High Life (2018) – Review

High Life

High Life ist ein Kammerspiel im Kleid eines Arthouse-Science-Fiction-Streifens. Wir haben uns mit der Sträflingsbesetzung für euch auf die Reise in Richtung Schwarzes Loch gemacht.

Originaltitel:High Life
Land:Frankreich/Großbritannien/Deutschland/Polen
Laufzeit:113 Minuten
Regie:Claire Denis
Drehbuch:Clair Denis, Jean-Pol Fargeau, Geoff Cox
Cast:Robert Pattinson, Juliette Binoche, Mia Goth u.a.

Inhalt

Monte (Robert Pattinson, Der Leuchtturm) und seine Tochter Willow sind die letzten Überlebenden auf einem Forschungsraumschiff, das sich weit weg von der Erde auf ein Schwarzes Loch zusteuert. Besetzt mit Häftlingen, die durch die Teilnahme an der Expedition ihrer Strafe entkommen konnten, hatte die Mission die Möglichkeit eines Schwarzen Loches zur Energiegewinnung auszutesten. Doch die Situation an Bord geriet zusehends außer Kontrolle…

Kritik

High Life ist eine Indie-Sci-Fi-Produktion und der erste englischsprachige Film der französischen Autorenfilmerin Claire Denis (Trouble Every Day), die bisher nicht für Genre-Produktionen bekannt war. Es verwundert daher dann auch wenig, dass das Sci-Fi-Setting nicht mehr ist als eine Maskerade, um der Versuchsanordnung eine hübsche Verpackung zu verpassen, für die sich das Drehbuch aber darüber hinaus kein bisschen interessiert. Ein bisschen Penrose-Namedropping macht eben noch keinen Science-Fiction-Film, wenn es sich bei angesprochener Theorie auch genauso gut um eine Methode zum Gurkenschälen handeln könnte.
Nichtsdestotrotz werden wir regelmäßig mit Bildern konfrontiert, die einen schäbigen Container im Weltall zeigen sollen und, obwohl man angesichts des Budgets sicher Abstriche machen muss, wie aus einem Amateurfilm entsprungen aussieht. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die Sci-Fi-Grundprämisse bei näherem Hinschauen wie ein Kartenhaus zusammenfällt und das Setting des Weltraumgefängnisses vor allem durch sein schlampiges und undurchdachtes Design glänzt. Denis und Ko-Autoren Jean-Pol Fargeau (Ich kann nicht schlafen) und Geoff Cox (Évolution) versuchen nicht einmal die Illusion zu erwecken, dass ihre absurde Raumstation in der Realität funktionieren könnte.

High Life

Doch wie gesagt ist dies sowieso nur Maskerade und im Mittelpunkt steht nicht der spekulative Blick in die Zukunft, sondern das Wesen des Menschen soll mal wieder seziert werden. Könnte man dem Film also seine groben Mängel bei der Ausgestaltung seiner Sci-Fi-Prämisse noch verzeihen, ist es für High Life fatal, dass auch seine Versuchsanordnung kläglich scheitert. Es ist schön und gut Menschen unter Extrembedingungen aufeinandertreffen zu lassen und genüsslich zu beobachten, wie sich die Laborratten verhalten, was sie hier ja auch wirklich sind. Das Problem ist jedoch, dass sich der Film lieber in seiner Arthaus-Inszenierung suhlt, als etwas über den Menschen zu erzählen oder irgendwelchen auf den Grund zu gehen.
In der künstlich mittels drei Zeitsträngen aufgeblasenen Erzählung gelingt es dem Film in den seltensten Augenblicken den Antrieben und Motivationen seiner Versuchskaninchen auf den Grund zu gehen, sondern begnügt sich damit, mit vollkommen willkürlich gesetzten Gewalteruptionen und sonderbaren Sexszenen, die durchaus fließend ineinander übergehen, die Handlung voranzutreiben. Über reine Pappfiguren kommen die agierenden Figuren dabei nicht hinaus. Sollten sich in der wirren Ansammlung an sinnfreien Szenen wirklich existenzielle Fragen versteckt haben, sind sie wohl von zu viel Sperma überlagert, um von mir entdeckt werden zu können.

High Life

Auch das wäre alles verschmerzbar, wenn High Life wenigstens ansatzweise unterhaltsam wäre. Doch aufgrund der miserabel erzählten Geschichte und den nicht ausgearbeiteten Charakteren, kommt zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Spannung auf. Der Film tröpfelt in seinem Nihilismus dahin, ohne dass etwas Nennenswertes passieren würde. Das Einzige, was mich halbwegs bei der Stange hielt, ist der hervorragende Cast, die aus dem bisschen was sie hatten, durchaus solide Performances zauberten.

Fazit

High Life versagt als Science-Fiction-Film auf ganzer Linie, hat darüber hinaus nichts zu sagen oder zu erzählen und suhlt sich stattdessen lieber im eigenen Ejakulat, um mich dann noch prätentiös anzugrinsen ob seiner künstlerischen Gewagtheit. Dabei ist High Life ungefähr so aufregend wie ein Porno ohne Sexszenen und auch genauso anstößig.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
SpannungRating: 0 von 5
Härte Rating: 1 von 5
Unterhaltung Rating: 0 von 5
Anspruch Rating: 1 von 5
GesamtwertungRating: 1 von 5

Bildquelle: High Life © Pandora Film Verleih

Florian Halbeisen
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