13 Femmes fatales in Horrorfilmen, die ihr kennen solltet!

Femme fatales

3. Lee Geum-ja (Lady Vengeance, 2005)

Mit 19 Jahren wird die naive Lee Geum-ja wegen der Entführung und Ermordung eines 5-jährigen Jungen zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, obwohl sie die Tat nicht begangen hat. Der eigentliche Mörder bleibt unbehelligt. Bereits während ihrer Haft beginnt Geum-ja einen minutiösen Racheplan auszuarbeiten – sie konvertiert zum Christentum und wird zu einer vorbildlichen Insassin, die sich aufopferungsvoll um ihre Mitgefangenen kümmert und so deren Freundschaft und Loyalität zu erlangen. Nach 13 Jahren wird sie schließlich als Mustergefangene entlassen und beginnt, unterstützt von ihren ehemaligen Zellengenossinnen, ihre Rache an dem Mann, der einst ihr Leben zerstörte.

Park Chan-wooks Rache-Trilogie (Sympathy for Mr. Vengeance, Lady Vengeance und Oldboy) ist ein Teil einer sehr erfolgreichen koreanischen Neo-Noir-Welle, bei der jedoch eine der wichtigsten Figuren des Film noir oft untergeht: die Femme fatale. Es ist geradezu ironisch, dass ausgerechnet Lady Vengeance, der wenig mit Elementen des Film noir arbeitet, mit eben jener Figur aufwarten kann. Die von Lee Young-ae (Bring me Home) gespielte Lee Geum-ja gehört dabei schon rein optisch zu den beeindruckendsten Vertreterinnen dieser Figur in den letzten Jahren. Mit ihrem markantem Augen-Make-up und dem die untere Gesichtspartie verdeckenden schwarzen Ledermantel gehört sie nicht nur zu den ikonischsten Charakteren des südkoreanischen Kinos, sondern wirkt, wie es sich für eine Femme fatale gehört, verführerisch und mysteriös zugleich.

Spiegelt sich in der Femme fatale in ihrer ursprünglichen Form die Angst des Patriarchats vor (sexuell) selbstbestimmten Frauen wider, so wechselt Lady Vengeance die Perspektive und inszeniert seine Protagonistin als Kämpferin gegen ein patriarchales System. Park verzichtet hierfür auf Einstellungen eines Male Gaze und verleiht der Figur eine Ambiguität jenseits von eindeutigen Geschlechterrollen. Damit gelingt Lady Vengeance eine beeindruckende Darstellung der Femme fatales, die sich insbesondere einer patriarchalen Objektifizierung entzieht und Geschlechternormen hinterfragt. [Florian]

2. Ava (Ex Machina, 2015)

Der Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson, Mother!) wird vom schwerreichen Firmenmogul Nathan (Oscar Isaac, Dune) zu einem Experiment der besonderen Art in sein abgelegenes Haus eingeladen. Inmitten des malerischen Hochsicherheitstraktes trifft Caleb auf Ava (Alicia Vikander, The Green Knight), einen Androiden in der Form einer jungen Frau, und soll herausfinden, ob ihre künstliche Intelligenz mit der eines Menschen vergleichbar ist. In zahlreichen Gesprächen, getrennt durch eine dicke Scheibe Panzerglas, beginnt Caleb Zuneigung zu Ava zu entwickeln. Doch ihr droht am Ende des Experiments der Reboot und somit der Verlust all ihrer Erinnerungen an und mit Caleb. Kann er sie davor bewahren?

In Ex Machina verfolgen wir die Interaktion von Mensch und menschenähnlicher Maschine in einem voyeuristisch aufgesetzten Sozialexperiment. Denn was Caleb nicht weiß, ist, dass dieses Experiment eine zweite Ebene in der Frage hat, ob es Ava gelingen kann die Bande des Vertrauens zwischen Menschen zu unterwandern und Caleb dazu zu bringen, Nathan zu verraten. Ava beeindruckt durch ihre präzise auf Caleb abgestimmte Gesprächsführung und schafft es problemlos ihn zu überzeugen, eine eigenständige Persönlichkeit vor sich zu haben, mit Wünschen, Träumen und Ängsten. Gemäß ihrer Analyse setzt sie auf Calebs Hilfsbereitschaft und das Schema der hilfsbedürftigen Kindsfrau, die jungfräulich nichts von der Welt kennt außer ihren Glaskasten und der wohlmeinenden Führung bedarf. Als sie auch noch drohende Gewalt von Seiten Nathans andeutet, veranlasst dies Caleb tatsächlich ihren Ausbruch zu unterstützen. Doch zu spät wird ihm klar, dass seine Phantasien und Avas Pläne divergieren und sein gutmütiges Handeln das eines liebestrunkenen Handlangers war, mit blutigen Folgen.

Nebst dem eindrucksvollen und ästhetischen Set trägt in Ex Machina ganz eindeutig die Beziehung zwischen Ava und Caleb diese Sozialstudie der besonderen Art. In Windeseile werden wir in Avas Bann gezogen und vergessen mit jeder Sitzung gemeinsam mit Caleb ein bisschen mehr die berechnende Maschine im Gegenüber. Ava mimt die Damsel in Distress deren letzte Begegnung sowohl ihrem Erschaffer als auch dem romantischen Narr zum tödlichen Verhängnis wird. [Heike]

1. Yamazaki Asami (Audition, 1999)

Aoyama Shigeharu verliert seine geliebte Frau an eine schwere Krankheit. Zurück bleiben er und sein junger Sohn. Als dieser in der Oberstufe immer selbstständiger wird, scheint die richtige Zeit gekommen, sich nach einem neuen Lebensinhalt und eventuell nach einer neuen Frau an seiner Seite umzusehen. Ein befreundeter Filmproduzent schlägt vor, den Mühen des Datings im mittleren Alter zu entkommen und einfach ein Vorsprechen für einen fiktiven Film abzuhalten. Von Anbeginn hat er eine Favoritin, Yamazaki Asami, die Aoyama wie magisch anzieht. Ihre ruhige, zurückhaltende Art ist genau das, was ihn reizt, aus seinem bisherigen Schneckenhaus auszubrechen und aktiv zu werden. Nach und nach versucht er, die professionelle Mauer zwischen ihnen beiden zu überwinden und die Geheimnisse seiner Auserwählten zu erkunden. Trotz vieler ungeklärter Fragen zu Asamis Hintergrund und Geschichte lässt er nicht locker, bis sie seine Gefühle zu erwidern scheint. Doch stille Wasser sind tief und diese Tiefe birgt viele unbekannte Gefahren.

Asami ist in ihrem Auftreten alles andere als eine klassische Femme fatale. In ihrer unscheinbaren Art und auch aufgrund des großen Altersunterschiedes zwischen ihr und Aoyama wirkt sie vielmehr wie eine Femme fragile. Doch Audition spielt hier ein böses Spiel mit dem Publikum und lässt das Objekt von Aoyamas Zuneigung durch dessen rosarote Brille sehen. Geblendet von seinem unerschütterlichen romantischen Glauben an die wahre Liebe werden die Risse in der Fassade solange ignoriert, bis es zu spät. Wenn Asami schlussendlich als kaltblütige Femme fatale ihr falsches Gesicht ablegt, ist es für Aoyama längst zu spät.
Dieser finale Gewaltausbruch ist auch deswegen so erschreckend, da Asami eben nicht als der männerfressende Vamp dargestellt wird, die einer schwarzen Witwe gleich schon ihr Netz gespannt hat. Ganz im Gegenteil verführt sie mit dem Bild der unterwürfigen Kindsfrau, das im völligen Kontrast zu ihrer Bedrohung steht. Audition spielt bei seiner Darstellung der Femme fatale auch mit einer gewissen Ambiguität und lässt vieles offen; was am Ende bleibt, sind nur noch zerstörte Bilder und Existenzen. [Florian]


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