Platz 124 bis 120 der besten Horrorfilme aller Zeiten!

Die besten Horrorfilme

Unsere nächsten fünf Plätze der besten Horrorfilme aller Zeiten bieten wieder eine bunte Mischung dessen, was das Genre zu bieten hat: von Gothic-Horror bis Universal-Horror. Von Serienkillern über Vampire bis hin zu Nekrophilen: hier ist Horror zuhause.

Platz 124: May (2002)

Im Mittelpunkt von May steht die namensgebende Hauptfigur (Angela Bettis, Carrie, 2002), die schon in ihrer Kindheit Probleme hatte, Freunde zu finden. „Wenn du keinen Freund findest, dann mach dir einen.“ Mit diesen Worten bekam sie von ihrer Mutter eine überaus gruselige Puppe geschenkt, die von nun an ihr bester Freund sein sollte, wie es schon bei ihrer Mutter der Fall gewesen war.
Jahre später arbeitet die inzwischen erwachsene May zwar als Tierarzt-Assistentin, was ihr Spaß macht, aber der Kontakt zu Menschen fällt ihr nach wie vor schwer. Von nun an folgen wir Mays Suche nach einem Freund und menschlicher Nähe – woran sie schlussendlich zerbrechen wird.

Eine der größten Stärken des Films ist seine ganz besondere Herangehensweise an die Thematik. May ist zwar im Grunde ein Horrorfilm, verhält sich aber nicht wie einer. Zu Beginn ist der Film gespickt mit witzigen Szenen rund um Mays morbide Spleens und ihren Schwierigkeiten, sich in der Welt zurechtzufinden. Doch je weiter sich die Geschichte entfaltet, desto düsterer wird die Stimmung. Im Kern ist May eine Charakterstudie und steht und fällt mit der Hauptdarstellerin. Angela Bettis meistert diese herausfordernde Aufgabe bravourös. Dieses blutrünstige Psychogramm funktioniert vor allem deshalb so gut, weil Lucky McKee den Film konsequent aus Mays Sicht erzählt und seiner Protagonistin bis zum wahnsinnigen Ende die Stange hält. Mit der Charakterzeichnung gelingt McKee ein sehr einfühlsames Portrait eines „Monsters“. Hier dienen die gezeigten Verbrechen nie der reinen Unterhaltung, sondern sind Mittel das Wesen der Protagonistin zu ergründen. Eine Qualität, die leider viel zu viele Horrorfilme vermissen lassen.

Nach einer schmerzhaften und traurigen Reise sind wir gemeinsam mit May am Ziel angekommen. Selbst die letzte Einstellung, die in anderen Filmen vielleicht als kitschig belächelt werden würde, trifft hier emotional noch einmal ins Schwarze, weil wir Mays Reise verstehen und mit ihr mitfühlen können. Ein absoluter Ausnahmefilm, den sich kein Horrorfan entgehen lassen sollte. [Florian Halbeisen]

Platz 123: Nekromantik (1987)

Rob (Daktari Lorenz) und seine Freundin Betty (Beatrice Manowski) sind fasziniert vom Tod – und von den Toten. Als er von seiner Arbeit als Tatortreiniger eines Tages einen verwesten, aber halbwegs intakten männlichen Körper mitbringt, ist das der Beginn einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung zu Dritt. Doch die endet schlagartig, als Rob seine Anstellung verliert und Betty ihn mitsamt der Leiche verlässt. Frustriert versucht er, sich auf anderem Wege Erregung zu verschaffen, bis er schließlich nur noch einen Ausweg sieht.

Als No-Budget-Film, gedreht im grobkörnigen Super-8-Format und ausschließlich mit Laiendarstellern aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, halten die einen Nekromantik für lupenreinen Horror-Trash, während Jörg Buttgereit von anderen als „subversiver Romantiker“ gefeiert wird. Tatsächlich wagte der deutsche Horror-Pionier sich mit seinem Spielfilmdebüt auf hochexplosives Terrain, wie die Beschlagnahmung von Nekromantik 2 wenige Jahre später zeigte. Nicht nur der Bruch mit einem Tabuthema, sondern auch dessen unkonventionelle Inszenierung trugen zum legendären Ruf des Films bei: Eine Ménage-à-trois mit einer Leiche steht im Mittelpunkt der Handlung, die der Film ganz selbstverständlich als erfüllte Liebesbeziehung inszeniert. Damit überlässt er das moralische Urteil dem Zuschauer, der sich fragen muss, ob er in Rob ausschließlich den Täter oder auch das bemitleidenswerte Produkt einer Gesellschaft sieht, die Nekromantik in ihrer ganzen Pervertiertheit offenlegt.

Nekromantik ist ein Grenzgänger zwischen Kunst- und Horrorfilm, der die Erwartungen beider Zielgruppen gleichermaßen unterwandert: Der experimentelle Charakter des Films trifft auf die Lust an der Sensation, die teils exploitative Darstellung von Sex und Gewalt. Es geht Buttgereit nicht um die Reproduktion von Klischees, Erwartungen und Genre-Konventionen – sein Film passt sich den Sehgewohnheiten des Publikums nicht an, sondern läuft ihnen zuwider. Das Ergebnis ist ein gesellschaftskritischer und überaus künstlerischer Film, der gleichzeitig anrührt, irritiert, unterhält und aus genau diesem Widerspruch seine Stärke bezieht. [Catherin]

Platz 122: Frankensteins Braut (1935)

Frankensteins Braut setzt genau dort an, wo Frankenstein aufgehört hat, und erzählt abermals die Geschichte einer ausgestoßenen Kreatur auf der Suche nach Akzeptanz. Entsprechend der Vorlage von Mary Shelley will die Kreatur in der Fortsetzung jedoch nicht allein bleiben, sondern sehnt sich nach einer Gefährtin.

Die Stärke von Frankensteins Braut liegt darin, dass er dem Geist seines Vorgängers wie auch der Romanvorlage treu bleibt und es dennoch schafft, Frankenstein maßgeblich weiter zu entwickeln. Regisseur James Whale konnte dafür auf einen herausragenden Cast zurückgreifen, bei dem Boris Karloff als Frankensteins Kreatur, Ernest Thesiger als exzentrischer Dr. Pretorius und Elsa Lanchester als Mary Wollstonecraft Shelley sowie Frankensteins Braut noch einmal besonders überzeugen können. Zudem befindet sich Whale bei Frankensteins Braut auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Ganz egal ob Schnitt, Kamera, Soundtrack oder Set-Design, dieses Sequel ist ein nahezu makelloser Horrorfilm und schafft es mitunter sogar seinen Vorgänger zu überflügeln. Ein Meisterwerk unter den frühen Universal-Klassikern, der bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. [Florian Halbeisen]

Platz 121: Schloß des Schreckens (1961)

Miss Giddens, eine Frau im mittlerem Alter, tritt ihre erste Arbeitsstelle als Gouvernante der beiden Kinder Miles und Flora an. Doch deren Verhalten ist seltsam bizarr und schon bald vermutet die Gouvernante, dass die Geschwister unter dem Einfluss von Geistern stehen. Sie versucht daraufhin, das Geheimnis des abgelegene Landsitzen zu ergründen und ihre Schützlinge zu retten.

Regisseur Jack Clayton (Das Böse kommt auf leisen Sohlen) hat mit der zweiten Verfilmung des Romans „Die Drehung der Schraube“ von Henry James ein Meisterwerk des Gothic Horrors geschaffen. Die permanente Bedrohlichkeit des in Schwarz-Weiß gedrehten Filmes, das finstere, verwinkelte Gemäuer und die geisterhaften Stimmen erzeugen eine wunderbar gruselige Stimmung.

Doch die Geschichte hat durchaus einen doppelten Boden, denn die alte Jungfer Miss Giddens ist das erste Mal von zu Hause fort und darum permanent angespannt und nervös. Und auch ihre Beziehung zum sehr charmanten Miles geht weit über das übliche Maß an gouvernantenhafter Fürsorge hinaus. Dies und die ganze Tragik der Geschichte sind in dem Film besonders gut herausgearbeitet, was sicher auch dem weltbekannten Schriftsteller Truman Capote („Kaltblütig“) zu verdanken ist, der am Drehbuch mitschrieb.

Die Schauspieler bringen insgesamt eine hervorragende Leistung, besonders Deborah Kerr (Die schwarze 13) und Martin Stephens (Das Dorf der Verdammten) wissen zu überzeugen.

Die Zeit konnte diesem meisterhaft gedrehten Film nichts anhaben, und so jagt er dem Zuschauer immer noch gekonnt Schauer um Schauer über den Rücken. [Andreas]

Platz 120: Andy Warhol’s Dracula (1974)

Graf Dracula (Udo Kier, Suspiria) steht kurz vor dem Verhungern, denn in Transsilvanien gehen die Jungfrauen zur Neige, deren Blut er zum Überleben braucht. Widerwillig lässt er sich darum auf den Plan seines Dieners Anton ein, stattdessen ins erzkatholische Italien überzusiedeln. Dort befreundet er sich mit dem mittellosen Marchese di Fiori, der schnell bereit ist, eine seiner vier Töchter an den wohlhabenden Aristokraten zu verheiraten. Doch die sind längst nicht so unschuldig, wie der Graf es sich erhofft, denn der potente Stallbursche Mario (Joe Dallesandro, Die Saat des Todes) schwingt mehr als nur kommunistische Parolen. Als der Knecht hinter das Geheimnis des bleichen Gastes kommt, muss Dracula endgültig um sein untotes Leben fürchten. Wird er die wahre Jungfrau finden, bevor ein Pflock in seinem Herzen landet?

Pop-Art-Papst Andy Warhol bewies ein gutes Gespür, als er seinem Mitarbeiter Paul Morrissey den Regiestuhl antrug: Mit Andy Warhol’s Dracula liefert er zweifellos einen der ungewöhnlichsten Beiträge zum Vampir-Genre ab. Sein traditioneller Blutsauger kann in der modernen Welt nicht bestehen, stattdessen wird der vitale Stallknecht Mario zum Verführer der Frauen. Ob das ein Grund zur Freude ist, darf bezweifelt werden, denn der untote Dracula wirkt weitaus menschlicher als sein quicklebendiges Umfeld. Obwohl der Film mit einer gehörigen Portion Sex und Gewalt aufwartet, bleibt er im Kern eine Sozialsatire: Die Familie als moralische Basis – und mit ihr die komplette Gesellschaft – wird demaskiert als korrumpiert durch Selbstsucht und Gier.

Die eigenwillige Dracula-Adaption mit dem exzentrischen Udo Kier als tragischer Vampir und dem 70er-Jahre-Sexsymbol Joe Dallesandro als potenter Widersacher setzt neue Impulse, indem sie sich zugleich innerhalb wie außerhalb des Genres bewegt. Morrissey bedient einige Konventionen, während er andere persifliert – so schlürft sein gescheiterter Verführer in einer besonders demütigenden Szene das Menstruationsblut der Schwestern vom Boden auf. Andy Warhol’s Dracula setzt auf eine Mischung aus klassischem Exploitation-Film und europäischem Avantgarde-Kino und sorgt so für frisches Blut im Vampir-Genre. [Catherin]

 


Was sagt ihr zu unseren Plätzen 124 bis 120? Habt ihr alle Plätze schon gesehen? Ganz nach eurem Geschmack oder fragt ihr euch, was uns bloß geritten hat? Lasst es uns wissen!

Am 31. August erscheinen die Plätze 119 bis 115. Ihr dürft gespannt sein!

Hier geht es zum Überblick über die gesamte bisher veröffentlichte Liste.

DarkForest

Seid gegrüßt,
Ich habe unzählige Namen und erscheine in vielen Gestalten. Hier kennt man mich als Dark Forest und ich bin euer Gastgeber. Ich führe euch durch die verwinkelten Bauten, düsteren Wälder und verfallenen Ruinen. Immer mir nach!
DarkForest

...und was meinst du?