tun. Auch wenn Young keinen Zweifel daran aufkommen lässt, welche Qualen die Opfer im Haus des Paares durchstehen müssen. So belässt er diese Szenen dem Kopf des Publikums. Somit ist der Film schon einmal formell weit weg von jeglichem Exploitationkino.

Zum anderen geht der Film auch inhaltlich eigene Wege indem er sich für eine doch eher unkonventionelle Perspektive entscheidet. Denn der Film nimmt nicht wie man es erwarten könnte und auch gewohnt ist die Sicht des Opfers ein. Nicht einmal jene Perspektive des agierenden Antagonisten, sondern jene der Helferin, der Zulassenden. Jene von Evelyn White. Sie ist Täterin und Opfer zugleich. Darin liegt eine große Stärke des Films und auch die stärksten Szenen speisen sich aus den daraus entstehenden Konflikten. Und eben weil Young den Fokus nicht auf die sadistische Interaktionen zwischen Täter und Opfer, sondern auf diese zerstörerische Beziehung des Killerpaares legt, ist Hounds of Love eben viel mehr als nur die Ausschlachtung von Leid und Schmerz.

Hounds of Love

Stephen Curry und Emma Booth als Killer-Ehepaar

Emma Booth hat hier entsprechend auch die schwerste Aufgabe indem sie die Zerrissenheit von Evelyn entsprechend darstellen muss. Was sie zumindest in meinen Augen sehr gut gemeistert hat. John White und sein junges Opfer Vicki sind hingegen eher flach gezeichnet und verlangen Stephen Curry (Rogue) und Ashley Cummings daher auch wesentlich weniger ab. Was jedoch nicht heißen soll, dass diese eine schlechte Performance abliefern. Das Drehbuch gibt ihnen einfach nur weniger mit dem sie arbeiten könnten.

Allgemein hätte ich mir gewünscht, dass sich Ben Young noch etwas mehr auf die Beziehung zwischen Evelyn und John fokussiert und die Charaktere etwas mehr Fleisch auf die Knochen bekommen hätten. Denn obwohl der Fokus stark auf Evelyn liegt, so lässt es sich Young doch nicht nehmen, einen knüppelharten, dreckigen Horror zu inszenieren, der es durchaus in sich hat. Dies macht er auch mit Bravour und man möchte sich die Finger teilweise bis zu den Knochen abnagen, jedoch fehlt schlussendlich etwas die Balance zwischen Drama- und Horror-Elementen.

Hounds of Love macht vieles richtig, aber wirkt teilweise noch etwas ziellos. Für ein Debütwerk kann ich an dieser Stelle allerdings nur meinen Hut ziehen. Da will ich gar nicht lange auf kleineren Schwächen rumreiten, sondern sage guten Gewissens: merkt euch diesen Regisseur und schaut euch diesen Film an!


Nach einem weiteren starken Festivaltag gönn ich mir jetzt erst einmal zwei Tage Pause und danach geht es höchst verwirrend und surrealistisch weiter mit Fashionista und Let the Corpses Tan.

 

Bewertung

 Cult of Chucky
SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: Cult of Chucky © Universal Pictures

Bewertung

 Hounds of Love
SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 0 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Hounds of Love © Alive

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

...und was meinst du?