Ginger Snaps III – Der Anfang (2004) – Review

Ginger Snaps 3

2004 wurde die Geschichte von Ginger Snaps gleich zweifach weitererzählt: zum einen mit der Fortsetzung Ginger Snaps II – Entfesselt und zum anderen mit der Vorgeschichte Ginger Snaps III – Der Anfang. Das Prequel übernimmt im Kern die Geschichte des ersten Teils, verzichtet aber fast gänzlich auf dessen Metaebene und mystifiziert stattdessen die Geschichte der Fitzgerald Schwestern so gerissen, dass der Abschluss der Reihe gleichzeitig den besten Teil dieser bildet.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Ginger Snaps Back: The Beginning
Kanada
94 Minuten
Grant Harvey
Christina Ray, Stephen Massicotte
Katharine Isabelle, Emily Perkins u.a.

Inhalt

Im frühen 19. Jahrhundert irren die beiden Schwestern Brigitte und Ginger Fitzgerald ziellos durch die winterliche Wildnis Kanadas auf der Suche nach einem sicheren Unterschlupf. Bei ihrer Suche stoßen sie auf ein eingeschneites Fort, in dem sie zunächst Zuflucht finden. Die Bewohner des Forts stehen den beiden Fremden jedoch höchst misstrauisch gegenüber, denn die Angst vor mysteriösen Bestien im Wald hält sie fest in ihren Klauen. Zusätzlich wird Ginger seit einer Begegnung mit einer roten Frau im Wald von schrecklichen und blutigen Visionen geplagt. Nachdem sie im Fort von einer entstellten Kreatur angefallen wird, beginnt sie noch deutlich unheimlichere Veränderungen an sich festzustellen…

Kritik

Die Kerngeschichte mit der Verwandlung Gingers als tragende Säule der Story ist somit fast genau dieselbe wie schon bereits im ersten Teil. Es ist den Machern jedoch ausgezeichnet gelungen, die Geschichte in ein komplett anderes Setting zu integrieren und sie außerdem noch um neue Aspekte zu bereichern.

Der größte Unterschied zu den beiden Vorgängern ist wohl, dass es in Ginger Snaps III – Der Anfang nicht mehr um die allegorische Darstellung des Erwachens weiblicher Sexualität geht, sondern der dritte Teil der Reihe, zumindest über weite Strecken, „nur“ als reiner Horrorfilm inszeniert ist. Themen wie Weiblichkeit und Sexualität spielen zwar auch hier wieder eine Rolle, nehmen allerdings nicht mehr so viel Raum ein und sind auch keine tragenden Elemente der Geschichte mehr. Wenn die attraktiven Schwestern das Fort betreten, in dem seit Monaten Männer ohne weibliche Gesellschaft hausen, dann trägt das durchaus zu einer angespannteren Situation bei, hat darüber hinaus aber keine besondere narrative Funktion.

Ginger Snaps III - Der Anfang

Stattdessen wird der Film angereichert mit okkulten Elementen, die die gesamte Geschichte um die Fitzgerald Schwestern und die Thematik um die Werwölfe mystifizieren. Diese neuen Aspekte stehen dem Film mit seinem stilsicheren Setting ausgezeichnet. Generell ist das detailverliebte und authentische Set-Design ein riesiger Pluspunkt von Ginger Snaps III, da es eine durchgehend schauerliche und beklemmende Atmosphäre erschafft. Eingepfercht und eingeschneit in dem kleinen Fort und lediglich durch eine einfache Palisade vor den Gefahren des düsteren Waldes geschützt, entsteht eine eisige Spannung, die sich den gesamten Film über kontinuierlich steigert. Während einzelne Mitglieder der überschaubaren Gruppe den beiden fremden Schwestern von Anfang an feindselig gegenüberstanden, wächst auch bei den Bewohnern untereinander mit fortschreitender Handlung das Misstrauen immer weiter.

Es ist hierbei bemerkenswert, dass trotz der nicht sonderlich langen Laufzeit von 94 Minuten allen Figuren innerhalb des Forts ein gewisser Raum für eine individuelle Charakterzeichnung gegeben wird. So werden die getroffenen Entscheidungen und Handlungen stets nachvollziehbar erzählt, was der Spannung wiederum sehr zugute kommt.

Ginger Snaps III

Ginger Snaps III – Der Anfang wird zwar offiziell als Vorgeschichte zum ersten Teil beworben, fühlt sich aber tatsächlich die meiste Zeit über nicht unbedingt wie eine solche an. Häufig fühlten sich Zuschauer von dem Fakt vor den Kopf gestoßen, dass es sich bei den Schwestern um dieselben Personen wie schon im Erstling handelt – obwohl die Handlung gut 200 Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils spielt. Erst das tolle Ende schließt letztendlich den Kreis und spannt gekonnt den Bogen zur Geschichte des ersten und des zweiten Films, die in der Neuzeit spielen.

Ginger und Brigitte stehen hier mit ihrer Geschichte stellvertretend für alle kommenden Schwestern der Fitzgerald Familie und das macht das Prequel für mich so interessant. Dabei ist es nämlich nach dem Ende der Vorgeschichte völlig egal, zu welcher Zeit und an welchem Ort sich die beiden befinden – der Fluch, der auf den Schwestern Ginger und Brigitte liegt, wird sie immer und überall hin verfolgen. Unterstrichen wird dieser Ansatz auch von dem ihnen scheinbar wohlgesonnenen amerikanischen Ureinwohner, der mehrfach von einem Fluch und einer Prophezeiung spricht, die von einer roten und einer schwarzen Schwester handelt. Interessant daran ist, dass in der Szene, in denen er den beiden Frauen von diesem Mythos erzählt, Ginger ein schwarzes und Brigitte ein rotes Kleid trägt. Ein sehr nettes Detail, denn damit wird erneut deutlich gemacht, dass es gar keine Rolle spielt, wer von beiden nun letztendlich Opfer eines Bisses werden wird – dasselbe Schicksal erwartet in jedem Fall sowieso beide von ihnen.

Ginger Snaps III

Diese Idee, dass eben jener Fluch in jeder möglichen Version der Geschichte von Ginger und Brigitte greift, gefällt mir unglaublich gut. Sie bildet einen runden und passenden Abschluss für die Reihe und schafft in gewisser Weise auch eine Zeitschleife, da wir wissen, dass die Schwestern ihrem für immer besiegeltem Schicksal nicht entfliehen können. Der Pakt, den die beiden noch in Ginger Snaps geschlossen haben und auch hier wieder schließen, dass sie für immer zusammenbleiben würden, egal was auch kommen möge, bleibt somit bestehen. Denn egal, was sie auch versuchen mögen – der Fluch lässt sich nicht austricksen. Es ist abermals die großartige Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen Isabelle und Perkins, die den Ausgang der Geschichte so glaubhaft, packend und auch emotional macht.

Fazit

Ginger Snaps III – Der Anfang weiß mit seinen schaurig-märchenhaften Anleihen, seinem stilsicheren Setting, dem tollen Zusammenspiel zwischen Isabelle und Perkins und einer gekonnten Spannungskurve voll zu überzeugen. Obwohl er sich thematisch von seinen Vorgängern etwas entfernt, schafft er es dennoch, mit einer spannenden Geschichte gekonnt einen Bogen zu den anderen Teilen der Trilogie zu spannen und die Geschichte mit einer gelungenen Mystifizierung abzurunden. Eben diese Verknüpfung der Geschichten mit dem nicht näher erläuterten Fluch ist es, was Ginger Snaps III – Der Anfang für mich zum besten Teil der Reihe macht. Somit bildet das Prequel einen würdigen Abschluss der Trilogie, der zwar die Geschichte des ersten Teils im Kern nicht sonderlich viel verändert, aber durch neue Ideen, demselben unverkennbaren Charm, einem guten Drehbuch und einer einwandfreien Atmosphäre ebenfalls auf voller Linie zu überzeugen weiß.

 

Bewertung

GrauenRating: 2 von 5
SpannungRating: 4 von 5
Härte Rating: 3 von 5
Unterhaltung Rating: 5 von 5
Anspruch Rating: 2 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Bildquelle: Ginger Snaps III – Der Anfang © NSM Records

Robert

Horrorfilme sind für mich die beste Möglichkeit, die Grenzen des Zumutbaren und des eigenen Sehvergnügens auszuloten und neu zu definieren. Außerdem gibt es kaum ein anderes Genre, das so viele verschiedene gute Ideen, Möglichkeiten und Geschichten hervorbringen kann, da, ähnlich wie im Science-Fiction, einfach alles möglich ist. Es ist faszinierend, wie stark einen gute Horrorfilme in ihren Bann ziehen können und dabei sowohl schockieren als auch unterhalten.
Robert

...und was meinst du?