13 Horrorfilme über ungewöhnliche Romanzen, die ihr gesehen haben solltet!

Romanzen in Horrorfilmen

8. Begierde (1983)

Die beiden Vampire Miriam (Catherin Deneuve, Ekel) und John Blaylock (David Bowie, Twin Peaks: Fire Walk With Me) sind seit Jahrhunderten ein Paar. Des Nachts streifen sie auf der Suche nach frischem Blut durch New-Wave-Diskotheken in New York, um dort aufgegabelte Pärchen als Nahrungsquelle zu benutzen. Eines Tages stellt John bei sich, trotz Miriams Versprechen von ewiger Jugend, einen enorm schnellen Alterungsprozess fest. In seiner Verzweiflung sucht er die Gerontologin Sarah auf, die ihn jedoch für einen Verrückten hält. Als John kurz darauf verschwindet und Sarah Nachforschungen anstellt, lernt sie Miriam kennen und lässt sich von der Vampirin verführen…

Obwohl Tony Scotts Spielfilm-Debüt an der Oberfläche natürlich ein Vampirfilm ist, lässt sich Begierde nur schwierig einordnen. Deneuves und Bowies Beziehung scheint auf den ersten Blick von ausgleichender Harmonie bestimmt zu sein. Sobald jedoch der von Bowie verkörperte John im Minutentakt rapide zu altern beginnt, offenbart sich die große Lüge, auf der ihre jahrhundertlange gemeinsame Existenz beruhte. Deneuves Figur changiert mühelos zwischen femme fragile und femme fatale, die einerseits als erfahrene Verführerin auch Sarah für sich gewinnt und an sich bindet, aber andererseits vom Schicksal Johns und ihrer vorherigen Liebhaber enorm leidet. Die Auseinandersetzung zwischen unabdingbarem körperlichem Verfall und geistigem Stillstand wird so zum Leitthema des Films, das auch die Romanzen zwischen Miriam und ihren Liebhaber:innen dominiert.

Begierde fängt diese morbiden Romanzen in unheimlich finsteren und stilvollen Bildern ein. Miriams extravagant eingerichtete Eigenheim inmitten von Manhattan versprüht dermaßen düstere Gothic-Vibes, dass es selbst die pompösesten Schlösser aus dem Hause Hammer der 50er und 60er Jahre verblassen lässt. Und wie in der Gothic-Fiction üblich, sind auch in Begierde tragische Romanzen die Pfeiler der Handlung, deren Ambivalenz Begierde zu einem albtraumhaften, verstörenden und gleichzeitig wunderschönen Seherlebnis macht. [Robert]

7. Dust Devil (1992)

Namibia, Anfang der 90er Jahre: Auf den staubigen Straßen treibt ein dämonischer Serienkiller (Robert John Burke) sein Unwesen. Auffällig grausam sind die Ritualmorde, bei denen der Täter Blut und Organe verteilt. Die Legende des Dust Devil, des gespenstischen, gestaltwandelnden Wüstenwindes, der ruhelos die verlorenen Seelen heimsucht, scheint mit dem Fall in Verbindung zu stehen. Als die junge Wendy (Chelsea Field), den trostlosen Vororten Südafrikas entflohen, eine Affäre mit dem gutaussehenden Anhalter beginnt, verschwimmen Mythos und Realität…

Mit Dust Devil schuf Autorenfilmer Richard Stanley (Die Farbe aus dem All) eine enigmatische Phantasmagorie zwischen Road Movie und Okkult-Thriller, deren zwei Hauptfiguren beständig chargieren. Wendy, aus der Vorstadt getrieben durch den Verdruss einer Trennung, begibt sich auf eine Reise ins Ungewisse, die ebenso Sinnsuche wie tatsächliche Autofahrt ist. Fasziniert von einem attraktiven, namenlosen Anhalter, steigt sie im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Teufel ins Bett: Sie wird so zu einer Gefährtin des Dust Devil, der von den Seelen und Körpern der Verlassenen und Mutlosen zehrt.

Auf sandigen Straßen, in schäbigen Motels und inmitten der brennenden Wüste, ziehen sich diese beiden Grenzgehenden gegenseitig an und verstricken sich in eine fiebrige Romanze auf brüchigem Fundament. Keinesfalls werden sie zum klassischen Killerpaar: Vielmehr sind sie der Schnittpunkt konvergierender Seelenreisen, Rastlose inmitten einer gespenstischen Welt, deren Existenz sie selbst wohl am meisten noch verstehen müssen. [Alexander]

6. Nekromantik (1987)

Der Filmtitel steckt bereits das Feld ab, innerhalb dessen die Handlung sich bewegt: Es geht um eine Liebesgeschichte. Und es geht um Sex mit Leichen. Robert (Daktari Lorenz) und seine Freundin Betty (Beatrice Manowski, Nekromantik 2) sind fasziniert vom Tod – und von den Toten. Als Rob von seiner Arbeit bei einem Unternehmen, das sich auf die Reinigung von Leichenfundorten spezialisiert hat, eines Tages einen weitgehend intakten männlichen Körper mitbringt, ist das der Beginn einer leidenschaftlichen Dreiecksbeziehung; doch diese endet schlagartig, als er seine Anstellung verliert und Betty ihn mitsamt der Leiche verlässt. Frustriert versucht Robert, sich auf anderem Wege Erregung zu verschaffen und sieht in seiner Verzweiflung schließlich nur noch einen Ausweg …

Während die einen in Jörg Buttgereits Beschäftigung mit kontroversen Themen lediglich einen Willen zur Provokation erkennen, feiern andere ihn als „subversiven Romantiker“. Es geht in Nekromantik nicht um die Reproduktion von Klischees, Erwartungen und Konventionen – stattdessen werden sie kurzerhand vorgeführt und unterwandert. Der Film inszeniert die traute Dreisamkeit als romantische und erfüllte Liebesbeziehung: Die ekstatischen Sex-Szenen werden untermalt von emotionaler Klaviermusik; es sind zarte und liebevolle Gesten, die sich zwischen Betty und der Leiche abspielen, wenn sie ihr im Bett vorliest und währenddessen Pralinen nascht. Dabei vermeidet Nekromantik jede Möglichkeit, die ästhetisierten Szenen durch humoristische Elemente aufzulockern und zu entschärfen: Es bleibt an den Zuschauenden, zu entscheiden, ob die nekrophile Ménage-à-trois Robert und Betty zu Monstern oder zu tragischen Liebenden macht. [Catherin]

5. Only Lovers Left Alive (2013)

Die Vampire Adam und Eve sind seit Jahrhunderten miteinander verheiratet. In dieser Zeit haben sie viele bekannte Wissenschaftler und bedeutsame kulturelle Persönlichkeiten kennengelernt. Seit geraumer Zeit leben die beiden Liebenden jedoch getrennt: Eve hat in der Stadt Tanger in Marokko ihre neue Heimat gefunden, während Adam in Detroit lebt. Bei einem ihrer regelmäßigen Videoanrufe erfährt Eve, dass sich Adam schon seit längerem in einer existenziellen Krise befindet, was sie dazu veranlasst, zu ihm nach Detroit zu reisen. Die Ruhe wird jedoch je gestört, als plötzlich Eves jüngere Schwester Ava auftaucht.

Only Lovers Left Alive ist pure Fetischisierung von Musik, Literatur, dem endlos voranschreitenden Fluss der Zeit und der übermannenden Melancholie, die dieser mit sich bringt. Eingebettet in urbanen Verfall und allgemeinem kollektivem Vergessen fristen die beiden Liebenden Adam und Eve ein Dasein der altersbedingten Schwermütigkeit, doch voller Passion. Die Art und Weise, wie Eve mit ihren Fingern über die Seiten ihrer altertümlichen Bücher gleitet, wie Adam sanft über die Korpusse der Instrumente längst verstorbener Musiker streicht, sind von zeitloser Eleganz erfüllt. Only Lovers Left Alive stellt die wundersame Kraft der Kunst und Kultur in den Vordergrund, die selbst die ausgelaugten Existenzen eines jahrhundertelangen Lebens noch befeuern kann. Es ist eine schwerelose Poesie, die in allem liegt, was die beiden Vampire tun und sagen, die als Gegenpol zu der schwerwiegenden Melancholie fungiert, die die Banalität der modernen Urbanität mitbringt.

Adams Zynismus und Eves geistreiche Witzeleien ergeben zwei perfekt ineinandergreifende Pole, die sich zwar in kultureller und künstlerischer Nostalgie verlieren, jedoch niemals die spirituelle Verbundenheit zueinander anzweifeln lassen. Only Lovers Left Alive ist ein Film für Träumer, in dem die Variationen bekannter Vampirmotive nicht nur Aufhänger für die Nicht-Handlung sind, sondern der diese ganz in den Dienst seines sehnsüchtigen Fernwehs nach vergangene Zeitalter stellt. Was längst tot und vergessen geglaubt, wird weiter bestehen – solange wir uns nur hin und wieder die Freiheit nehmen, über die Moderne zu monieren und in wohlig-warmer, dekadenter Nostalgie zu versinken. [Robert]

4. When Animals Dream (2014)

Die schüchterne 16-jährige Marie lebt mit ihrer schwerkranken Mutter und ihrem Vater in einem kleinen, abgelegenen dänischen Fischerdorf. Bei ihrer neuen Arbeitsstelle in der lokalen Fischfabrik – in der ohnehin das gesamte Dorf zu arbeiten scheint – lernt sie Daniel kennen, der sich Hals über Kopf in die geheimnisvolle Außenseiterin verliebt. Doch Marie beschäftigen im Moment ganz andere Dinge als ihr potentielles Liebesleben: Seit kurzem plagt sie ein Ausschlag auf der Brust, auf dem ungewohnt viele Haare wachsen, und irgendwie scheint dies auch mit der Krankheit ihrer Mutter in Verbindung zu stehen. Während sie versucht, dem Mysterium auf den Grund zu gehen, verändert sich jedoch nicht nur ihr Körper immer weiter, sondern auch ihr Gemüt und ihre Gelüste scheinen sich zu wandeln …

Regisseur Jonas Alexander Arnby und Drehbuchautor Rasmus Birch, die auch bei Suicide Tourist wieder zusammengearbeitet hatten, kleiden ihre Coming-of-Age-Geschichte in einen Wolfspelz; was im Genre durchaus Tradition hat. When Animals Dream besticht jedoch vor allem durch seine ruhige Erzählweise und die unterkühlten Bilder des dänischen Inseldorfes. Und während der Film sich voll und ganz auf Maries Kampf um Selbstbestimmung inmitten von starren Strukturen konzentriert, ist der Film gerahmt von zwei wundervollen und ebenso ungewöhnlichen Romanzen. Zum einen jene zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter, deren Wesen und Vergangenheit jedoch nur wage angedeutet wird, und zum anderen zwischen Marie und Daniel. Daniel ist außerhalb ihrer Familie die einzige Person, die Marie Sicherheit bietet und sie in ihrem Anderssein sogar noch bestärkt. Er ist die Art von Person, die dich, nachdem du dich gerade in eine Werwölfin verwandelt und die gesamte Besetzung eines Fischerbootes getötet hast, tröstend in den Arm nimmt. Der Beginn einer außergewöhnlichen Romanze. [Florian]

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