Son (2021) – Review

In Nick Kavanaghs neustem Horrorfilm Son vermutet eine junge Mutter, dass ihre dunkle Vergangenheit für die mysteriöse Erkrankung ihres Sohnes verantwortlich ist und begibt sich auf die aussichtslose Suche nach Heilung. 

Originaltitel: Son
Land: Irland/Großbritannien/USA
Laufzeit: 98 Minuten
Regie: Ivan Kavanagh
Drehbuch: Ivan Kavanagh
Cast: Andi Matichak, Emile Hirsch, Luke David Blumm u.a.
VÖ: ab 16. September digital und ab 24. September als DVD und Blu-ray erhältlich

Inhalt

Nachdem Laura (Andi Matichak, Halloween 2018) ihre mysteriöse Vergangenheit vor Jahren hinter sich gelassen hat, lebt sie gemeinsam mit ihrem jungen Sohn David (Luke David Blumm) unauffällig in einer kleinen Stadt irgendwo in Kansas. Sie pflegt ein gutes Verhältnis zu ihrer Nachbarin und arbeitet als Lehrerin in der örtlichen Grundschule. Die scheinbar familiäre Idylle wird eines Nachts zerstört, als auf einmal eine Gruppe seltsamer Menschen in Davids Zimmer erscheint und seiner Mutter einen gehörigen Schreck einjagt. Als jedoch die Polizei eintrifft, gibt es keine Anzeichen, die auf ein gewaltsames Eindringen hindeuten, und Detective Paul Taylor (Emile Hirsch, The Autopsy of Jane Doe) kann die junge Mutter vorerst beruhigen. Kurze Zeit später leidet Laura zunehmend unter schrecklichen Albträumen und David zeigt auf einmal schwerwiegende Symptome einer Krankheit, die die behandelnde Ärzteschaft vor ein Rätsel stellt. Laura vermutet die Ursache der Erkrankung in ihrer eigenen Vergangenheit und ist entschlossen, ihren Sohn zu retten. Koste es, was es wolle.

Kritik

Die Bindung zwischen Eltern und Kind hat sich jahrzehntelang als fruchtbarer Boden für Horrorfilme erwiesen, und Regisseur Ivan Kavanagh (The Canal) wandert auf den Spuren beliebter Genregrößen von Rosemaries Baby und Das Omen bis hin zu aktuelleren Glanzstücken wie The Babadook.

In der ersten Hälfte macht Son auch alles richtig, verlässt sich weniger auf billige Jump-Scares und konzentriert sich stattdessen auf einige eklige, aber handgemachte Effekte und beängstigende Bilder. Kameramann Piers McGrail hat sich offensichtlich Zeit genommen, eine Bildsprache für den Film zu entwickeln, und dabei eine düstere Atmosphäre geschaffen. Während die einleitende Sequenz und die Nachtszenen einen leichten Neo-Noir-Look annehmen, führt die Geschichte in bester Road-Movie-Manier schließlich durch einige der trostlosesten Orte des mittleren Westens. Mit zerrissenen amerikanischen Flaggen und schimmelverkrusteten Fassaden der heruntergekommenen Motels vermittelt das klaustrophobische Ödland von Kansas ein Gefühl der Paranoia. Und auch wenn die durchschnittliche Kleinstadt keine revolutionäre Kulisse darstellt, verleiht sie dem Film ein Gefühl bedrohlicher Vertrautheit.

Son

Dennoch ist die intime Beziehung zwischen Mutter und Sohn die Essenz des Films. Dabei trägt Andi Matichaks authentisches Spiel den Film und erschafft damit einen wahrlich hingebungsvollen Charakter, der sich in kleinen Zeichen zeigt, wie wenn Laura ihrem Sohn die Haare hinter die Ohren streicht, aber auch in aufopfernden Kraftakten, wieden schlaffen Körper ihres Sproßes unter größten Anstrengungen zum Auto zu tragen. So passiert es auch schnell, dass das Tempo stottert, wenn die Kamera nicht auf Matichak und Blumm gerichtet ist.

Son

Das alles tröstet jedoch nicht über die schwachen Handlungsstränge und klischeehaften Dialoge der Figuren hinweg. Lauras Vergangenheit ist nicht ausreichend erforscht, und Matichak hat keine Möglichkeit, dies wieder gut zu machen. Dies hinterlässt klaffende Handlungslöcher, die mit ein paar Dialogzeilen hätten beantwortet werden können. Während auch Emile Hirsch eine starke Leistung abliefert, wird seine Rolle als Paul mit einem unbefriedigenden Charakterbogen schmerzlich verschwendet und bekommt nie die Entwicklung, die er eigentlich verdient. Durchweg zurückhaltend und distanziert fehlt es seinem Interesse an Laura sowohl an Substanz als auch an Glaubwürdigkeit. Und auch sonst plätschert Son im Fahrwasser dünner Charakterhülsen, die nur dazu da sind, dürftige Handlungspunkte auf einen langsamen und vertrauten Weg voranzutreiben.

Son

Kavanaghs Drehbuch folgt vertrauten Pfaden und hat eigentlich alle notwendigen Elemente für einen guten Horrorfilm, aber leider scheint er mehr daran interessiert zu sein, Horror-Tropen aus dem Lehrbuch zu liefern, die alle bereits viele Male in deutlichen besseren Produktionen zum Einsatz kommen. Dadurch ist die Handlung nicht nur vorhersehbar, sondern verliert durch unterschiedliche Versatzstücke auch immer mehr den Fokus. Denn eigentlich besteht der Kern des Films aus allzu bekannten und beliebten Motiven wie Mutterschaft, sexueller Traumata und satanistischen Verschwörungen. Hätte sich Kavanagh auf eines dieser Konzepte konzentriert und Stellung genommen, anstatt jedes nur kurz zu berühren, um ein verworrenes Netz flacher Klischees zu weben, könnte sich Son mit Leichtigkeit von seiner Mittelmäßigkeit befreien. So gibt es eine neureligiöse Bewegung in diesem Film, über die das Publikum nichts erfährt. Es wird mit religiöser Ikonographie gespielt, aber die Anhängerschaft der Bewegung bleibt in Stereotypen verhaftet, irgendwo zwischen David Koresh und People´s Temple. So bleibt auch Davids Krankheit ein Mysterium. Stattdessen fühlte ich mich als Zuschauerin so leer wie die Handlung.

Fazit

Gut gemeint, schlecht gemacht. Trotz der anfänglichen Stärken und einer engagierten Besetzung schafft es Son aufgrund des gehaltlosen Drehbuchs und der mittelmäßigen Inszenierung schlussendlich nicht aus der Belanglosigkeit. Und das ist schade, denn Son ist handwerklich gut gemacht, mit einer düsteren Atmosphäre und einer stimmungsvollen Kameraführung. Kavanagh hat mit seiner früheren Arbeit großes Potenzial im Horrorgenre gezeigt, aber Son wird es in seiner Karriere wohl kaum zu mehr als einer Fußnote schaffen.

 

Bewertung

Grauen Rating: 2 von 5
Spannung Rating: 2 von 5
Härte rating3_5
Unterhaltung  Rating: 2 von 5
Anspruch Rating: 2 von 5
Gesamtwertung Rating: 2 von 5

Ab 24.09.2021 im Handel:

Bildquelle: Son © Capelight

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