Memento Mori (2018) – Review

Memento Mori

Memento Mori trifft auf YOLO in diesem Psycho-Thriller aus Belgien: Die junge Fleur erlebt auf einer Party einen düsteren Psycho-Trip. Und ist in einem komatösen Schlaf gefangen…

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Memento Mori
Belgien
72 Minuten
Michaël Vermaercke
Michaël Vermaercke
Charlotte De Wulf, Felix Meyer, Bram Verrecas u.a.

Inhalt

Am Anfang steht das Ende – die Teenagerin Fleur, gefangen in einem Koma. Einem Koma, das sie nicht länger bewusst leben lässt. Einem Koma, das sie die letzten Stunden vor ihrer geistigen Gefangenschaft erneut erleben lässt.

Der Lehrer, der ihr auf den entblößten Rücken starrt, stresst sie. Ihr Freund, mit dem es stetig kriselt, obwohl sie seit über einem Jahr zusammen sind, umso mehr. Die Schule sowieso. Wie gut, dass sie wenigstens mit ihren Freunden zusammen auf einer heiß herbeigesehnten Geburtstagsparty ihre Alltagssorgen vergessen kann.

Fleur (Charlotte de Wulf): Der Stress und die Langweile der Schule vor dem Sturm…

Der Beat pulsiert und dröhnt, der Alkohol fließt in Strömen, unter der Hand kursieren Drogen – und mittendrin sie und ihre Freunde. Bald wird ein Kuchen serviert, der anscheinend mit einer ganz besonderen Zutat versehen ist.

Sie und ihre Freunde beginnen, seltsame Dinge wahrzunehmen, fühlen sich verfolgt, belästigt, verschmäht. Schon bald verwischen die Grenzen zwischen Realität und Illusion. Doch ist etwas eine Illusion, nur weil es zu grauenvoll ist, um wahr zu sein? Je weiter die Zeit vorrückt, umso mehr weicht die gelassene Party-Atmosphäre purer Angst, nackter Verzweiflung, quälendem Schmerz. Unweigerlich tickt die Uhr ihrem Schicksal entgegen …

Kritik

Mit Memento Mori gibt der junge belgische Regisseur Michaël Vermaercke, der zuvor drei Kurzfilme drehte, sein Spielfilmdebüt. Seine Einflüsse sind spürbar: der optische Stil von Nicolas Winding Refn, vor allem der surrealistische The Neon Demon, dabei könnte man auch über David Lynch (Twin Peaks, Mulholland Drive) spekulieren. Die Party-Szenen sind bruchstückhaft, Musikclip-artig, teilweise verschachtelt. Besonders prägend sind die hypnotische Musik und die teilweise grelle, teilweise düstere, häufig rötliche Farbgebung. Der Film besitzt zudem eine ausgeprägt surrealistische Note, die gut durch den psychischen Zustand der Protagonistin zu erklären ist. Das sind Stärken des Films. Auch wenn Vermaercke nicht die Qualität von Refns oder gar Lynchs Filmen erreicht, das inszenatorische Talent kann man ihm aber definitiv nicht absprechen.

Auch Jules (Felix Meyer) ist auf einem düsteren Trip.

Der Film fokussiert sich im Party-Getümmel nicht mehr alleine auf Fleur, sondern widmet sich auch den anderen Charakteren. Hierbei scheint es so, als würde zeitweise die erzählerische Stringenz verloren gehen, zumal die schablonenhaften Nebencharaktere teilweise nicht über den bloßen Anwesenheits-Faktor hinaus kommen. Auch wenn das der mit nur 72 Minuten sehr knapp bemessenen Spielzeit geschuldet sein dürfte, denn ein halbes Dutzend Charaktere vernünftig auszubauen, würde zulasten der Spielzeit gehen.

Die Charaktere und die Problematik wirken jedoch realistisch, weshalb Memento Mori über den gesamten Verlauf interessant und spannend bleibt. Dazu tragen auch die atmosphärische Musikuntermalung, einige gut gesetzte Toneffekte und viele verzerrte Bilder bei, die den veränderten psychischen Zustand der Charaktere beschreiben.

Memento Mori vs. YOLO

Neben Memento Mori hätte auch YOLO sehr gut als Filmtitel gepasst. Das von „You Only Live Once“ abgeleitete Akronym erfreute sich seit Mitte der 2000er großer Beliebtheit im jugendlichen Sprachgebrauch. Es bedeutet, dass man Spaß am Leben haben soll, ohne Rücksicht auf Gefahren, Verbote oder Vernunft. Im Film wird schon im Vorfeld gezeigt, dass die Akteure bereit sind, Gefahren und Risiken einzugehen. Damit steht der gezeigte YOLO-Lifestyle konträr zum Filmtitel Memento Mori. Während YOLO mögliche Konsequenzen des eigenen Handelns in den Hintergrund rücken lässt, mahnt Memento Mori genau diese ein: Gedenke deiner eigenen Sterblichkeit

Fleur (Charlotte De Wulf) und Love-Interest Jules (Felix Meyer)

Im Film schlagen die Konsequenzen schlussendlich jedoch wieder zu. Die Charaktere verlieren zunehmend die Kontrolle, bis Freundschaften und schließlich die Charaktere selbst zerbrechen. Dabei ist häufig nicht eindeutig, was tatsächlich geschieht, was sich im Kopf der Akteure abspielt und was in den vom Koma ausgelösten Träumen von Fleur. Das mag man als Makel ansehen oder einfach als bewussten Schachzug, weil Vermaercke Fleurs Schicksal zeigt, dabei die Grenzen zwischen Traum und Realität aber bis zum Schluss ineinander überfließen.

Fazit

Memento Mori ist ein kurzer, schneller, farbintensiver Trip in die jugendliche Psyche seiner Protagonisten. Dabei verschmelzen Realität und Illusion, Traum und Wirklichkeit. Zwar nicht frei von Schwächen, aber spannend inszeniert.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 3 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Memento Mori © I-On New Media

Stephan Lydike

Horrorfilme sind eines der Genres des Films, den ich in seiner Gesamtheit seit meiner frühesten Kindheit und der ersten Begegnung mit den Kreaturen des Ray Harryhausen fast schon abgöttisch liebe. Im Horrorfilm taucht der Zuschauer nicht nur bis zu den Abgründen der menschlichen Seele, sondern häufig weitaus tiefer.
Stephan Lydike

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