13 Gothic-Horrorfilme, die ihr gesehen haben solltet!

Gothic

3. Bis das Blut gefriert (1963)

Robert Wise‘ Bis das Blut gefriert basiert auf „The Haunting of Hill House“ von Shirley Jackson von 1959 – beide gelten als Klassiker der Gothic Fiction.

Parapsychologe Dr. John Markway will ein sagenumwobenes altes Spukhaus in Neuengland dazu nutzen, die Existenz des Übernatürlichen nachzuweisen. Zu diesem Zweck hat er eine Gruppe von Personen eingeladen, die er für besonders empfänglich für solche Phänomene hält. Der als Hill House bekannte Landsitz steht in Verbindung mit etlichen mysteriösen Todesfällen und es dauert nicht lange bis es zu den ersten unerklärlichen Ereignissen kommt. Insbesondere Eleanor, eine der Probandinnen, scheint eine besondere Beziehung zu dem Anwesen zu haben…

Es ist nicht schwer zu erkennen, wieso Bis das Blut gefriert als einer der besten Gothic-Horrorfilme aller Zeiten gilt. Schon das Setting, einer der wichtigsten Grundpfeiler des Genres an, versprüht sinistren Grusel. Das neugotische Ettington Park Hotel in Warwickshire bietet eine perfekte Außenansicht für Hill House und wirkt zugleich erhaben als auch bedrohlich-einschüchternd. Das üppige Rokoko-Innendesign ist nahezu erdrückend in all seinem Detailreichtum und erweckt mit seiner Vielzahl an filigranen Ornamenten und Assymetrien einen beinahe organischen Eindruck, so dass schon das Interieur eine perfekte Projektionsfläche für die brodelnde Geistergeschichte bietet. Gerade im Zusammenhang mit dem beeindruckenden Sounddesign gelingt es Wise, Hill House gänzlich ohne Budenzauber zum Leben zu erwecken.

Eleanor ist die perfekte Gothic Heroine, die in direkter Verbindung mit der düsteren Vergangenheit des labyrinthartigen Anwesens steht. Schauspielerin Julie Harris gelingt es dabei hervorragend, ihren Charakter immer am Rande des Wahnsinns entlang zu balancieren. Schlussendlich ist es vor allem das Zusammenspiel zwischen Eleanor und dem durch die Geister der Vergangenheit lebendig gewordenen Haus selbst, das Bis das Blut gefriert so faszinierend und unheimlich macht. [Florian]

2. Schloss des Schreckens (1961)

England im 19. Jahrhundert. Die junge Miss Giddens wird von einem wohlhabenden Gutsherrn engagiert, als Gouvernante für die verwaisten Geschwister Flora und Miles zu arbeiten. Sie nimmt die Stelle an und reist daraufhin zu dem Landsitz Bly, auf dem die beiden Kinder zuhause sind. Schnell verfällt sie dem unvergleichlich frühreifen Charme der beiden Kinder. Das idyllische Leben auf dem Landsitz findet jedoch ein jähes Ende, als Miss Giddens gehäuft geisterhafte Erscheinungen bemerkt. Langsam aber sicher beschleicht sie der Verdacht, dass das Anwesen und sogar die beiden Kinder von Geistern heimgesucht werden.

Mit Schloss des Schreckens schuf Regisseur Jack Clayton ein Meisterwerk der Horrorgeschichte. Henry James‘ Vorlage, die Novelle „Das Durchdrehen der Schraube“, ist ein Meilenstein der Schauerliteratur, der dank seiner virtuosen Ambiguität selbst heute noch Leser:innen den Kopf verdreht. Claytons Verfilmung schafft es bravourös, den zeitlosen Schrecken der Geschichte einzufangen. Miss Giddens durchläuft innerhalb der weitläufigen Mauern des Anwesens Bly eine psychisch auslaugende Tour de Force, die ihren Bezug zur Realität massiv auf die Probe stellt. Die sprichwörtlichen Geister der Vergangenheit suchen die Gouvernante und ihre Schützlinge unnachgiebig heim, fordern nicht nur ihre Zurechnungsfähigkeit heraus, sondern konfrontieren sie außerdem mit einem unerklärlichen Schrecken, dessen Einzugsgebiet sich nicht nur auf das Anwesen selbst beschränkt, sondern sich auch auf die Kinder ausbreitet. Diese Heimsuchung des Jetzt mit der Vergangenheit ist eines der ältesten Grundmotive des Gothic-Horror, das in Schloss des Schreckens meisterhaft umgesetzt wurde.

Schloss des Schreckens überzeugt auf handwerklicher Ebene mit einer durchgehend schaurigen Atmosphäre, seiner großartigen Kinematographie inmitten des viktorianischen Spukhauses und grausigen Szenen, die auch heute noch eine beachtliche Portion Grusel transportieren. Weniger schleierhaft noch als seine Vorlage aber ebenso schauderhaft, konzentriert sich Schloss des Schreckens auf seine dichte Atmosphäre und entlockt der Geistergeschichte ein Maximum an Suspense. Ein makelloser Gruselfilm, der fast 60 Jahre nach seinem Erscheinen noch immer für allerhand Schauer und wirklich intensive Schreckmomente sorgt und zu Recht als einer der besten Gothic-Horrorfilme aller Zeiten gilt. [Robert]

1. Der Dämon und die Jungfrau (1963)

Kurt Menliff (Christopher Lee) kehrt Jahre nach seiner Verstoßung zum Anwesen seiner Familie, einem alten Küstenschloss, zurück. Grund dafür ist die Vermählung seines jüngeren Bruders mit Kurts ehemaliger Geliebten, Nevenka. Kurts Auftauchen sorgt für Allerhand Unmut unter Verwandtschaft und Bediensteten gleichermaßen, da diese ihm die Schuld an dem Suizid einer der Töchter der Hausangestellten geben, mit der er damals ebenfalls ein Verhältnis hatte. Inmitten des allgemeinen Aufruhrs verfällt Nevenka Kurts dominantem Sadomasochismus erneut – in derselben Nacht wird Kurts Leiche gefunden. Doch seine Präsenz scheint das Schloss und seine Bewohner:innen selbst über den Tod hinaus heimzusuchen, während besonders Nevenka für den unerklärlichen Spuk empfänglich ist…

Der Dämon und die Jungfrau ist die fulminanteste Ausreizung der üppigen Motivpalette des Gothic-Horrors, die sich im Film finden lässt. Mario Bavas extravaganter Sinnesrausch kreist unaufhörlich um die ambivalente Beziehung von Leidenschaft und Tod, die sich keineswegs ausschließen, sondern sich im Gegenteil bis zur Selbstauflösung sowohl der Liebenden als auch der Leidenden gegenseitig befeuern. Die sadomasochistische Beziehung zwischen Kurt und Nevenka offenbart nicht nur die lustvollen Verheißungen eines solch düsteren Begehrens, sondern legt gleichzeitig einen Blick auf die zerstörerische Kraft lang unterdrückter Gelüste frei. Das Verzehren nach dem Verbotenen wird zum Leitmotiv dieser fatalen Romanze.

Die turbulente See am Fuße des Familienansitzes und der ununterbrochen peitschende Wind spiegeln Nevenkas aufgewühltes Inneres, das sie im ständigen Taumel zwischen Anziehung und Abscheu zu zerreißen droht. Die sonst so verspielt-pompöse Ausleuchtung Bavas weicht hier einem durchweg finsteren Zwielicht, das sich über jeden Winkel des schaurigen Küstenschlosses ergießt. Das lila-grüne Farbspektrum ist ebenso vergiftet wie die Zungen des Figurenensembles, die eine Feindseligkeit nach der anderen ausspucken, und kreiert eine surreale Atmosphäre des Schreckens, der man sich nicht entziehen kann. Nie standen sich von der Gesellschaft geächtete Erotik, Wahnsinn und Tod in einem solch komplexen Beziehungsgefüge gegenüber wie in Der Dämon und die Jungfrau, was ihn nicht nur zur schauderhaftesten filmischen Verwebung von Eros und Thanatos, sondern auch zum besten Gothic-Horror aller Zeiten macht. [Robert]


Das war es auch schon von uns. Welche Filme haben euch besonders gut gefallen? Lasst es uns wissen!

DarkForest

...und was meinst du?