7 Horror-Filme von A24, die ihr gesehen haben solltet

A24

3. The Killing of a Sacred Deer (2017)

The Killing of a Sacred Deer ist die packende, pure Ungemütlichkeit, inspiriert von der griechischen Tragödie Iphigenie in Aulis von Euripides. In Szene gesetzt vom griechischen Regisseur Yorgos Lanthimos, der uns schon mit wundervoll schrägen Filmen wie Dogtooth oder The Lobster beschenkt hat.

Der Herzchirurg Dr. Stephen Murphy führt ein ideales Leben: beruflich erfolgreich, seiner Frau eng verbunden, die beiden Kindern wohlerzogen, das Haus tadellos gepflegt. Doch der Tod eines Patienten auf seinem Operationstisch lastet schwer auf ihm. Wie ein Damoklesschwert hängt diese Schuld über ihm und seiner perfekten Welt und entfesselt eine Geschichte rund um Rache, Sühne und die Frage nach Gerechtigkeit.

Lanthimos schafft es durch den Einsatz gestelzter Dialoge, deren emotionslose Intonation von einem atonalen Score begleitet wird, eine nicht greifbare Bedrohung zu erzeugen. Der Regisseur ist durchwegs bemüht das Gesehene leicht zu verfremden, um es dem Publikum so ungemütlich wie nur möglich zu machen – und das funktioniert hervorragend. Die umfassend befremdliche Dramaturgie steigert sich stetig und unaufhaltsam, bis die ZuseherInnen nicht anders können, als sich ein Ende herbei zu wünschen.

The Killing of a Sacred Deer wirkt auf eine kaum greifbare, weil umfassende Art und Weise. Die präzisen Brüche der Sehgewohnheiten bereichern die Story um eine emotionale, fast körperlich spürbare Ebene. Das ist zwar überaus unangenehm aber wohl auch gerade deswegen absolut sehenswert. [Heike]

2. The VVitch (2015)

Wir befinden uns im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts, als eine strenggläubige Familie wegen der exorbitanten Gottesfürchtigkeit des Mannes aus ihrer Siedlung verstoßen wird und von nun an versucht, irgendwo abgeschottet an einem Waldesrand ein autarkes Leben zu führen.
Die neu aufgebaute Existenz besteht jedoch schon bald nur noch aus Gebet und Arbeit und so kommt es unter den Familienmitgliedern zu ernsthaften Spannungen. Die sowieso schon gereizte Atmosphäre droht endgültig zu kippen, als das Baby der Familie plötzlich verschwindet. Als kurz darauf noch das nächste Kind verloren geht, eskaliert die Situation und die Familie verfällt in einen Strudel aus Wahn und Paranoia.

The Witch besticht durch die beklemmende und durchgehend düstere Atmosphäre, mit der Regisseur Robert Eggers die Familie in einen wahren Teufelskreis schickt, der in seiner Intensität und seiner Wucht beinahe beispiellos ist.
So ist es für die Familienmitglieder gar nicht von Relevanz, ob die namensgebende Hexe – falls es sie denn tatsächlich überhaupt geben sollte – eventuell an allen übernatürlich scheinenden Ereignissen die Schuld trägt. Getrieben durch ihren blinden Glauben und ihre Vernarrtheit in das Wort Gottes beginnt die Mutter in ihrer Tochter Thomasin das personifizierte Böse zu sehen: den Teufel höchstpersönlich. Anschuldigungen häufen sich, wie beispielsweise, dass Thomasin einen Pakt mit Luzifer in Gestalt des schwarzen Ziegenbocks geschlossen habe. Wie von einer dunklen Macht getrieben versucht die Mutter, den Rest ihrer Familie ebenfalls gegen ihre älteste Tochter zu verschwören. Obwohl diese stetig versucht, gegen die Behauptungen und den (göttlichen) Glauben ihrer Eltern anzukommen, steigert sich die Spannung in einer absolut nervenzerrenden Spirale bis zu einem Punkt, an dem die gesamte Situation nur brutal eskalieren kann.

Konsequent als totaler Zerfall einer Familie erzählt, entfaltet sich der Horror allerdings nicht über Jumpscares oder besonders blutige Momente, sondern durch den religionsgetriebenen Wahn, der die Familie von innen heraus zerfrisst. Letzten Endes ist es nämlich egal, von wem die treibende böse Kraft kommt. Ob Gott oder der Teufel, Mutter oder Tochter – fernab jeglicher Zivilisation und abgeschottet am Waldesrand wird irgendeine zerstörerische Macht alles und jeden von ihnen zersetzen. [Robert]

1. Hereditary (2018)

Das beschauliche Leben von Steve und Annie Graham und ihren Kindern Peter und Charlie ist jäh zu Ende, als die Mutter von Annie verstirbt. Plötzlich geschehen mysteriöse und unbeschreibliche Dinge. Die Familie sieht sich mit der morbiden und düsteren Vergangenheit von Annies Mutter konfrontiert, denn Familie Grahams Ahnen haben ein furchtbares Vermächtnis hinterlassen.

Ari Asters (Midsommar) Langfilm-Debüt gelingt etwas, was für mich seit Jahren nur wenigen Horrorfilmen gelungen ist: Er ist wirklich gruselig.
Hereditary glänzt durch seine Kameraarbeit, die den niederschmetternden Horror nur andeutet. Sie spielt mit den ZuschauerInnen, um sich dann in einer fesselnden Totale zu entladen. Unterstützt wird die unheimliche Atmosphäre durch das Sounddesign, bei dem man Knarzen und jedes dämonische Geräusch verstärkt vernimmt, sowie dem herausragenden Schauspiel von Toni Collette, die hier eine der besten Leistungen ihrer Karriere abliefert.

Alles vereint sich zu einem dämonischen Schlag in die Magengrube. Der Film verschlingt den Zuschauer auf so unangenehme Weise, dass man durchaus von einer hypnotischen Wirkung sprechen kann. Wer also auf ein intensives Erlebnis ohne Jumpscares Lust hat, ist hier goldrichtig. Das Horrordrama rund um den Niedergang der Grahams ist schon jetzt ein moderner Klassiker. [Mathias]


Das war es auch schon von uns. Seid ihr zufrieden mit unserer Liste zu A24? Was muss raus und wie würde eure Liste aussehen?

DarkForest

2 Kommentare

  • Schöne Liste . Bei “ Killing of Sacred Deer“ meinen Sie aber wohl selbstverständlich -Iphigenie auf Tauris-, nicht wahr. 🙂
    Eine Iphigenie in Aulis(?) ist mir zumindest, dem lieben Euripides und wohl auch dem Regissseur noch nicht untergekommen.

    • Florian Halbeisen

      Lieber Peter,

      vielen Dank für die Blumen.
      Ich hoffe sehr, dass dem lieben Euripides dieses Werk untergekommen ist, denn er hat es schließlich geschrieben 🙂
      Euripides hat „Iphigenie in Aulis“ und „Iphigenie bei den Taurern“ (oder wie Goethe es später wiedergab „Iphigenie auf Tauris“) geschrieben. „Aulis“ handelt von Agamemnons Reise nach Troja. Bei einem Zwischenstopp in Aulis bewirkt Artemis eine Windstille, die sie erst aufheben wird, wenn Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfert. Nach einigem hin und her kommt es zu der Opferung, wobei Artemis im letzten Moment Iphigenie entrückt und anstatt eine Hirschkuh geopfert wird. Auf dieses Werk bezieht sich auch Lanthimos, wie er ausdrücklich sagt.
      „Iphigenie bei den Taurern“ setzt rund 20 Jahre nach der Rettung durch Artemis an. Iphigenie wurde von Artemis zur Priesterin im Artemis-Tempel bei den Taurern gemacht, wo sie fleißig Fremde, die hier anlegen der Göttin opfert. Iphigenies Bruder Orest und dessen Freund Pylades machen sich nach einigen familiären Intrigen, die mit dem Tod der Eltern geendet haben, auf ins Land der Taurern, um dort auf Apollons Geheiß eine Statue der Artemis zu rauben. Orest und Pylades werden jedoch gefangen genommen und sollen von Iphigenie geopfert werden. Schlussendlich erkennen sich die Geschwister allerdings und ihnen gelingt die Flucht.

      Liebe Grüße
      Flo

...und was meinst du?