Todesengel – The Hexecutioners (2015) – Review

The Hexecutioners

In Todesengel wird das Thema Sterbehilfe zum Ausgangspunkt für einen Mix aus klassischer Geistergeschichte und mysteriösem Okkult-Horror: Als die unerfahrene Palliativmedizinerin Malison einen lukrativen Auftrag erhält, ahnt sie nicht, dass der Patient ganz besondere Wünsche für sein Ableben hat. Wird sie sich darauf einlassen?

Originaltitel:
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Regie:
Drehbuch:
Cast:
VÖ:

The Hexecutioners
Kanada
95 Minuten
Jesse Thomas Cook
Tony Burgess
Liv Collins, Sarah Power, Timothy Burd u.a.
19.09.2019

Inhalt

Die junge Malison arbeitet als Palliativmedizinerin und führt im Auftrag einer Firma Sterbehilfe durch. Ihre Vorstellung von einer ehrenhaften und würdevollen Tätigkeit wird jedoch schnell von der Realität eingeholt und schon der erste Auftrag endet in einer Katastrophe. Für den nächsten Job stellt man ihr daher die erfahrene Olivia zur Seite und schickt beide auf ein abgelegenes Anwesen, dessen schwerreichem Besitzer sie beim Sterben assistieren sollen. Doch der Todgeweihte hat einen speziellen Wunsch für sein Ableben: Die beiden Frauen sollen ein mysteriöses Ritual durchführen. Widerwillig lassen Malison und Olivia sich auf die Forderung ein und ahnen nicht, dass sie damit einen bösartigen Todeskult heraufbeschwören, der einst auf dem Grundstück seinen dunklen Machenschaften nachging.

Hintergrund & Kritik

Das Thema Sterbehilfe wird nach wie vor kontrovers diskutiert. In den Beneluxstaaten und der Schweiz gelten liberalere Regelungen, in den meisten europäischen Ländern – auch in Deutschland – steht die aktive Sterbehilfe oder die „geschäftsmäßige Förderung“ der Selbsttötung jedoch unter Strafe. Ethisch-religiöse Überzeugungen, das Recht auf Selbstbestimmung und die Angst vor einer Kommerzialisierung des Todes treffen aufeinander und entfachen eine Debatte, die auf beiden Seiten mit harten moralischen Bandagen geführt wird. Von all diesen spannenden Aspekten, die ein intelligent inszenierter Horrorfilm aufgreifen und die Zuschauenden zur Reflexion anregen könnte, lässt Todesengel sich allerdings nicht irritieren und entscheidet sich stattdessen dafür, das Thema mit wenig Fingerspitzengefühl und viel okkultem Klimbim umzusetzen.

The Hexecutioners

Protagonistin Malison lernen wir kennen, als sie gerade in einem Sumpf aus unbezahlten Rechnungen, moralischen Krisen und notorischer Einsamkeit verzweifelt. Mangels Alternativen hat die junge Frau sich als Palliativmedizinerin anheuern lassen, zum Dank wird sie von ihrem fundamentalistischen Vermieter hinausgeworfen, nachdem der des Nachts noch für das Seelenheil der „Mörderin“ gebetet hatte. Eine Hilfe ist auch ihr neuer Chef nicht, obgleich er aufmunternde Worte für die niedergeschlagene Anfängerin findet: „Entpann‘ dich! Das ist Sterbehilfe. Es ist ja nicht so, als würden wir hier Leben retten oder sowas.“ Zynische Gesellschaftskritik muss man an dieser Stelle dennoch nicht erwarten, dafür bleibt der Chef zu sehr karikaturesker Schurke, der in seiner Schwarzweißzeichnung jeden Disneyfilm beschämt hätte.

The Hexecutioners

Die Sterbehilfe rückt in Todesengel ohnehin schon bald in den Hintergrund und macht Platz für eine okkult angehauchte Geistergeschichte. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein alptraumhaftes Herrenhaus, das wie aus der Zeit gefallen wirkt. In flackerndes Kerzenlicht getaucht, erweckt es den charmanten Gothic Horror vergangener Tage zum Leben und hätte mit seinem riesigen Heckenlabyrinth selbst einen Jack Torrance glücklich gemacht. Unheimlich ist auch der Verwalter des Anwesens, Alice-Cooper-Lookalike Edgar, der sich mit einer bisweilen übertriebenen Performance perfekt ins Ambiente fügt.

Passend zur gediegenen Kulisse versucht sich auch Todesengel-Regisseur Jesse Thomas Cook an subtilem Horror, statt die Zuschauenden mit billigen Jump-Scares aus der Reserve zu locken. Leider hat er abseits von wackeligen Kamerafahrten, schlecht ausgeleuchteten Korridoren und einer geisterhaften Stimme, die Malison penetrant irgendwelche Banalitäten zuflüstert, wenig Ideen, wie man eine unheimliche Atmosphäre kreieren könnte. Die gespenstischen Anhänger des windigen Todeskultes mit Schädelmasken aus dem Halloween-Schlussverkauf auszustatten, muss man da wohl als Verzweiflungstat werten, um wenigstens über die eklatanten Logiklöcher hinwegtäuschen zu können.

The Hexecutioners

Retten könnten das Ganze vielleicht noch die beiden Hauptdarstellerinnen, doch leider bekommen sie wenig Gelegenheit, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Da es mit dem Frauenbild der Filmemacher nicht weit her zu sein scheint, bewegt sich Weiblichkeit in Todesengel zwischen den Polen „graue Maus“ und „trinkfeste Sexbombe“. Nuancen sind ebenso wenig erwünscht wie eine Charakterzeichnung, die über das Tragen von biederen Bubikragen-Kleidern oder tiefausgeschnittenen Blusen hinausgeht. Immerhin hat es noch für eine vollkommen unmotivierte Oben-Ohne-Szene und die Andeutung homoerotischer Bettspiele gereicht, damit waren dann wohl alle Ansprüche an eine weibliche Hauptrolle im einundzwanzigsten Jahrhundert erfüllt.

The Hexecutioners

Fazit

Es gibt Filme, die schaut man und fragt sich hinterher wehmütig, was man alles mit der verlorenen Lebenszeit hätte anfangen können. Todesengel wartet mit einem interessanten Grundplot und ansehnlichen Schauplätzen auf, darüber hinaus leistet Regisseur Jesse Thomas Cook jedoch wenig für die Atmosphäre seines Films. Ein unsagbar langweiliger und vor allem unnötiger Okkult-Schinken, der selbst nicht weiß, was er eigentlich vom Zuschauenden will – so schnell man ihn geschaut hat, ist er auch wieder dem Gedächtnis entschwunden. Zum Glück.

 

Bewertung

GrauenRating: 2 von 5
SpannungRating: 2 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung Rating: 1 von 5
Anspruch Rating: 2 von 5
GesamtwertungRating: 1 von 5

Ab 19.09.2019 im Handel:

 

The HexecutionersThe Hexecutioners

Bildquelle: Todesengel – The Hexecutioners © Tiberius Film

Catherin

Horrorfilme… sind die Suche nach Erfahrungen, die man im echten Leben nicht machen möchte. Sie bilden individuelle wie kollektive Ängste ab, zwingen uns zur Auseinandersetzung mit Verdrängtem und kulturell Unerwünschtem – und werden dennoch zur Quelle eines unheimlichen Vergnügens.
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