Endzeit (2018) – Review

Endzeit

Der auf einer Graphic Novel basierende Endzeit bringt die Zombieapokalypse nach Deutschland, genauer gesagt nach Jena und Weimar. Wir haben uns angeschaut wie es den Untoten in Thüringen so geht.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
Vorlage:
VÖ:

Endzeit
Deutschland
90 Minuten
Carolina Hellsgård
Olivia Vieweg
Gro Swantje Kohlhof, Maja Lehrer u.a.
Graphic Novel „Endzeit“ von Olivia Vieweg
Ab 22.08.2019 im Kino

Hintergründe & Inhalt

Endzeit basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Olivia Vieweg. Die Jenenserin bringt die Zombieapokalypse dieses Mal in heimische Gefilde, genauer gesagt nach Thüringen. Eine erste, kürzere Version ihrer Zombiegeschichte, die im Zuge ihrer Diplomarbeit entstand, wurde schon im Jahre 2012 veröffentlicht und weckte das Interesse einer Filmproduktionsfirma. Vieweg selbst kümmerte sich auch darum, ihre Graphic Novel für das neue Medium zu adaptieren. Danach wendete sie sich jedoch wieder dem Ursprungsmaterial zu, um dieses neu zu überarbeiten und so erschien im Jahre 2018 eine fast vier Mal so lange Edition von „Endzeit“.

Wie schon die Vorlage dreht sich auch der Film um die zwei thüringischen Städte Jena und Weimar. Rund zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie ist vermutlich fast die gesamte Menschheit infiziert beziehungsweise schon tot. Während man in Jena nach einem Heilmittel forscht, herrscht in Weimar ein strenges Regiment, welches jeden Infizierten sofort tötet. Beide Städte dürfen nicht verlassen werden.
Die 22-jährige Vivi (Gro Swantje Kohlhof, Tore tanzt) hat die Zeit seit dem Ausbruch in einer psychiatrischen Einrichtung in Weimar verbracht. Eines Tages wird sie zum Dienst am Zaun eingeteilt, der die Stadt vor den Infizierten schützt. Dabei kommt es zu einem tragischen Unfall: Eine Arbeiterin wird von einem Infizierten gebissen und entsprechend den strengen Regeln der Staat von der Vorarbeiterin Eva erschossen. Nach einem gescheiterten Suizid-Versuch in dieser Nacht, beschließt Vivi die Stadt durch einen unbemannten Versorgungszug zwischen Weimar und Jena zu verlassen. Die Flucht glückt und im Zug trifft sie auf Eva (Maja Lehrer, Wald), die bei dem Vorfall selbst infiziert wurde und versucht, in Jena Hilfe zu finden. Doch der Zug bleibt mitten im Nirgendwo stehen und die zwei jungen Frauen müssen sich gemeinsam durch die thüringischen Wälder bis nach Jena kämpfen…

Kritik

Endzeit ist ein besonderer Film und äußerst untypisch für das Zombie-Genre. Es fällt schon einmal positiv auf, dass der Streifen komplett in weiblicher Hand liegt: von der Vorlage und Drehbuchadaption von Vieweg über die Regie von Carolina Hellsgård (Wanja) bis zu Musik, Kamera, Schnitt, Set- und Kostüm-Design. Zudem stehen auch vor der Kamera Frauen im Mittelpunkt der Erzählung, Männer verkommen zu einer Randerscheinung.

Die Erzählung von Endzeit dreht sich ebenfalls voll und ganz um ihre zwei ungleichen Hauptdarstellerinnen. Vor allem für Vivi, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist dies in erster Linie auch eine Emanzipationsgeschichte. Der Film macht von Anbeginn keinen Hehl daraus, dass er sich für seine Zombies nur rudimentär interessiert. Diese dienen allein dazu die Geschichte ins Rollen zu bringen und die Charaktere in eine besondere Ausnahmesituation zu befördern. Die klassischen Zutaten aus vielen Zombiefilmen, wie den ständigen Wechsel von Rennen, Verstecken und Verbarrikadieren, sucht man hier vergeblich. Es gibt im Grunde nur eine größere Massen-Zombie-Szene, die an der beeindruckenden Talsperre Leibis-Lichte gedreht wurde, und selbst diese handelt Hellsgård in rund einer Minute ab. Dafür lässt sich der Film viel Zeit für seine zwei Protagonistinnen.

Vivi und Eva © Leah Striker – Grown Up Films/ZDF

Es ist ein Jammer, dass es Endzeit dennoch nicht gelingen will, seine Figuren mit Leben zu füllen. Hellsgård arbeitet mit regelmäßigen Rückblenden, um Vivi und Eva Tiefe zu verleihen, jedoch bleiben beide Figuren bis zum Schluss blutleer. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass viele Entscheidungen der Charaktere nur schwer nachvollziehbar sind und auch deren Konflikte teilweise aus dem Nichts aufpoppen. Allgemein wirkt der Streifen in seiner Dramaturgie etwas unausgegoren und sprunghaft, wodurch viel an Elan verloren geht.
Wirklich interessant wird der Film als Vivi auf eine Art Waldhexe (Trine Dyrholm) trifft, scheinbar eine Mischung Mensch und Pflanze. An dieser Stelle driftet der Film auch endgültig vom angedeuteten Zombie-Horror in märchenhafte Gefilde ab. Zudem verhandelt er an dieser Stelle auch ökologische Themen und stellt die Beziehung zwischen Mensch und Natur in Frage. Leider widmet sich Endzeit diesem Teil nur kurz, bevor er weiter in Richtung Jena hastet – in meinen Augen eine vertane Chance.

Und auch wenn der Film dramaturgisch mächtig stolpert, so stolpert er zumindest durch ein absolut beeindruckendes und märchenhaftes Setting. Denn was uns inhaltlich erst im Laufe des Films offenbart wird, nimmt die Optik schon von Anbeginn vorweg. In saftigen rot-orange Tönen und einem überaus hohen Kontrast lernen wir Weimar kennen und es wirkt von Anbeginn entrückt-unnatürlich. Kamerafrau Leah Striker fängt hier immer wieder grandiose Bilder ein und weiß mit kreativen Einstellungen zu überzeugen.
Aufgrund des niedrigen Budgets war es dem Team rund um Hellsgård nicht möglich eine riesige postapokalyptische Welt zu erschaffen und so beschränkt sich Endzeit auf kleinere Ausschnitte. Beim mit Solarzellen bedachten Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar oder dem Zug nach Jena kommt nicht nur viel Liebe zum Detail durch, sondern vor allem einiges an Lokalkolorit, was besonders Ortskundige sehr freuen wird. Gerade in den Wäldern spielt dies dann ohnehin keine Rolle mehr und diese sind gerade durch die unnatürliche Beleuchtung und die nach wie vor hohen Kontraste, wunderschön anzuschauen.

Endzeit

© Anke Neugebauer – Grown Up Films/ZDF

Fazit

Unterm Strich ist Endzeit ein ganz besonderes Zombie-Märchen, das zwar nicht mit Zombie-Action oder einer starken Dramaturgie auftrumpfen kann, aber dafür mit seiner Optik voll und ganz überzeugt. Wer die 08/15-Zombies schon lange satt hat und sich dem Charme Thüringens hingeben will, sollte diesem deutschen Genre-Film auf jeden Fall eine Chance geben.

 

Bewertung

GrauenRating: 0 von 5
SpannungRating: 2 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung rating3_5
Anspruch Rating: 2 von 5
GesamtwertungRating: 3 von 5

Bildquelle: Endzeit © Anke Neugebauer – Grown Up Films/ZDF

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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