Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies (1979) – Review

Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies

Horror-Legende und König der Gewalt Lucio Fulci liefert mit Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies einen der bedeutendsten Vertreter des italienischen Genre-Films und beweist aufgrund seiner kompromisslosen Inszenierung abermals, warum sein Name auch heute noch einen großen Stellenwert besitzt. Wir setzen die Segel und begeben uns in die tropische Hölle.

Originaltitel: Zombi 2
Land: Italien
Laufzeit: 91 Minuten
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Elisa Briganti, Dardano Sacchetti
Cast: Tisa Farrow, Ian McCulloch u.a.

Hintergründe & Inhalt

Als zwei Guards der New Yorker Küstenwache auf eine scheinbar verlassene Yacht stoßen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Einer der beiden wird von einer menschlich aussehenden Kreatur gebissen. Gemeinsam mit dem Journalisten Peter macht sich Anne, die Tochter des Yachtbesitzers, auf die Suche nach ihrem Vater. Ein Brief führt die Beiden auf die mysteriöse Insel Matul. Das Pärchen Brian und Susan erklärt sich bereit, das Duo zur Insel zu bringen, nichtsahnend, was sie dort erwarten würde. Dort angekommen, soll die Gruppe eine Erkenntnis machen, die ihnen lieber verborgen geblieben wäre, denn die Toten scheinen ihre Gräber verlassen zu haben.

Kritik

Nur ein Jahr nach George A. Romeros Genre-Epos Dawn of the Dead schickt der König des atmosphärischen Schreckens Lucio Fulci unter dem Originaltitel Zombi 2 die italienische Antwort auf den amerikanischen Untoten-Hit ins Rennen. Doch, wenngleich sich Fulci auf erzählerischer Ebene nicht mit Romero zu Messen vermag, hat es Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies überhaupt nicht nötig im Schatten seines Vorbildes zu wandeln. Während Romero seinem – über die Jahre zum Kult-Hit avancierten – Horrorfilm gesellschaftskritischen Subtext beimaß, verzichtet Fulci, der wahrlich noch nie als umfassender Geschichtenerzähler auf sich aufmerksam machen konnte, darauf, seinem inoffiziellen Sequel metaphorische Doppelbödigkeit aufzulasten. Der Regisseur begibt sich mit Woodoo zum Quell des Zombie-Mythos, schlägt daher mehr Parallelen zu Klassikern wie Ich folgte einem Zombie, als zu seinem Namensvetter und kreiert ein Zusammenspiel aus medizinischer Erklärung und Voodoo-Magie. Auf dem Weg zum Ursprung verlagert er das Setting auf die tropische Insel Matul. Der atmosphärische Bruch, von der grauen Innenstadt hin zu einer atemberaubenden Mixtur aus Exotik und Verderben, wirkt sich nicht nur überwältigend auf die Wahrnehmung von Tod und Schönheit – oftmals eingefangen im selben Bild – aus, sondern konstruiert eine intensive Seherfahrung, die altbekannte Elemente des Horrorfilms nutzt und geschickt weiterentwickelt.

Woodoo - Die Schreckensinsel der ZombiesWas Fulci an erzählerischem Geschick fehlte, wusste die italienische Genre-Legende schon immer mit inszenatorischer Kompromisslosigkeit wettzumachen. Und auch bei Woodoo setzt der Regisseur vermehrt auf einprägsame Einzelszenen denn dramaturgische Raffinesse. Der Unterwasserkampf zwischen einem Zombie und einem Hai – altersbedingt natürlich frei von jeglicher Computereffekt-Unterstützung – fundamentiert sich fest in den Gedankengängen des Publikums und gilt auch über vierzig Jahre später als eminentes Genre-Kulturgut. Auf visueller Ebene braucht sich Woodoo generell keine Vorwürfe machen zu lassen. Die Untoten, im Vergleich zur Vorjahreserscheinung Dawn of the Dead, wirken deutlich grausamer und entstellter. Fulci gelingt hier ein klares Upgrade zu seinem Vorläufer und hievt die Bedrohlichkeit, in Form modernder, zerfressener und wandelnder Leichen, auf ein neues Level. Die Inszenierung exploitativer Gewalteinstellungen fiel dem Italiener schon immer leicht und auch hier scheut sich der Regisseur nicht minutiös drauf zu halten, wenn das Blut fließen soll. Wenn ein Augapfel mit einem Holzsplitter durchbohrt wird, soll der Zuschauer Anteil daran haben und das möglichst lange. Eine ausgesprochen ikonische Szene des verstorbenen Filmemachers, die er ungefähr ein Jahr später – leicht abgewandelt – in seinem nicht minder erfolgreichen Ein Zombie hing am Glockenseil rekonstruierte. Der Holzsplitter wurde lediglich durch eine Bohrmaschine ersetzt, doch auch hier büßt die Wirkung nichts ihrer Eindringlichkeit ein. Nach vorne gepeitscht wird das bluttriefende Inselchaos von Fulcis Haus-und-Hof-Komponist Fabio Frizzi, der mit seinem musikalischen Gespür unter Beweis stellt, dass er einen großen Anteil an der Funktionalität von Fulcis Geisterbahnfahrten besitzt. Nahezu perfekt pointiert der italienische Komponist die unheilvollen Stimmungsbilder des Regisseurs und liefert die unterstützende Eintauchhilfe in eine Inselwelt, die Grausamkeit und Anziehungskraft Hand in Hand gehen lässt.

Woodoo - Die Schreckensinsel der ZombiesFazit

Von vielen Genre-Fans als der beste Zombiefilm aller Zeiten verehrt, kreiert Lucio Fulci mit Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Horrorfilm. Aufgrund seines inszenatorischen Geschicks gelingt es dem Italiener Angst und Schrecken, eingebettet in sonniger, exotischer Pracht, zu einer unvergleichlichen Atmosphäre verschmelzen zu lassen. Dabei will Woodoo gar nicht mehr sein, als er letztendlich ist und verzichtet gänzlich auf allegorische Tiefsinnigkeit. Fulci verlässt sich ganz auf sein handwerkliches Können und erklügelt einen Film, der zweifelsohne zu den besten Vertretern seines Subgenres gehört.

 

Bewertung

Grauen Rating5_5
Spannung Rating: 3 von 5
Härte Rating: 5 von 5
Unterhaltung Rating: 4 von 5
Anspruch Rating: 1 von 5
Gesamtwertung Rating: 5 von 5

Im Handel:

Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies

Bildquelle: Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies © CMV Laservision

Jan Ott

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