Interview mit Laurie Holden (u.a. Silent Hill, The Walking Dead)

Interview mit Laurie Holden

Laurie Holden, die viele bereits aus Filmen wie Silent Hill, Der Nebel oder aber der Erfolgsserie The Walking Dead kennen, stand auch in Pierrot Le Fous neuster Veröffentlichung Pyewacket vor der Kamera. Wir hatten die Ehre ein Interview mit ihr zu führen. Wir sprachen über ihre erfolgreiche Karriere, The Walking Dead, Lieblingsfilme und natürlich Pyewacket. Viel Spaß!

Liebe Laurie Holden, wir freuen uns sehr, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst.

Du hast vor der Kamera fürs Kino und TV, aber auch fürs Theater, z.B. in Stücken von Shakespeare und Tennessee Williams, gespielt. Was bevorzugst du – Bühne oder Leinwand? Was empfindest du als herausfordernder?

Die Bühne ist viel herausfordernder, da alles LIVE vor einem Publikum passiert. Wenn du bei einem Theaterstück dabei bist, stehst du fast jeden Abend auf der Bühne mit zusätzlichen Vorstellungen tagsüber… es ist viel fordernder auf so vielen Ebenen. Davon abgesehen liebe ich es, auf der Bühne zu stehen… das beste Material findet sich oft in Theaterstücken. Allerdings leben wir im Moment im goldenen Zeitalter der Serien, daher kann man sich in ALLEN kreativen Medien selbst verwirklichen.

Von allen Charakteren, die du bisher dargestellt hast, gibt es eine Lieblingsrolle? Wenn ja, welche?

Das kann ich wirklich nicht beantworten, da ich so viele Rollen aus unterschiedlichsten Gründen liebe. Aber meine Rolle kürzlich in Pyewacket ist auf jeden Fall eine meiner Favoriten.

Mit welchen bekannten KollegInnen hast du bisher besonders gern zusammengearbeitet?

Ich liebte die Zusammenarbeit mit so vielen, aber spontan würde ich sagen: Vanessa Redgrave und Mel Gibson.

Mit welchem Regisseur hast du am liebsten zusammengearbeitet?

Da ich gerade Pyewacket promote, sage ich mal Adam MacDonald!

Laurie Holden als Andrea in The Walking Dead | © Gene Page/AMC

Deine erste Rolle war in der starbesetzten Miniserie „Die Mars-Chroniken“ von 1980, in der du an der Seite von Schauspiellegenden wie Rock Hudson, Roddy McDowall, Maria Schell und Bernadette Peters sowie deinem Stiefbruder Michael Anderson Jr. gespielt hast. An was erinnerst du dich noch von den Dreharbeiten?

Ich erinnere mich daran, Malta geliebt zu haben und sehr beeindruckt von Rock Hudson gewesen zu sein. Er war so hinreißend und gebildet, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Ich erinnere mich auch daran, traumatisiert worden zu sein als Kind; tägliches Mobbing, weil ich mein Haar schwarz gefärbt hatte.

Du wirst zitiert, „ein bisschen ein Angsthase“ zu sein. Macht es dir Spaß, die Horror-Produktionen, in denen du mitspielst wie „The Walking Dead„, „Der Nebel„, „Silent Hill“ und kürzlich „Pyewacket„, selbst anzuschauen?

Normalerweise warte ich lange, bevor ich mir Filme anschaue, in denen ich mitgespielt habe. Ich mag es, etwas Distanz zu haben, sodass ich sie genießen kann, ohne befangen zu sein. Das betrifft alles, was ich je getan habe… unabhängig vom Genre. Ich fürchte mich normalerweise nicht bei Horrorfilmen, in denen ich mitgespielt habe, dafür weiß ich zu viel von dem, was hinter den Kulissen abgelaufen ist.

Magst du grundsätzlich Horrorfilme? Und wenn ja, was sind deine Favoriten?

Ja, tue ich… meine Favoriten sind meistens Klassiker. Ich liebe Shining, Rosemaries Baby, Das Schweigen der Lämmer, 28 Days Later, Get Out, Das Omen… da gibt es einfach so viele!

Einige Jahre sind nun vergangen seit dem Tod deines Charakters Andrea in „The Walking Dead“. Du hast einmal gesagt, dass du dich, was deinen Charakter betrifft, zu einer beschützenden Haltung verpflichtet und dich mit ihr wirklich verbunden fühlst. Kannst du uns etwas über deine Rolle in TWD erzählen? Was machte sie so besonders?

Ich liebte Andrea. Wir waren auf einer Wellenlänge. Ich war, was sie betraf, sehr beschützerisch, vor allem wenn ein neuer Autor dazu kam, der die Comics nicht gelesen hatte und damit anfing Andrea in eine Richtung zu schreiben, die völlig unlogisch war.

Verfolgst du die Sendung noch? Viele Fans kritisieren den vermeintlichen Qualitätsverlust der Serie, den sie für die sinkenden Quoten verantwortlich machen. Wie, glaubst du hat sich die Qualität über die Jahre verändert?

Ich verfolge die Serie nicht… aber das habe ich nie wirklich getan – nicht einmal als ich mitspielte. Ich mag es nicht, meinen Freunden beim Sterben zuzusehen. Das macht mir wirklich keinen Spaß.

Laurie mit ihrer (verschwommenen) Leinwandtochter Nicole Muñoz in Pyewacket | © Pierrot Le Fou

In „Pyewacket“ spielst du die Mutter von Nicole Muñoz. Die Beziehung zwischen euch wirkt sehr authentisch. Wie hast du das hinbekommen?

Nicole und ich haben viel Zeit vor dem Dreh miteinander verbracht und waren unzertrennlich während der Dreharbeiten. Wir hatten eine sehr natürlich Art, miteinander zu arbeiten, das half uns unsere Performances zu bereichern.

Pyewacket“ ist ein Film über Verlust, Trauer und all die kleinen Kämpfe zwischen Eltern und ihren Kindern. War es für dich einfach, dazu eine Verbindung aufzubauen, vielleicht sogar durch persönliche Erlebnisse?

Ich konnte den Verlust nachvollziehen, da ich auch bereits Menschen verloren habe, die ich liebe. Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn einem das Herz zertrümmert und entzweigerissen wird. Was ich an dem Film liebe ist, dass er so wunderbar bodenständig und natürlich ist. Ich glaube, alle können mit den Kämpfen der Charaktere mitfühlen, und haben schon einmal einen ähnlichen Verlust in ihrem Leben erfahren.

Gegen Ende des Films kommt es zu einigen sehr heftigen Szenen zwischen dir und deiner Leinwand-Tochter. Wie hart war es, das zu drehen?

Ich dachte nicht wirklich darüber nach. Der Film wurde nicht chronologisch gedreht, daher war es eine tägliche Achterbahnfahrt der Gefühle. Wir haben uns einfach der Story ergeben und von da an war es einfach ein freier Fall. Wir haben unserem Regisseur Adam (MacDonald) vertraut und waren offen für alles. Es ist einfach mutig zu sein, wenn du von guten Leuten umgeben bist, die dich unterstützen.

Wie würdest du „Pyewacket“ in maximal fünf Worten beschreiben?

Slowburner, Hexe, Mutter, Isolation, Terror

In deiner jüngsten Rolle in dem Film „Dragged Across Concrete“ spielst du an der Seite von Mel Gibson, Don Johnson, Vince Vaughn, Jennifer Carpenter und Udo Kier. Was kannst du uns über den Film erzählen?

Es ist ein Cop-Drama über zwei Polizisten (Mel Gibson und Vince Vaughn), die in die kriminelle Unterwelt eintauchen, nachdem sie vom Dienst suspendiert wurden. Ich spiele die Rolle von Melanie, der Ehefrau von Mel Gibsons Charakter, die damit kämpft alles zusammenzuhalten, nachdem sie mit MS (Multipler Sklerose) diagnostiziert wurde. Es ist eines der besten Drehbücher, die ich in jemals gelesen habe, das meine ich ernst. Ich glaube, das Publikum wird ihn wirklich lieben.

Was steht bei dir als nächstes auf dem Plan?

Neben Dragged Across Concrete kommt der Animationsfilm Arctic Justic: Thunder Squad mit James Franco und Jeremy Renner.

Vielen Dank für deine Zeit! Wir hoffen, in Zukunft noch viel von dir zu sehen!

Ich danke euch! Kommt vorbei und besucht mich bei der Comic Con in Berlin diesen Herbst… ich werde da sein 🙂

 

Titelbild © Angela George (CC BY-SA 3.0)

Jan Ott

Jan Ott

Als großer Fan des Horror-Kinos, insbesondere der alten Schule, diskutiere ich immer gerne mit meinen Mitmenschen über das, was mir ein Film mitgibt. Ich freue mich darauf, mich mit euch über die unendlichen Weiten des Horror-Genres auszutauschen! 🙂
Jan Ott

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