Platz 104 bis 100 der besten Horrorfilme aller Zeiten!

Besten Horrorfilme

Unsere nächsten fünf Plätze der besten Horrorfilme aller Zeiten zeigen wieder eine bunte Mischung dessen, was das Genre zu bieten hat: von Folk Horror bis zu Rape-Revenge. Von David Lynch bis zu Hammer Films: Hier ist Horror zuhause.

Platz 104: Lost Highway (1997)

David Lynch hat sich vor allem durch seine surrealen Thriller einen Namen gemacht, was schon mit seinem Spielfilmdebüt Eraserhead begann und in Twin Peaks, Mulholland Drive oder eben Lost Highway seinen Höhepunkt fand. So ist auch sein siebter Spielfilm ein albtraumhaftes Puzzle, das sich einer einfachen Deutung entzieht.

Wir begleiten den Jazz-Saxophonisten Fred Madison (Bill Pullman, Die Schlange im Regenbogen) durch sein vom Alltagstrott geplagtes Leben. Insbesondere die Beziehung zu Ehefrau Renee (Patricia Arquette, Stigmata) gleicht einer lustlosen Abfolge von immer gleichen Handlungen und Dialogen, aus denen schon längst der letzte Funken Leidenschaft geflohen ist. Dies ändert sich schlagartig, als Fred für den Mord an seiner Frau verurteilt wird und im Todestrakt landet. Dort wird er von schrecklichen Visionen und Kopfschmerzen geplagt – bis die Gefängniswärter eines Tages nicht ihn, sondern den jugendlichen Pete Dayton (Balthazar Getty, Feast) dort vorfinden…

Eingerahmt wird die Geschichte von einem durch die tiefschwarze Nacht fahrenden Auto. Wir bekommen allein die Autoscheinwerfer und die gelbe Straßenmarkierung zu sehen – ein Bild mit starker Symbolkraft für den gesamten Film. Durch die Schweinwerfer sind wir immer nur in der Lage einen sehr kleinen Ausschnitt der Straße zu beleuchten, der Rest wird von der Finsternis verschlungen. Wie Fred Madison tappen wir im Dunkeln auf der Suche nach der Wahrheit, der Realität und uns selbst. Die Straße selbst scheint uns voranzutreiben, an ein unbekanntes Ziel, zu einem unbekannten Ich. Sie führt uns hinab in unsere eigenen Abgründe, sofern wir diese überhaupt ertragen können.

Lost Highway ist eine einzige surrealistische Fahrt entlang der Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem und an jeder dunklen Ecke warten auf uns Verdrängtes und Vergessenes, unsere Ängste und geheimen Wünsche. David Lynchs Meisterwerk spielt gekonnt mit unseren Urängsten rund um Kontroll- und Identitätsverlust und findet sein Heil schlussendlich im Wahnsinn. [Florian]

Platz 103: Sinister (2012)

Der von langer Erfolglosigkeit geplagte Autor Ellison Oswalt zieht mit seiner Familie in ein neues Haus, um dort an seinem Buch zu arbeiten. Der Wohnort ist nicht zufällig gewählt. Sein neues Werk soll den mysteriösen Familienmord aufbereiten, der in eben jenem Haus stattgefunden hat. Während seiner Recherchen findet Oswald auf dem Dachboden eine Kiste voller Super-8-Filme, die grausame Morde zeigen, unter anderem den an dessen Aufklärung er gerade arbeitet. Je tiefer Oswald den Filmen auf den Grund geht, desto unheimlichere Ereignisse häufen sich im Haus.

Trotz eines äußerst schmalen Budgets hinterließ Regisseur und Drehbuchautor Scott Derrickson 2012 mit Sinister einen bleibenden Eindruck im Horrorgenre, denn der Film ist vor allen Dingen nervenzerreißend gruselig. Er baut schnell eine ungeheuer dichte Atmosphäre auf, die vor allem durch die konsequent geizige Ausleuchtung der Nachtszenen entsteht. Sinister macht seinem Titel ästhetisch alle Ehre. Eine zusätzlich geschickte Kameraführung erzeugt ein konstantes Gefühl der Bedrohung. Die Geschichte ist schon im Verlauf der Aufklärungsarbeiten verstörend und unheimlich, die Offenbarung des Wesens der Heimsuchung macht die ganze Sache nur noch gruseliger und die Schluss-Pointe gibt dem Publikum den Rest.
Sinister erfindet das Rad zwar keineswegs neu, ist aber eine sehr kreative und annähernd perfekte Genreausführung, die auch hartgesottene Gruselfans von Anfang bis Ende konsequent und effektiv fertig macht. [Cornelius]

Platz 102: In den Krallen des Hexenjägers (1971)

England, siebzehntes Jahrhundert. Bauer Ralph entdeckt die furchterregenden Überreste eines nichtmenschlichen Schädels in den Furchen seines Ackers. „Der Richter“, die namenlose, herrische Autorität der Region (Patrick Wymark, Ekel), weist Ralphs Befürchtungen ob möglicher satanischer Aktivitäten zurück; der Schädel verschwindet. Bald jedoch tut sich tatsächlich Obskures in der britischen Landidylle. Die junge Rosalind wird in der Nacht von einem pelzigen Wesen angegriffen, immer mehr junge Leute verschwinden in den Wäldern und kehren verändert zurück – geistig wie körperlich. Denn tatsächlich treibt ein Dämon sein Unwesen, und in der verführerischen wie hinterhältigen Angel Blake (Linda Hayden) scheint er eine perfekte Hohepriesterin gefunden zu haben. Der Richter sieht sich gezwungen, den okkulten Mächten Paroli zu bieten…

In den Krallen des Hexenjägers wird, gemeinsam mit Der Hexenjäger und The Wicker Man, häufig als einer der Gründungsväter des Folk-Horror-Subgenres benannt. Das Grauen wird hier aus den modrigen Gruften und umspukten Schlössern früherer Gothic-Horror-Produktionen in die Peripherie der britischen Inseln verlegt, wo Aberglaube und abstruse Kultpraktiken willigen Nährboden finden. In den Krallen des Hexenjägers ist dabei in der Darstellung höllischer Mächte weitaus expliziter als andere frühe Genrevertreter.

Ein kleines Faible für mäßig gut gealterte Creature Effects sollte man schon mitbringen, dann jedoch entfaltet der Film sein ganz eigenes verstörendes Potential, das durch die unangenehmen Darstellungen sexueller Gewalt weiter genährt wird. Der hypnotisch wimmernde Score von Mark Wilkinson stützt die gemeine Atmosphäre. In den Krallen des Hexenjägers ist ein gezielter exploitativer Angriff auf den guten Geschmack des englischen Kleinbürgers, den man als vollen Erfolg verbuchen kann. Die eine oder andere Länge ändert nichts daran, dass er zu Recht Kultstatus genießt. Auch Patrick Wymark steht als egomanischer Teufelsaustreiber der Darstellung Vincent Prices in Der Hexenjäger in nichts nach. [Alexander]

Platz 101: Die Braut des Teufels (1968)

England in den späten 1920er Jahren: Duke Nicholas de Richleau (Christopher Lee, Dracula) und sein amerikanischer Gast Rex wundern sich sehr. Der junge Simon, dem sie väterliche Freunde sind, verhält sich sonderbar, scheint etwas zu verbergen und geht ihnen gezielt aus dem Weg. Außerdem empfängt er merkwürdige Gäste in seinem Anwesen. Dem kultivierten Adeligen und dem Draufgänger aus Übersee schwant Böses: Simon ist in den Bann satanistischer Okkultisten geraten. Der Versuch, Simon und dessen Freundin Tanith aus deren Krallen zu befreien, wird zu einer Zerreißprobe ihrer Nerven und ihres Glaubens. Denn der finstere Kult trachtet danach, Satan selbst zu beschwören…

Die Braut des Teufels vereint mit Hauptdarsteller Christopher Lee, Regietalent Terence Fisher (Die Rache der Pharaonen) und der Romanvorlage des kultigen Schauerschriftstellers Dennis Wheatley eine Reihe legendärer britischer Horrorikonen unter dem Banner der Hammer-Studios. Bereits Anfang der 1960er Jahre geplant verzögerte sich die Verfilmung mehrfach aufgrund des schwarzmagischen Hauptthemas, das damals einen unerhörten Tabubruch in Großbritannien darstellte. Und jenes wird im Film ganz und gar nicht mit der Kneifzange inszeniert: Da reitet der teuflische Todesengel durchs Landhaus-Wohnzimmer, Hexenmeister Mocata hypnotisiert unschuldige Jungfern und der Leibhaftige selbst erscheint im nächtlichen Wald.

Hammer gelingt es, in Die Braut des Teufels ihre große Stärke – die Verbindung exploitativen Trivialgrusels, überaus britischer Kultiviertheit und einnehmenden Gothic Horrors – auszuspielen wie in keinem zweiten Film. Wohlig altmodischer Grusel verschmilzt mit angenehm angestaubten Creature Effects und einer guten Prise „Satanic Panic“. Wieder einmal beweist Fisher, dass eine unaufgeregte Inszenierung auch aufgeregten Plots überaus guttun kann und liefert einen 60s-Okkultismusthriller aus einem Guss, in dem Christopher Lee seine Rolle (mal wieder) wie auf den Leib geschneidert erscheint. [Alexander]

Platz 100: Revenge (2017)

Jennifer wird von ihrer Affäre Richard in ein luxuriöses Ferienhaus mitten in der Wüste eingeladen. Doch die Zweisamkeit wird gestört, als Richards Jagdkumpanen einen Tag früher erscheinen als geplant. Was noch mit einer vergnügten Party am Pool beginnt, endet am nächsten Tag mit einer Vergewaltigung und einer Hatz durch die Wüste, die für Jen beinahe tödlich endet. Auf Rache sinnend, streift sie blutüberströmt durch eine ausladende und heiße Felsenwüste, um Rache an ihren Peinigern zu nehmen.

Bei Coralie Fargeats Revenge handelt es sich um eine visuell durchgestylte und überaus brutale Rachestory, die es in sich hat. Hitze, Schweiß und quälender Durst liegen über der Landschaft und gehen direkt auf die Zuschauer über. Revenge erzeugt dadurch eine äußerst unangenehme Atmosphäre. Umso mehr fühlt man mit Jen, denn sie muss sich auch noch mit klaffenden Wunden durch diese wahr gewordene Hölle schlagen. Hinzu kommen Richards schmierige Kollegen, die einen regelrechten Ekel hervorrufen, dass man sich schon bei ihrem Anblick und dem Wissen, was sie mit Jen vorhaben, ekelt. Die kompromisslose Gewalt gipfelt in einem stark inszenierten Katz-und-Maus-Spiel, in dem eine riesige Menge Blut fließt und die Spannung einen, durch die clevere Kameraarbeit, fast zerreißt. Revenge geht ansonsten keine Kompromisse in Sachen Gewalt ein und unterstreicht damit seine äußerst rohe Aufmachung. [Mathias]


Was sagt ihr zu unseren Plätzen 104 bis 100? Habt ihr alle Plätze schon gesehen? Ganz nach eurem Geschmack oder fragt ihr euch, was uns bloß geritten hat? Lasst es uns wissen!

Am 26. Oktober erscheinen die Plätze 99 bis 95. Ihr dürft gespannt sein!

Hier geht es zum Überblick über die gesamte bisher veröffentlichte Liste.

DarkForest

Seid gegrüßt,
Ich habe unzählige Namen und erscheine in vielen Gestalten. Hier kennt man mich als Dark Forest und ich bin euer Gastgeber. Ich führe euch durch die verwinkelten Bauten, düsteren Wälder und verfallenen Ruinen. Immer mir nach!
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2 Kommentare

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