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Edgar Allan Poe: 13 Horror-Verfilmungen, die ihr gesehen haben solltet!

8. Prelude (1927)

Ein Mann sitzt in seinem dunklen Zimmer und schmökert in Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „Lebendig begraben“, während im Hintergrund Rachmaninows Prélude in Cis-Moll erklingt. Er döst ein und träumt davon, selbst vorzeitig begraben zu werden.

Castleton Knight gelingt es in nur wenigen Minuten eine ergreifende morbide Atmosphäre einzufangen, wie sie nicht besser zu Poes essayhafter Kurzgeschichte passen könnte. Von gotischen Figuren, Totenköpfen und anderen Details umrahmt, fängt er die gesichtslose Furcht der vorzeitigen Beisetzung ein. Den Höhepunkt bildet eine wunderbar klaustrophobische Sargszene. Durch einen wundervollen Effekt können wir durch den hölzernen Sargdeckel den erwachenden Mann verfolgen, der sich in zunehmender Todesangst seiner Situation bewusst wird und jede Schaufel Erde, die auf seiner kleinen, letzten Behausung landet, besiegelt sein grausames Schicksal. Die absolute Hilflosigkeit trieft förmlich aus der Leinwand, während sich Himmel und Hölle in den Augen des Verdammten spiegeln. Da ist die Erleichterung auf allen Seiten geradezu spürbar, als er aus seinem nur allzu furchteinflößenden Albtraum erwacht.

Knights Prelude beweist mit präzise eingesetzten Effekten und lebhaftem Schauspiel, dass Horror nicht viel braucht, um wirkungsvoll zu sein. [Heike]

7. Der Untergang des Hauses Usher (1928)

Ein Mann besucht seinen alten Jugendfreund auf dessen heruntergekommenem Schloss. In seiner Verzweiflung bat der Aristokrat Roderick Usher um Gesellschaft, bevor ihn die zunehmend hypochondrische Nervosität zu erdrücken droht. Als seine ebenfalls anwesende, kränkliche Zwillingsschwester Madeline verstirbt, wird sie in der Familiengruft beigesetzt. Doch ihr Tod lässt ihm keine Ruhe, Hämmern, Stöhnen und Ächzen verfolgen ihn. Bis eines stürmischen Nachts tatsächlich die Totgeglaubte in der Tür steht und in ihrem letzten, erschöpften Atemzug den Bruder und mit ihm das angeschlagene Anwesen in den immerschwarzen Abgrund zieht.

Der avantgardistische Kurzfilm von James Sibley Watson Jr. und Melville Webber, die vor diesem Werk gänzlich andere Professionen ausübten, basiert eher lose auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe und ist auch weniger bekannt als der im selben Jahr erschienene gleichnamige Film von Jean Epstein. Das ist bedauerlich, denn sie schufen ein experimentelles, packendes Kleinod, das mit beeindruckenden Effekten glänzen kann. Der Untergang des Hauses Usher kommt gänzlich ohne Texteinblendungen oder Dialog aus, sind solche doch auch gar nicht notwendig. Die ausdrucksstarken Bildmontagen, etwa der über der verstorbenen Madeline schwebende Sarg sowie das an einen Dual-Screen erinnernde verschwommene Nebeneinander von Rodericks Verzweiflung nach ihrer Beisetzung und Madelines nach wie vor präsenten Wesen, sprechen auch so eine eindeutige, erdrückend morbide Sprache.

Der Untergang des Hauses Usher ist ein absolutes Must-See des expressionistischen Stummfilms der 20er-Jahre. [Heike]

6. Die Verfluchten (1960)

Philip Winthrop (Mark Damon, Die drei Gesichter der Furcht) reist zum Stammsitz der Familie Usher, um seine Verlobte Madeline (Myrna Fahey) zu besuchen, wird aber von ihrem Bruder Roderick (Vincent Price, Der Hexenjäger) nicht mit offenen Armen empfangen. Im Gegenteil, ihm wäre es lieber, wenn Philip so schnell wie möglich das heruntergekommene Familienanwesen verlassen und nie wieder zurückkehren würde. Seine starre Haltung begründet er mit einem uralten Familienfluch, der durch die Heirat seiner Schwester mit dem jungen Bostoner in die Welt getragen würde. Als Philip und Madeline dennoch abreisen wollen, greift ihr Bruder zu drastischen Mitteln, um die Blutlinie der Ushers für immer zu beenden.

Basierend auf Edgar Allan Poes Erzählung „Der Untergang des Hauses Usher“ stellt Die Verfluchten den ersten Eintrag in Roger Cormans Poe-Zyklus dar. Zudem führte der Tausendsassa Regie, das Drehbuch stammt von Science-Fiction-Schriftsteller Richard Matheson (Die Braut des Teufels).

In Form eines Kammerspiels erweckt Corman Poes düstere Vision eines degenerierten Familiengeschlechts zum Leben. Inmitten einer trostlosen Umgebung wird der unaufhaltsame Zerfall der alten viktorianischen Villa, in der die Ushers seit Generationen residieren, parallel mit dem Untergang der Familie verknüpft. Nicht nur die maroden Mauern des imposanten Hauses, sondern auch die Psyche der Figuren bröckelt mit jeder Minute Laufzeit weiter. Und so kommt es, dass diese in ihren Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Allen voran Vincent Price als verzweifelter Roderick Usher, der jede Szene des Films dominiert, selbst wenn er nicht physisch anwesend ist und Philip und Madeline im Schatten seiner allgegenwärtigen Präsenz Zukunftspläne schmieden. Price spielt Roderick als einen gequälten Aristokraten, der glaubhaft zwischen wahnhafter Verzweiflung, subtiler Missbilligung und ungeschönter Sachlichkeit switchen kann.

Die Verfluchten ist atmosphärischer Gothic-Horror und unter der düsteren Opulenz und der geheimnisvollen Vorahnung lauert eine tragische Familiengeschichte, die ihre Akteure zuerst in den Wahnsinn und schließlich in den Tod treibt. [Jana]

5. Das Pendel des Todes (1961)

Spanien im 16. Jahrhundert: Der Engländer Francis Barnard besucht seinen Schwager Don Nicholas Medina (Vincent Price), um die genauen Umstände des Todes seiner Schwester Elizabeth (Barbara Steele) zu erfahren. Das ängstliche und schuldbewusste Verhalten von Medina lässt ihn misstrauisch werden und schließlich kommt heraus, dass Elizabeth eines Tages leblos in der hauseigenen Folterkammer aufgefunden wurde – buchstäblich gestorben vor Angst. Kurz darauf ereignen sich seltsame Vorfälle: Elizabeths Zimmer wird verwüstet, ihr Porträt zerstört und nachts erklingt wie von Geisterhand ihr Cembalo. Barnard verdächtigt die Dienstboten des grausamen Spuks, doch schon bald verdichtet sich der Verdacht, dass die tote Elizabeth selbst sich für ihr frühes Ableben rächen will …

Wie schon in Meister des Grauens von Stuart Gordon bleibt auch bei Das Pendel des Todes von Roger Corman bis auf das namensgebende Folterwerkzeug kaum etwas von Edgar Allan Poes Kurzgeschichte übrig. Und trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – bewegt sich dieser Film ganz nah an der Essenz dieser. Corman platziert die Handlung inmitten eines üppigen Gothic-Ambientes, bei dem sinistre Keller und zwielichtige Geheimgänge im Schloss nur die Spitze des morbiden Eisbergs bilden, denn diese führen nicht nur in die Katakomben der schaurigen Behausung, sondern auch tief in den Verstand der Figuren. Der Schatten der Vergangenheit lastet schwer auf ihren Schultern und überhaupt beschwört das Motivfeld zwischen verhängnisvoller Erotik diabolischen Rachegelüsten eine morbide Poesie herauf, der man sich nur schwer entziehen kann.

Obwohl Das Pendel des Todes erst die zweite Regiearbeit aus Cormans acht Filme umfassenden Poe-Zyklus markiert, handelt es sich hier bereits zweifelsfrei um eines der Höhepunkte. Wenngleich Poes Kurzgeschichte nur für den äußersten Rahmen herhalten durfte, kristallisiert sich dennoch ganz klar der Kern dieser heraus – und das in prächtigster Gothic-Horror-Manier. [Robert]

Zu sehen auf Amazon Prime*.

4. Außergewöhnliche Geschichten (1968)

Außergewöhnliche Geschichten ist eine dreiteilige Anthologie nach weniger bekannten Geschichten von Edgar Allan Poe, die von erfolgreichen europäischen Regisseuren der 1960er-Jahre adaptiert wurden.

Im Segment „Metzengerstein“ lebt Gräfin Federica (Bridget Fonda, Barbarella) ein ausschweifendes Leben voller sexueller Dekadenz bis sie auf den Adligen Baron Wilhelm (Peter Fonda, The Heart Is Deceitful Above All Things) trifft und sich in ihn verliebt. Als dieser sie zurückweist, begeht Frederica einen folgenschweren Fehler. Im zweiten Teil, „William Wilson“, wird der sadistische Hedonist William Wilson (Alain Delon, Der Swimmingpool) von einem Doppelgänger heimgesucht. Im Zentrum der dritten Geschichte steht der namensgebende abgehalfterte Shakespeare-Schauspieler Toby Dammit (Terence Stamp, Link – Der Butler), dessen glorreiche Zeiten lange vorbei sind und der durch seinen starken Alkoholkonsum immer unberechenbarer wird.

Wenn auch unterschiedlich in ihrer Ausführung, behandeln die drei Segmente von Roger Vadim (…und vor Lust zu sterben), Louis Malle (Black Moon) und Frederico Fellini (Satyricon) gleichermaßen die Themen Dekadenz, Schuld und Tod. Alle drei Protagonist*innen existieren in ihrer eigenen kleinen, verderbten Welt und führen ein ausschweifendes Leben – zumeist auf die Kosten anderer. Und wenn sie schließlich doch die Sinnlosigkeit ihres bisherigen Daseins erkennen, ist es bereits zu spät. Während sich Vadim und Malle an die jeweiligen Vorlagen halten und sowohl Jane Fonda als auch Alain Delon in ihren Darstellungen zu überzeugen wissen, kreiert Fellini seine ganz eigene Vision von Poes Kurzgeschichte „Verwette nicht dem Teufel deinen Kopf“. In eine zeitgenössische Szenerie übertragen gleicht „Toby Dammit“ einem Fiebertraum mit bedrückender Atmosphäre in einer bedeutungslosen Welt, die das Publikum durch Dammits Augen erlebt. Dieser wird von Stamp mit einer Mischung aus Melancholie und Verrücktheit gespielt, die der Figur auch in der kurzen Laufzeit glaubwürdig Tiefe verleiht. [Jana]

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Seid gegrüßt, Ich habe unzählige Namen und erscheine in vielen Gestalten. Hier kennt man mich als Dark Forest und ich bin euer Gastgeber. Ich führe euch durch die verwinkelten Bauten, düsteren Wälder und verfallenen Ruinen. Immer mir nach!

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