Kaijūs: 13 japanische Monsterfilme, die ihr gesehen haben solltet

Kaijus

8. Gamera – Guardian of the Universe (1995)

Die Ornithologin Mayumi Nagamine (Shinobu Nakayama) besucht ein verlassenes Inseldorf, das Berichten zufolge von einem riesigen Vogel angegriffen wurde. Schon bald darauf bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen. Zur Verhinderung weiterer Angriffe durch die vogelähnlichen Kreaturen, sollen diese in das Baseballstadion der Küstenstadt Fukuoka gelockt werden, um sie lebendig einzufangen. Unterdessen kollidiert vor der Ostküste der Philippinen ein mit Plutonium beladenes Schiff mit einem schwimmenden Atoll, das auf Japan zusteuert. Bei näherer Betrachtung entdeckt ein Team aus Wissenschaftler:innen eine mit Runen bedeckte Steintafel, die von einer uralten Prophezeiung berichtet – einem alles entscheidenden Kampf zwischen Gyaos und Gamera.

Gamera: Guardian of the Universe ist der neunte Teil der Gamera-Filmreihe und gilt nicht nur als Neustart des Franchise, sondern auch als erster Eintrag der Heisei-Zeit (1995–2006). Um sich von den Filmen der Shōwa-Zeit (1965-1980) abzugrenzen, bekommen neben der beliebten Riesenschildkröte Gamera auch die fleischfressenden, vogelähnlichen Gyaos eine Auffrischung des Creature-Designs und neue Entstehungsgeschichten. Beide sind nicht mehr durch Strahlung mutierte prähistorische Lebewesen, sondern wurden von einer alten Zivilisation erschaffen, die die Kontrolle über ihre Schöpfungen verlor. Ähnlich geht es der modernen japanischen Gesellschaft, die durch Umweltverschmutzung unwissentlich die Kreaturen wiederbelebt. Dadurch bekommt der Film eine viel düsterere Atmosphäre und spiegelt den ernsten Ton der Godzilla-Filme wider.

Hinzu kommen sympathische menschliche Figuren und sehenswerte Spezialeffekte innerhalb einer straff inszenierten Geschichte. Detaillierte Kostüme und Miniaturen sorgen für großartige Kampfszenen zwischen Gamera und den Gyaos. Gamera: Guardian of the Universe hält außerdem durchweg sein spritziges Tempo, sodass Regisseur Shusuke Kaneko (Necronomicon, Segment „The Cold“) nicht ins Stocken gerät und die Action mit zufriedenstellender Geschwindigkeit zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin und her springt. Nostalgiker:innen können sich außerdem darüber freuen, dass hier das implementierte Originalgebrüll der beiden Monster zu hören. [Jana]

7. The Magic Serpent (1966)

Bei einem heimtückischen Angriff werden Ogata, Herrscher über das Oumi-Königreich, und dessen Frau von seinem General Daijo Yuki und dessen Ninja Orochimaru getötet. Wenigen treuen Soldaten von Ogata gelingt es, mit seinem Sohn Ikazuchi-Maru zu fliehen. Orochimaru hat sich jedoch in eine riesige Schlange verwandelt und ist schon auf ihren Fersen. Nur durch die Hilfe eines riesigen Adlers, kann der Junge in Sicherheit gebracht werden.
Viele Jahre später ist Ikazuchi-Maru zu einem jungen Mann herangewachsen und hat unter der Führung des Eremiten Dojin Hiki, der ihn über die Jahre versteckte, die Kunst des Ninjutsu und der Krötenmagie gemeistert. Während Daijo Yuki und Orochimaru ihre Suche nach dem Erben des Ogata-Clans nie aufgegeben haben, macht sich Ikazuchi-Maru selbst auf, um seine Eltern zu rächen…

Toeis The Magic Serpent basiert auf der alten japanischen Sage „Die Geschichte des galanten Jiraiya“ über einen auf Kröten reitenden Ninja. In seiner Mischung aus Samurai-Drama und Kaijū Eiga erinnert er dabei sehr an Daieis Daimajin-Reihe, die ebenfalls aus dem Jahr 1966 stammt. Im Gegensatz zu dieser ist The Magic Serpent jedoch wesentlich märchenhafter in seiner Inszenierung von Gut gegen Böse sowie all seinen von Magie durchzogenen Kämpfen und dem zauberhaftem Schabernack. So ist es dann auch nicht einfach nur ein Monster, das hier Amok läuft, sondern Held und Bösewicht dürfen in ihrer Monsterform als Drache und Krötenechse gegeneinander antreten. Doch nicht nur das: Das Love Interest des Helden – und zugleich Tochter des Bösewichts – ist hier nicht nur Motivation für die männlichen Akteure, sondern mischt als Spinnenmonster selbst mit.

Auch wenn der von Tetsuy Yamanouchi inszenierte Film handwerklich nicht ganz an die Werke von Daiei und schon gar nicht an die von Tōhō herankommt, so lässt er Godzillas Shōwa-Ära locker vor Neid erblassen. The Magic Serpent bringt viel frischen Wind und Innovation ins Kaijū-Genre und schaffte es mit seiner unbändigen Spielfreude, mein Kaijū-Herz im Sturm zu erobern. [Florian]

6. Godzilla gegen Destoroyah (1995)

Im 22. Godzilla-Film der Tōhō-Studios taucht die Riesenechse plötzlich vor Hongkong auf – allerdings mit einem veränderten Aussehen. Die Rückenplatten und verschiedene Stellen des Körpers rot leuchtend, wird den Wissenschaftlern schnell klar, dass Godzilla offensichtlich kurz vor einer Kernschmelze steht. Doch dies bleibt nicht das einzige Problem, mit dem sich die Menschen konfrontiert sehen. Durch den Einsatz des Oxygen-Zerstörers während Godzillas ersten Angriffes wurden auch weitere Organismen getroffen, die jahrzehntelang unentdeckt nun zu einer weiteren riesigen Bedrohung heranwachsen…

Selten wurden Story und Action so rund ineinander verwoben wie in Okawara Takaos drittem Godzilla-Abenteuer. Trotz einer Vielzahl an Charakteren wird die Story ohne Nebenschauplätze mit einem ausgewogenen Pacing vorangetrieben und langsam auf den großen Showdown hingearbeitet. Die menschlichen Protagonisten kommen dabei durchwegs sympathisch rüber. Auch wenn sie teilweise etwas blass bleiben, bieten sie dennoch genug Identifikationspotential, um mit ihnen mitfiebern zu können.

Der Aufbau der Monsteraction ist dramaturgisch äußerst gelungen, da die durch den Oxygen-Zerstörer mutierten Urzeitviecher dem Hafen von Tokio zunächst ein paar giger’sche Alien-Momente bescheren, bevor sie sich dann zu Destoroyah vereinigen. Dieser macht mit seinen Evolutionsstufen mächtig was her und dürfte einer der beeindruckendsten Widersacher sein, denen Godzilla je gegenübertreten durfte. Ein wahrlich würdiger Gegner also für das große Finale der Heisei-Serie.
Aber auch Godzilla sieht blendend aus wie selten. Kurz vor der Kernschmelze glüht er bedrohlich rot und wirkt dadurch gerade noch einmal bedrohlicher.
Doch nicht nur ist das Monsterdesign mit das Beste, was das Franchise hervorgebracht hat, auch die Kämpfe sind äußerst dynamisch inszeniert. Dabei fliegen die Fetzen und die Körperflüssigkeiten spritzen, was die Gummimonster überaus organisch wirken lässt.

Atmosphärisch ist Godzilla gegen Destoroyah ausgesprochen düster und schlägt gerade zum Ende hin ein paar außergewöhnlich schwermütige Noten an, die den Abschluss der Heisei-Ära wohl zu einem der emotionalsten Filme im gesamten Godzilla-Franchise machen. [Florian]

5. Daimajin (1966)

In einer Präfektur im feudalen Japan verehren die Menschen die Gottheit Daimajin, dessen Statue unweit eines Dorfes in einem Berg steht, der von einer Priesterin bewacht wird. Der Herrscher Hanabusa wird eines Tages vom herrschsüchtigen Samanosuke Odate gestürzt und seine Familie flieht daraufhin in Richtung des Berges. Als Jahre später eine Rebellion gegen Odate zerschlagen und der Sohn Hanabusas gefangen genommen wird, fordert die Priesterin des Berges die Freilassung aller Rebellen, da ansonsten die Rache Damajins fürchterlich sein werde. Als der Steinkoloss zum Leben erwacht, hat er es allerdings nicht nur auf Odate abgesehen, seine Wut kennt keine Grenzen.

1966 wurden alle Teile der Daimajin-Trilogie weitestgehend mit der gleichen Crew parallel produziert und fanden mit einem Abstand von nur wenigen Monaten den Weg in die Kinos. Im Gegensatz zu anderen Monstern, handelt es sich bei Daimajin um eine Gottheit, die in Krisenzeiten beschworen werden kann und deren Erweckung wie ein Damoklesschwert über der Handlung schwebt.

Ist es endlich so weit, werden die Monsterfans mit einem visuellen Höhepunkt belohnt: Daimajin bewegt sich zwar langsam und majestätisch, aber auch unaufhaltsam auf seine Gegner zu und hinterlässt dabei eine Schneise der Vernichtung. Zum Leben erweckt wird Daimajin durch einen im Anzug steckenden Schauspieler, der versiert gefilmt wurde, so dass die Größenverhältnisse ihn stets riesig aussehen lassen. Dadurch entstehen einige beeindruckende Szenen, in denen der steinerne Samurai beispielsweise langsam an Wachtürmen vorbei stapft und die Zuschauer*innen aus dem Turm heraus nur seinen großen Helm sehen.

Die Handlung wird von einer größeren Stadt hin zur malerischen japanischen Landschaft verlegt und von einem motivierten Cast getragen. Wer Lust hat auf einen Kaijū, in dem es nicht in erster Linie um Monsterkämpfe geht und der eher mythische Ansätze vertieft, darf hier einen Blick riskieren. Daimajin gehört außerhalb des Godzilla-Kosmos, nicht nur wegen seiner auch heute noch stark aussehenden Effekte, zu den besten Kaijūs und sollte auf keinen Fall verpasst werden. [Mathias]

4. Godzilla, Mothra and King Ghidorah (2001)

47 Jahre sind vergangen, seitdem Godzilla Tokio verwüstete und tausenden Menschen das Leben nahm. Als die Echse angeblich in New York gesehen wird, bricht Panik aus. Mit Godzilla sind auch die Seelen gefallener Soldaten zurückgekehrt und versorgen das unzerstörbare Biest mit Energie. Nur die drei heiligen Wächtermonster, bestehend aus Mothra, Baragon und King Ghidorah, haben eine Chance gegen Godzilla zu bestehen.

Als direktes Sequel zum Original von 1954 konzipiert, sorgt Shusuke Kaneko in Godzilla, Mothra and King Ghidorah für ein hochwertiges Effektfeuerwerk und stellt einen der besten Godzilla-Filme der 2000er Jahre auf die Beine. Die Suitmation, also die Filmtechnik, bei der ein Schauspieler im Anzug Godzilla spielt, wird hier auf die Spitze getrieben und sieht verblüffend gut aus. Dazu fügen sich dynamisch einige Computereffekte in den Film ein. Auch Mothra, King Ghidorah und Baragon sehen überzeugend aus und machen der Riesenechse in starken Kaijū-Kämpfen zu schaffen. Besonders Mothras Flugeinlagen sorgen für frischen Wind bei den Kämpfen, da sie aus der Luft heraus attackiert und dadurch eine Vielzahl verschiedenster Angriffe startet, welche die aus den vergangenen Filmen noch übersteigen. Die Miniaturgebäude, die dabei zerstört werden, sehen stets authentisch aus und erscheinen dank der guten Kameraarbeit von Masahiro Kishimoto immer im richtigen Verhältnis zu den Monstern. Kishimoto fängt ein Effektfeuerwerk ein, welches zu den besten in der jüngeren Godzilla-Geschichte zählt.

Das Highlight bildet aber der finale Kampf zwischen dem dreiköpfigen Ungeheuer Ghidorah und Godzilla. Nicht nur dessen Hitzestrahl bzw. elektrische Schläge sehen einfach fantastisch aus, auch die physischen Angriffe sind stark choreografiert. Godzilla, Mothra and King Ghidorah bietet ein ebenso actionreiches wie kurzweiliges Vergnügen für Kaijū-Fans und sieht mit seiner klassischen Animation monströs charmant aus. [Mathias]

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