7 Empfehlungen vom SLASH Filmfestival, die ihr nicht verpassen solltet

Slash Filmfestival

Vom 23. September bis zum 03. Oktober fand wieder das SLASH Filmfestival in Wien statt. Wir waren wie jedes Jahr vor Ort und haben euch 7 Perlen rausgesucht, die ihr im Auge behalten solltet.


7. The Medium (2021)

The Medium ist eine thailändisch-koreanische Koproduktion mit Banjong Pisanthenakun auf dem Regiestuhl und mit einer Beteiligung von Na Hong-jin (The Wailing) beim Drehbuch. Das Ergebnis ist einer der gruseligsten Exorzismus-/Dämonen-Filme, die ich seit langem gesehen habe. Das Setting im dicht bewaldeten Nordosten Thailands ist für sich schon absolut großartig und bietet das perfekte Zuhause für die reichhaltige und für mich komplett fremde Mythologie und Dämonologie dieser Region.
Natürlich kommt man an ein paar Klischees nicht vorbei und die gesamte Found-Footage-Kiste ist zwar nicht störend, aber außer ganz zu Beginn wird daraus auch kein Mehrwert generiert – hätte man dementsprechend auch gleich sein lassen können. Aber davon abgesehen wirklich ein sehr feines Stück Thai-Horror, das auf allen Ebenen zu überzeugen weiß und vor allem Freunde von Besessenenfilmen begeistern wird.

6. The Power (2021)

The Power ist ein in den 70ern angesiedelter Haunted-House-Horror und als Setting darf ein absolut gruseliges Krankenhaus herhalten. Und auch wenn das Spielfilmdebüt von Corinna Faith nicht sonderlich viel Neues zu bieten hat, so ist es vor allem beachtlich mit welch Virtuosität die Engländerin bekannte Versatzstücke neu zusammensetzt. Angeführt von einem starken Lead (Rose Williams, Reign) gelingt damit eine famose Mischung aus psychologischem Horror und Haunted-House-Grusel, der sich auch vor großen Klassikern nicht zu verstecken braucht.

5. Mad God (2021)

Der Name Phil Tippett, das Mastermind hinter Mad God, wird vielleicht nicht allen etwas sagen, aber seine Werke habt ihr alle schon gesehen, hat der Special-Effects-Guru doch bei RoboCop, Jurassic Park und der ursprünglichen Star-Wars-Trilogie mitgearbeitet. 1984 gründete er seine eigene Special-Effects-Firma und ein paar Jahre später begann er mit der Arbeit an Mad God. Gut 30 Jahre später ist es endlich soweit und wir bekommen endlich zu Gesicht, was der Wahnsinn in drei Dekaden zusammengetragen hat.
Und das Ergebnis ist wahrlich der reinste Irrsinn. Eine Höllenfahrt ohne narratives Fundament, die sich ganz allein auf ihr Worldbuilding und die Faszination ihrer Bilder verlässt. Das wird viele vor den Kopf stoßen und die albtraumhafte Stop-Motion-Welt von Mad God ist auch definitiv eher für ein Nischenpublikum gemacht, aber dieses wird es lieben. Tippetts Film lädt dazu ein, in die infernale Apokalypse einzutauchen und sich an dieser wundersamen und abartigen Welt zu laben. Am ehesten gleicht Mad God dabei einem Gemälde – einem wiederentdeckten Triptychon irgendwo zwischen Hieronymus Bosch und H.R. Giger, das vor liebenswerten Details nur so strotzt.

4. The Amusement Park (1975)

The Amusement Park ist eine Kuriosität. Von einer christlichen Gesellschaft 1973 als Lehrvideo über die Schrecken der Altersdiskriminierung bei George A. Romero in Auftrag gegeben, bekommen diese weit aus mehr Schrecken, als ihnen lieb war. So wurde der Film zwar 1975 auf ein paar Festivals aufgeführt, verschwand danach aber in den Archiven und galt lange als verschollen. Bis er vor einigen Jahren wieder auftauchte und kürzlich vollkommen restauriert wurde.
Mit rund $ 37.000 in drei Tagen runtergedreht stellt dieser die einzige Auftragsarbeit in Romeros Schaffen dar und umso beeindruckender ist das Ergebnis. Romero versteht wie Albträume funktionieren und versteht dies in The Amusement Park perfekt umzusetzen. Dabei wirken die Szenen immer nur etwas unrund und nie vollkommen überdreht, sodass der Film durchwegs geerdet, aber eben auch sehr unheimlich wirkt. Die Bedrohung zieht der Streifen dabei aus alltäglichen Diskriminierungserfahren von älteren Menschen und überzeichnet diese immer nur leicht, wodurch ein wahrer Albtraum entsteht.

3. Titane (2021)

Irgendwo zwischen David Lynchs Eraserhead, David Cronenbergs Crash und Shin’ya Tsukamotos Tetsuo ist Julia Ducournau mit Titane wohl einer der mutigsten Arthouse-Horrorfilme der letzten Jahre gelungen. Es ist beeindruckend mit welcher Kompromisslosigkeit diese chromatisch glänzende Monstrosität über sein Publikum hinwegrollt. Ducournau geht nicht auf Nummer sicher, sondern drückt mächtig aufs Gas. Sich weder um das Feuilleton noch um die Genrefans scherend, ergibt sich daraus ein Film in unbändiger Kraft und berührender Zärtlichkeit zugleich.

2. After Blue (Dirty Paradise) (2021)

Bertrand Mandico ließ schon mit seinem Debütfilm The Wild Boys aufhorchen und auch After Blue ist nicht minder beeindruckend. Angesiedelt in einer fernen Zukunft, die Menschheit hat die Erde längst verlassen und sich auf dem Planeten After Blue niedergelassen, der inzwischen ausschließlich von Frauen bewohnt wird. Nach einem folgenschweren Fehler müssen sich hier Mutter (Elina Löwensohn) und Tochter (Paula Luna) auf eine gefährliche Reise begeben, auf der so allerhand Kuriositäten von After Blue offenbart und so manch skurrile Bekanntschaft gemacht wird.
After Blue ist dabei der queere Fiebertraum eines Sci-Fi-Fantasy-Western mit atemberaubenden Kulissen und Beleuchtung – und damit ein absolut würdiger Nachfolger für The Wild Boys.

1. Beyond the Infinite Two Minutes (2021)

Es fehlt schwer bei der Sci-Fi-Komödie Beyond the Infinite Two Minutes, nicht an den Überraschungserfolg One Cut of the Dead von Shin’ichiro Ueda zu denken. Beide vereint ein minimales Budget, eine grandiose Idee und eine Plansequenz – aber vor allem ganz besonders viel Liebe zum Medium Film. Der mittels iPhone gefilmte Streifen von Junta Yamaguchi beweist, wie wenig man an finanziellen Mitteln und teurem Equipment braucht, wenn man nur eine raffinierte Idee hat und mit genug Herzblut an die Sache geht.
Daraus ergibt sich dann ein charmanter wie beeindruckender Zeitreisefilm, der allein schon aufgrund seiner spritzigen und originellen Prämisse aus dem Einheitsbrei hervorsticht.
Vollkommen zu Recht der Gewinner des Jurypreises beim SLASH Filmfestival und auch von meiner Seite ganz viel Liebe für diese kleine Sci-Fi-Indie-Perle.

Florian Halbeisen

...und was meinst du?