13 britische Horrorfilme aus den 70ern, die ihr gesehen haben solltet

Britische Horrorfilme

Heute wollen wir uns dem britischen Horrorfilm zuwenden. Da dies jedoch den Rahmen einer Topliste sprengen würde, haben wir uns entschieden uns speziell die 70er genauer anzusehen. Hier sind unsere 13 Favoriten.

Die Vielzahl an US-amerikanisch-britischen Koproduktionen macht es oft schwer eine Zuordnung zu dem einen oder anderen Produktionsland zu machen. Für diese Liste haben wir uns entschieden, dass wir uns bei solchen Koproduktionen danach richten, ob der Regisseur oder der Großteil von Cast und Crew britisch sind.
Damit genug gelabert und viel Spaß in den 70ern auf der Insel!


13. Dr. Jekyll und Schwester Hyde (1971)

Mit Dr. Jekyll and Sister Hyde machte sich das britische Horror-Studio Hammer Film Productions schon an deren dritte Adaption der 1886 veröffentlichten Novelle von Robert Louis Stevenson. Nur gaben sich Drehbuchautor Brian Clemens (Captain Kronos) und Regisseur Roy Ward Baker (Gruft der Vampire) nicht mit der üblichen Geschichte zufrieden, sondern änderten das Geschlecht von Hyde und verknüpften die Geschichte zudem noch mit Jack the Ripper sowie Burke & Hare

Dies mag vielleicht nach einer kruden Mischung klingen, funktioniert aber ausgezeichnet und haucht dem schon vielfach umgesetzten Stoff neues Leben ein. Gerade die Geschichten um Jack the Ripper und Burke & Hare werden sehr geschickt mit dem Stoff von Stevenson verwoben. Ralph Bates (Frankensteins Schrecken) und Martine Beswick (James Bond 007 – Feuerball) machen dabei einen guten Job als Jekyll und Hyde. Roy Ward Baker zeigt ein düsteres, aber dennoch großartig und farbenfroh ausgeleuchtetes London, welches zeitweise an das italienische Horrorkino der 60er und 70er erinnert. Definitiv eines der Highlights aus der Spätphase der Hammer Studios und eine erfrischend neue Variante eines bekannten Stoffes.

12. Gruft der Vampire (1970)

Die junge Marcilla (Ingrid Pitt, The Wicker Man) kommt in die Obhut des General Spielsdorf (Peter Cushing, Frankensteins Fluch). Sie befreundet sich mit der Tochter des Generals, welche wenig später erkrankt und an Blutarmut verstirbt; Marcilla aber verschwindet spurlos. Wenig später nimmt der wohlhabende Mr. Morton Carmilla (ebenfalls Ingrid Pitt) in seiner Residenz auf, nachdem diese einen Unfall erlitt. Die junge Frau befreundet sich mit der gerade volljährig gewordenen Nichte Laura und deren französischer Gouvernante. Was die Mortons nicht ahnen: Ihr Gast ist Mircalla aus dem gefürchteten Geschlecht der Karnsteins, einer Familie von Vampiren. Und Marcillas Ziel sind junge Frauen.

Nach der Vorlage „Carmilla“ von Joseph Sheridan LeFanu drehte Roy Ward Baker (Asylum) einen der besten Hammer-Film der 1970er. Ingrid Pitt interpretiert die Rolle der ikonischen (lesbischen) Vampirin hervorragend. Sie überstrahlt nicht nur die durchaus prominente Nebenbesetzung (neben Peter Cushing u.a. Jon Finch, Frenzy, und Ferdy Mayne, Tanz der Vampire), sie setzte mit ihrer Darstellung Maßstäbe. So wie man es von Hammer gewohnt ist, sind auch die Kostüme und Ausstattung, ebenso wie die Kameraführung und der Soundtrack auf einem hohen Niveau. Das Drehbuch hat zwar ein paar Schwächen, die jedoch durch die genannten Faktoren und eine wunderbare Atmosphäre mehr als wettgemacht werden.

11. Geschichten aus der Gruft (1972)

Fünf Fremde finden bei einer Führung durch alte Katakomben einen geheimen Raum. Dort treffen sie auf einen mysteriösen Mann, der ihnen Geschichten erzählt, in denen sie die Hauptrollen spielen.
Joanne („Denver Clan“-Biest Joan Collins) ermordet am Weihnachtsabend ihren Mann. Kurz darauf wird sie von einem aus der Psychiatrie ausgebrochenen Mörder belagert.
Carl verlässt heimlich seine Familie, um mit seiner Geliebten zusammenzuleben. Wenig später erlebt er einen Autounfall mit erschreckenden Konsequenzen.
Die Elliotts verachten ihren Nachbarn (Peter Cushing, Frankensteins Fluch) der von den Nachbarkindern verehrt wird. Um ihn zu vertreiben, starten sie eine Hetzkampagne, die verheerende Folgen nach sich zieht.
Die Frau eines Geschäftemachers kauft eine Statue, die drei Wünsche erfüllen soll. Da sie kurz vor dem Bankrott stehen, lautet der erste Wunsch Geld. William W. Jacobs „Die Affenpfote“ stand hier Pate.
Major Rogers ist der neue Verwalter eines Blindenheimes. Während er im Luxus lebt, streicht er rigoros alle Ausgaben für die Blinden. Als einer der Blinden stirbt, nehmen diese grausame Rache.

Mit Ausnahme der vierten Episode basieren alle auf den Comics „Tales from the Crypt“ und „The Vault of Horror“ von EC. Highlights sind die dritte Episode, in der Hammer-Horror-Legende Peter Cushing brilliert, und die fünfte, die ein spannendes Charakter-Duell bietet. Patrick Magee, der den Anführer der Blinden spielt, trat u.a. auch in Asylum auf. Ohnehin versammelten sich, wie es für das Produktionsstudio Amicus typisch ist, einige renommierte britische Charakterdarsteller vor der Kamera. Ebenso souverän, wie diese spielen, ist die Regie von Freddie Francis (Draculas Rückkehr). Sorgfältig ausgestattet, gespielt und inszeniert, dazu mit einer dichten Atmosphäre, ist Geschichten aus der Gruft einer der Höhepunkte des britischen Horrorfilms der 1970er.

10. Mord nach Art des Hauses (1970)

Mumsy, Nanny, Sonny und Girly, so der Originaltitel, ist ein Film, wie ihn wohl nur die experimentierfreudigen 70er zur Welt bringen konnten. Der Film war ein Herzensprojekt von Freddie Francis, der einmal die völlige Kontrolle über einen Filmdreh haben wollte. Francis war unter anderem für die Kamera in Schloß des Schreckens und Der Elefantenmensch zuständig und saß auf dem Regiestuhl für Die Todeskarten des Dr. Schreck und Geschichten aus der Gruft. Dabei handelte es sich jedoch um Auftragsarbeiten von großen Horrorstudios wie Amicus oder Hammer, in Mord nach Art des Hauseskonnte er sich voll entfalten – und das tat er.

Der Film dreht sich um vier degenerierte Personen, die ausschließlich in Kindersprache mit einander kommunizieren und sich deswegen auch nur mit Mumsy (Ursula Howells, Die Todeskarten des Dr. Schreck), Nanny, Sonny und Girly (bezaubernd: Vanessa Howard) ansprechen. Alles im Leben der ProtagonistInnen dreht sich um „Das Spiel“. Für dieses Spiel suchen sie sich immer wieder neue Freunde, die auch schnell mal zu den Engeln geschickt werden, wenn sie nicht mehr mitspielen wollen.

Mumsy, Nanny, Sonny und Girly ist eine komplett überdrehte, mit schwarzem Humor vollgepumpte Horror-Groteske. Dem Film kommt Francis‘ Erfahrung sichtlich zugute. Er weiß, wie er das wundervolle Setting eines alten Herrenhauses perfekt in Szene setzen kann. Ein kleines Juwel des britischen Horrors der 1970er.

9. Asylum (1972)

Die britische Filmschmiede Amicus war so etwas wie die Konkurrenz zu den legendären Hammer Studios und konnte neben einigen Doctor-Who-Verfilmungen auch mit schaurig-schönen Horroranthologien aufwarten. Eine der besonders sehenswerten ist Asylum.

Hier kommt ein junger Psychiater in eine Irrenanstalt und erfährt von einem Wärter die schicksalhaften Geschichten der einzelnen Insassen. Herbert Lom (Dead Zone), Britt Ekland (The Wicker Man), Patrick Magee (Uhrwerk Orange) und Dauergast in Amicusfilmen Peter Cushing sind unter anderem die Darsteller dieses durch und durch gelungenen Episodenfilms. Dabei geht es unter anderem um wieder zu Leben erwachte zerstückelte Leichen, Killerroboter und Psychopathen. Insgesamt konnte Regisseur Roy Ward Baker, der auch für Hammer drehte nach der Vorlage von Robert Bloch (Psycho) einen atmosphärisch dichten Gruselstreifen erschaffen, der auch aufgrund der tollen schauspielerischen Leistungen in eine ordentliche Filmsammlung gehört.

Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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