13 britische Horrorfilme aus den 70ern, die ihr gesehen haben solltet

Britische Horrorfilme

8. Captain Kronos (1974)

Die 70er-Jahre des britischen Horrorkinos sind vor allem durch das Ende einiger Studios, vor allem der Hammer Films, geprägt. Captain Kronos gehört neben anderen Titeln in dieser Liste zu den letzten Aufbäumungen des Studios. Kronos hätte sogar der erste Teil einer Filmreihe rund um den Ex-Soldaten und Vampirjäger werden sollen. Die Fortsetzungen fielen schlussendlich jedoch den finanziellen Schwierigkeiten des Studios zum Opfer.

Captain Kronos und sein Begleiter Professor Hieronymus Grost werden von Kronos altem Armeefreund zu Hilfe gerufen. Mysteriöse Vorfälle haben das Dorf heimgesucht. In dem Dorf altern junge Frauen in rasender Geschwindigkeit und versterben nach kurzer Zeit. Kronos und seinem Begleiter ist sofort klar, dass es sich um eine besondere Art von Vampirismus handeln muss, denn es gibt nicht nur blutsaugende Exemplare.

Was Captain Kronos zu einem derart außergewöhnlichen Vertreter seines Genres macht, ist sein wilder Ritt durch diverse Genres. Fernab von Graf Dracula und Karnstein präsentiert uns Drehbuchautor und Regisseur Brian Clemens (der u.a. die Hammer-Filme Dr. Jekyll und Schwester Hyde und Tödliche Ferien schrieb) eine äußerst unterhaltsame und knallbunte Mischung aus Krimi, Mantel-und-Degen-Film und Vampirhorror.

7. Theater des Grauens (1973)

Von den wichtigsten Theater-Kritikern verschmäht und verspottet, sieht sich der Shakespeare-Mime Edward Lionheart (Vincent Price, Die Verfluchten) von diesen auch noch des bedeutendsten Schauspieler-Preises beraubt. In einem Anflug der Frustration versucht er, sich das Leben zu nehmen, doch eine Bande obdachloser Alkoholiker rettet ihn. Zwei Jahre später tritt Lionheart mit ihrer und der Unterstützung seiner Tochter (Diana Rigg, Mit Schirm, Charme und Melone) seinen eigenen Rachefeldzug gegen die Kritiker an. Frei nach dem Motto „Worte können töten“, nimmt er die Sterbeszenen aus Shakespeares Werken als Vorlage seiner tödlichen Rache.

Die Rolle Edward Lionheart gilt als eine der besten in Vincent Prices Œuvre. Auf jeden Fall ist sie eine seiner persönlichsten, das geht vom (gelegentlichen und auch hier gezeigten) Overacting hin bis zu seiner Leidenschaft als Koch, die auch in dem Film… eine gewisse Verwendung findet. Unterstützt wird Price neben der bezaubernden (obgleich hier leicht irren) Diana Rigg von einer Garde gestandener Charakterdarsteller, u.a. Ian Hendry (Ekel), Robert Morley (African Queen), Harry Andrews (Ein Haufen toller Hunde), Jack Hawkins (Lawrence von Arabien). Ihnen und ihren Charakteren wird genug Zeit eingeräumt, um sich zu profilieren. Die mit reichlich schwarzem Humor untersetzte und teilweise wunderbar geschmacklose Geschichte wurde von Douglas Hickox (Zulu Dawn) kompetent umgesetzt und ist auch aus technischer Hinsicht gelungen. Ein Highlight des Horrorfilms.

6. Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)

1921: Der Theologe und Organist Dr. Anton Phibes (Vincent Price, Theater des Grauens) erfährt, dass seine Frau unter der Leitung von Dr. Vesalius (Joseph Cotten, Citizen Kane) notoperiert wird. Phibes Frau verstirbt während der Operation und er verunglückt, wird für tot gehalten. Doch er hat den Unfall schwer entstellt überlebt und sinnt nun auf Rache. 1925: Der Moment der Rache ist gekommen. Der medizinische Stab, der an der Operation beteiligt war, fällt einer nach dem anderen bizarren Morden zum Opfer, die an die zehn biblischen Plagen angelehnt sind.

Der seiner Sprache beraubte Dr. Phibes zählt zu den besten und kultigsten Rollen von Vincent Price. Sein bewusstes Overacting steht im Kontrast zu dem zurückgenommenen Spiel von Joseph Cotten, passt aber hervorragend zum Film. Dieser wirkt wie ein verfilmter, knallbunter Horror-Comic-Strip, der sich der Absurdität seiner Story, seiner Künstlichkeit und realitätsfremden Logik bewusst ist und damit ein schwarzhumoriges Spiel treibt. Der Film ist eine Co-Produktion von Vincent Prices amerikanischen Stamm-Studio AIP (Die Verfluchten) und dem britischen Amicus (Die Todeskarten des Dr. Schreck), die beide ihre Stärken in den Film mit einbrachten. Virginia North (Heisse Katzen) als Phibes schweigsame Assistentin ist reines Eyecandy, die Ausstattung und die Kameraführung überzeugen. In den Nebenrollen tummeln sich einige britische Charakterdarsteller, von denen Peter Jeffrey (If…) als etwas ratlos wirkender Inspektor Trout in der Fortsetzung Die Rückkehr des Dr. Phibes erneut mitspielen sollte. Ein etwas eigener Kult-Film, ein Highlight des britischen Horror-Kinos der 1970er.

5. Der Schrecken der Medusa (1978)

John Morlar ist Anwalt und Autor – und liegt mit eingeschlagenem Schädel in seiner Wohnung. Der französische Austauschpolizist Brunel wird mit dem Fall beauftragt, dringt immer tiefer mit Hilfe von Morlars Psychiaterin Dr. Zonfeld in das Leben des Attentatopfers ein und entdeckt ein furchtbares Geheimnis.

Jack Gold inszenierte den übernatürlichen Thriller mit einem internationalen Staraufgebot: Neben Lino Ventura und Lee Remick konnte kein geringerer als Richard Burton für die Hauptrolle John Morlar engagiert werden. Die Handlung wandelt sich vom typischen Krimi zu einem düsteren Endzeitszenario. Morlars Leben wird geschickt nacherzählt – mit fortlaufenden Lebensalter des Protagonisten (oder Antagonisten?) und seiner steigenden Misanthropie verschlimmern sich auch seine „Taten“. Die Auflösung des Kriminalfalls ist eher banal und interessiert zum Schluss auch nicht mehr wirklich, denn Morlars wahre Natur stellt alles in den Schatten. Auch nach 40 Jahren kann die Geschichte wahrhaftig noch fesseln, da die großen, spektakulären Effekte eigentlich ausbleiben und einfach nur die Geschichte höchst effektiv erzählt wird.

4. Die Teufel (1971)

Die Teufel spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts und folgt dem Priester Urbain Grandier (Oliver Reed), der sich als einer der Letzten gegen die korrupte Herrschaft des Kardinal Richelieu stellt und versucht Loudun vor dessen Machenschaften zu schützen. Jedoch ist schon die Inquisition auf dem Weg nach Loudun, denn Grandier wurde der Hexerei bezichtigt.

Ken Russells blasphemischer Höllenritt basierend auf dem Roman „Die Teufel von Loudun“ von Aldous Huxley zeichnet ein von Verfall und Verderben gekennzeichnetes Sittenbild der kirchlichen Gesellschaft in der frühen Neuzeit. Angesiedelt irgendwo zwischen politischer Allegorie, Nunsploitation und theaterhaftem Historienfilm zaubert Russell ein Meisterwerk auf Zelluloid, das in seiner Radikalität seinesgleichen sucht und dementsprechend eine lange Zensurgeschichte hinter sich hat. Die Teufel ist auch nach wie vor nicht vollkommen ungeschnitten zu erhalten, da sich Rechteinhaber Warner hier komplett querlegt. Wer den Film in seiner ursprünglichen Form sehen will, ist leider gezwungen auf unlizensierte Fan-Edits zurückzugreifen – zumindest wenn ihr sehen wollt wie Nonnen sich in einer Orgie an einer Jesus-Statue vergehen.

Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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