13 Gothic-Horrorfilme, die ihr gesehen haben solltet!

Gothic

8. Rebecca (1940)

Eine junge Frau stellt nach ihrer Hochzeit mit dem wohlhabenden Witwer Maxim de Winter fest, dass dieser noch ganz im Bann seiner unter mysteriösen Umständen verstorbenen Frau Rebecca zu stehen scheint. Ihr neues Heim, das Anwesen Manderley, muss sie außerdem mit einer eifersüchtigen Haushälterin teilen, die sie nicht als neue Herrin akzeptiert. Verzweifelt versucht die neue Ehefrau, ihr Zuhause und ihre Ehe mit Freude zu erfüllen, doch ein dunkles Geheimnis droht alles zu überschatten.

„Gestern Nacht träumte ich, ich sei wieder in Manderley“ – mit diesen Worten beginnt Daphne du Mauriers Schauerroman „Rebecca“ und auch in Hitchcocks Verfilmung spielt der Landsitz eine Hauptrolle. Das Anwesen wirkt der Welt und der Zeit entrückt, dennoch lasten die Schatten der Vergangenheit schwer auf seinen düsteren Mauern. Es ist ein Ort, an dem die Toten präsenter sind als die Lebenden und dessen Wände zum Gefängnis werden: kein Zuhause, vielmehr eine Krypta.

Obwohl Hitchcock auf jeden Spuk verzichtet, droht Rebecca konstant ins Fantastische zu kippen. Das liegt, neben der bedrückenden Präsenz des Hauses, insbesondere an der unheimlichen Hausdame Mrs. Danvers, die wie ein Geist durch die Gänge huscht. Die Verstorbene wird von ihr auf morbide Weise vergöttert, so dass Rebecca noch aus dem Totenreich heraus ihren Ehemann und dessen neue Frau heimzusuchen scheint. In der Vergangenheit lebt auch Maxim, der glaubt, für seine Entscheidungen bezahlen zu müssen. Mit sich in den Abgrund zieht er seine junge Ehefrau, die im unheimlichen Heim einen Identitätsverlust zu erleiden droht. Selbst die Taschentücher, mit denen die bezeichnenderweise namentlich niemals genannte „zweite Mrs. de Winter“ ihre Tränen zu trocknen sucht, mahnen durch das eingestickte Monogramm an die übermächtige Vorgängerin.

Rebecca ist ein Meisterwerk des Gothic-Horrors, dessen traumartige Atmosphäre sich mit subtilem Schrecken verbindet und uns auf eine Reise tief ins Unbewusste seiner Figuren mitnimmt. Hitchcocks Oscar-prämierter Schauerfilm zeigt, dass die Macht der Vergangenheit sich bis in die Zukunft erstrecken kann und nichts so unheimlich ist wie die Geister, die man selbst rief. [Catherin]

7. Die Stunde, wenn Dracula kommt (1960)

Die adelige Asa (Barbara Steele, Das Pendel des Todes) wird gemeinsam mit ihrem Geliebten Javuvitch von ihrem Bruder Griabi wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Auf dem Scheiterhaufen stehend spricht sie einen letzten Fluch über Griabis Nachkommen, dass sie diese auf alle Ewigkeit heimsuchen werde. Bevor die reinigenden Flammen sie erfassen, wird ihr als Zeichen der Warnung künftiger Generationen eine bronzene Maske ins Gesicht geschlagen. Doch ein plötzlicher Regenguss löscht die tödlichen Flammen und versetzt die Umstehenden in Panik. Seitdem harrt Asas lebloser Körper in der Familiengruft auf eine Möglichkeit der Rache. Zwei Jahrhunderte später ermöglicht das Missgeschick eines vorbeireisenden Arztes, dem Geist von Asa zu neuen Kräften zu kommen und droht die letzten lebenden Angehörigen des Adelsgeschlechts sowie die umliegenden Dorfbewohner*innen in ewige Verdammnis zu ziehen.

In seinem Langfilmdebüt ist Mario Bavas Auge für das Packende und Ästhetische bereits klar erkennbar. In dieser atmosphärischen Adaption von „Wij“, einer fantastischen Erzählung Nikolaj Gogols, beeindruckt Bava mit anschaulichen Spezialeffekten und Maskenbildner-Kunst. Insbesondere die verschiedenen Phasen Asas Verwandlung wirken wunderbar überzeugend unwirklich. Dazu kommt das düstere Gothic-Horror-Setting zwischen der Burg, dem sie umgebenden immerschwarzen Wald und einer darin versteckten, unheimlichen Kapellenruine, dass der scheinbar über allem legende Schleier aus kalter Furcht geradezu in die eigenen Knochen fährt. Der Detailreichtum des Schwarz-Weiß-Films bietet den Zuschauer*innen bei jeder Sichtung neue Möglichkeiten zum Staunen und Entdecken. Auch die Darsteller*innen sind in Hochform, so verhalf Barbara Steeles Doppelrolle als bösartige Hexe Asa und gutmütige, bedrohte Prinzessin Katja ihr schlussendlich zum Durchbruch im Filmgeschäft.

Die Stunde, wenn Dracula kommt ist ein Meisterwerk des Gothic-Horrors, das sich in Bavas Werk nicht verstecken muss. [Heike]

6. Der Untergang des Hauses Usher (1928)

Allan wird von seinem alten Freund, dem Gutsherren Roderick Usher, auf dessen Landsitz gebeten, um diesem in einer schweren Zeit beizustehen: Seine Frau Madeleine scheint sterbenskrank und ihre Kräfte lassen immer weiter nach. Während Allan und Ushers Leibarzt keinen Rat wissen, malt der Hausherr wie besessen an einem Porträt der Sterbenden. Als Madeleine für tot erklärt und beigesetzt wird, kommt Allan dem teuflischen Geheimnis der Ushers auf die Spur…

Der Untergang des Hauses Usher ist die erste Adaption der berühmt-berüchtigten gleichnamigen Gruselgeschichte Edgar Allan Poes. Der Franzose Jean Epstein verfolgte hier bereits einen Ansatz, der Genrefans vor allem aus den späteren B-Movies Roger Cormans (Die Verfluchten) bekannt sein dürfte: Das Grundgerüst der verfilmten Geschichte wird vermischt und angereichert mit Elementen verschiedener anderer Poe-Stories. Der Film wird so zu einem Kaleidoskop verschiedener Gothic-Schauermotive: dem tragischen Tod einer schönen Frau, der leidigen Bürde eines exzentrischen Künstlers, dem Spuk Totgeglaubter. Bei Buch und Dreh assistierte übrigens Jungtalent Luis Buñuel, der ein Jahr später mit Ein andalusischer Hund seinen Ruf als Großmeister surrealistischer Filmkunst untermauern sollte.

Das Untergang des Hauses Usher pinselt in frühen bewegten Bildern ein impressionistisches Gemälde Poe’schen Schauers. Die gesättigte, staubige Atmosphäre einstigen Prunks, von dem nichts mehr geblieben ist als melancholische, lähmende Düsternis, tränkt jeden Millimeter Zelluloid. Und nimmt, ebenso wie seine Figuren, auch den Zuschauer ganz und gar gefangen in einer gotischen Phantasmagorie, die lange nachwirkt. [Alexander]

5. Dark Waters (1993)

Nach dem Tod ihres Vaters findet Elizabeth (Louise Salter, Interview mit einem Vampir) heraus, dass er jahrelang Geld an einen geheimnisvollen Nonnenorden gespendet hat und so reist sie neugierig zu den Schwestern auf eine abgeschiedene Insel. Die Nonnen scheinen sich der Aufgabe verschrieben zu haben, eine böse Kraft in den Katakomben unter dem Kloster festzuhalten, doch sie sind nicht besonders redselig. Die monströse Präsenz auf der Insel hat sie zu abscheulichen, halbwahnsinnigen Gestalten werden lassen, angeführt von einer blinden Äbtissin. Elizabeth beschließt, eigene Nachforschungen anzustellen. Unterstützung erhält sie von der jungen Nonne Sarah, mit der gemeinsam sie das Kloster durchsucht und dabei Hinweise auf einen uralten Dämon sowie ihre eigene Kindheit auf der Insel findet. Doch die Nonnen bleiben keineswegs tatenlos und schon bald muss Elizabeth um ihr Leben fürchten.

Auch wenn Mariano Bainos Dark Waters kein klassischer Gothic-Horror-Film ist, spielt er äußerst versiert mit dem reichhaltigen Motivschatz des schwarzromantisch inspirierten Genres. Ab dem Moment der Ankunft auf dem Eiland wird man das Gefühl nicht los, dass mit dieser Insel etwas ganz und gar nicht stimmt. Das liegt nicht nur am baufälligen Kloster, dessen tropfende Katakomben sich tief ins Erdreich hinein winden, und den wenigen kargen Treibholzhütten, deren Bewohner:innen seltsam fremdartig wirken. Ein dunkles Schicksal scheint Elizabeth bevorzustehen und wie ein Damoklesschwert schwebt die Ahnung drohenden Verhängnisses über der gesamten Handlung.

Denn unter den Bogengängen des Klosters schlummert ein uraltes Geheimnis, das die suspekten Nonnen zu verschweigen suchen. Auch die Ordensschwestern sind von dieser dämonischen Macht korrumpiert worden, singen unheilige Choräle, vollziehen blutige Rituale und üben sich in orgiastischen Selbstgeißelungen. Währenddessen kriecht die Dunkelheit beharrlich über die baufälligen Mauern des Klosters und nährt beständig die Angst vor dem, was dort im Verborgenen lauert.

Das Phantastische bricht kontinuierlich in die Realität ein und selbst die Kategorien von Raum und Zeit sind plötzlich keine verlässlichen Orientierungspunkte mehr. Einen sicheren Halt bietet Dark Waters den zwischen Traum und Wirklichkeit schwankenden Zuschauer:innen nicht – bleibt nur, sich auf die surreale Welt einzulassen und den poetischen Schrecken zu genießen. [Catherin]

4. Die toten Augen des Dr. Dracula (1966)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird Dr. Paul Eswai in ein kleines abgelegenes Dorf beordert, um den Leichnam einer jungen Frau zu obduzieren, die Selbstmord begangen haben soll. Bei der Autopsie findet er eine Münze im Herz der Toten und es stellt sich heraus, dass es bereits der zwölfte Todesfall in dem Ort ist. Die Bewohner:innen sind überzeugt, dass der Geist eines vor langer Zeit verstorbenen Mädchens für die mysteriösen Tode verantwortlich ist, doch Dr. Eswai will von diesen Schaudergeschichten nichts hören – bis er selbst ins Visier des ortsansässigen Fluchs gerät.

Mario Bavas Die toten Augen des Dr. Dracula ist eine visuelle Augenweide. Eingebettet in verschwenderisch eingesetzte Rauchschwaden, verwunschene, verschlungene Gassen, über denen bedrohlich kahle Baumgeflechte wachen und Wagenladungen an nebelumwanderten Kruzifixen erzählt er von dem uralten Kampf rational-wissenschaftlicher Aufklärung gegen die unerklärliche Wirkmacht archaischer Kräfte. Dr. Eswai glaubt, dass die Moderne jene Mächte längst überwunden habe, wird an einem Ort jenseits der Geltungshoheit seiner Ratio jedoch schon bald eines Besseren belehrt werden. Eine überbordende Phantastik ergießt sich über jeden Zentimeter dieser verwunschenen Ortschaft, die dank der von Bava gewohnt üppigen grün-gelb-blauen Ausleuchtung und dem düsteren Soundtrack zu einem Rausch für die Sinne wird.

Die toten Augen des Dr. Dracula erspinnt eine klassische Geschichte um einen örtlichen Fluch, peripherem Aberglauben und dem um Rationalität bemühten Fremden aus der Stadt, der erst beginnt die Warnungen der Einheimischen ernst zu nehmen, wenn es längst zu spät ist. Die Art und Weise jedoch, wie Bava die gängigen visuellen Motive des Gothic-Horror präsentiert, ist in ihrer üppigen Opulenz eine wahre Offenbarung. Erst bei der Überwindung der Schranken des in der Logik verhafteten Verstandes können die Menschen im Angesicht von Mächten, die sich ihrem rationalen Verständnis entziehen, zu sich selbst finden. Nie war der Weg zu dieser Erkenntnis stimmungsvoller und bildgewaltiger als in Die toten Augen des Dr. Dracula. [Robert]

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