Die Frau in Schwarz (2012) – Review

The Woman in Black

Eine rachsüchtige Tote, ein einsames Herrenhaus im Marschland und eine mysteriöse Selbstmordserie sind die Zutaten für diese hochkarätige Spukgeschichte: Die Frau in Schwarz ist ein Film, nach dem man sich wieder vor dem Dunkeln fürchtet.

Originaltitel:
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Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Vorlage:
Cast:

The Woman in Black
Großbritannien/Kanada/Schweden
95 Minuten
James Watkins
Jane Goldman
Roman „The Woman in Black“ von Susan Hill
Daniel Radcliffe, Janet McTeer, Ciarán Hinds u.a.

Inhalt

Die Frau in Schwarz basiert auf dem gleichnamigen Schauerroman von Susan Hill, der zwar erst 1983 erschien, aber aufgrund seines Stils vielmehr an die klassischen Gothic Novels des 19. Jahrhunderts erinnert.
Großbritannien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der junge Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe, Horns) ist seit dem Tod seiner Frau, die vier Jahre zuvor im Kindbett starb, in tiefer Trauer versunken. Als letzte Bewährungsprobe erteilt sein Boss (Roger Allam, V wie Vendetta) ihm den Auftrag, in das abgelegene Dorf Crythin Gifford zu reisen und den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow zu regeln. Dort angekommen, tun die Dorfbewohner alles, um den unliebsamen Gast wieder zur Abreise zu bewegen, denn um das Anwesen der Verblichenen ranken sich düstere Legenden. Der Geist einer schwarzgekleideten Frau soll dort umgehen und sobald sie sich zeigt, nimmt sich kurz darauf ein Kind auf grausige Art das Leben. Mit der Hilfe von Samuel Daily (Ciarán Hinds, Elizabeth Harvest), der die Geschichten als Aberglauben abtut, beginnt Kipps seine Arbeit. Doch als die merkwürdigen Vorkommnisse sich häufen und das Dorf von einer Reihe mysteriöser Kindstode heimgesucht wird, stößt er im Eel Marsh House auf ein dunkles Geheimnis und die Geschichte einer Rache, die über den Tod hinausreicht.

Kritik

Nach dem Ende der Harry-Potter-Filme schien es nur schwer vorstellbar, dass Daniel Radcliffe das Image des ewigen Zauberlehrlings noch einmal würde abstreifen können. Doch mit der Figur des verwitweten Familienvaters Arthur Kipps, seiner ersten Hauptrolle nach dem Ende der Hogwarts-Ära, schaffte er genau das. Seit dem Tod seiner Frau ist der junge Anwalt wie gelähmt, scheint selbst wie ein Gespenst unter den Lebenden zu wandeln. Diese Nähe zum Tod ist es, die ihn als Einzigen nicht die Flucht ergreifen lässt, als er nach und nach dem dunklen Geheimnis von Eel Marsh House auf die Spur kommt. Radcliffe bricht hier erfolgreich mit seiner Vergangenheit als Kinderstar und liefert eine respektable Performance ab, die umso beeindruckender ist, als er über weite Strecken ganz allein auf der Leinwand zu sehen ist.

Einen Neuanfang – und zugleich eine Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln – bedeutet der Film auch für die britische Produktionsfirma Hammer. Obwohl das legendäre Unternehmen mit seiner Verknüpfung von Gothic Horror und buntblutigen Effekten die europäische Horrorlandschaft der 50er und 60er Jahre maßgeblich prägte, musste Hammer Ende der 70er Jahre endgültig Konkurs anmelden. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2007 nach zahlreichen Gerüchten wiederbelebt wurde, findet es mit Die Frau in Schwarz zu alter Stärke zurück.

The Woman in Black

Die klassische Spukgeschichte ist eine Hommage an vergangene Zeiten und schwelgt in Gothic Horror – sie ist aber nicht nur Nostalgikern zu empfehlen, sondern auch all jenen, die sich nach langanhaltendem Grusel sehnen. Regisseur James Watkins (Eden Lake, Black Mirror) und Drehbuchautorin Jane Goldman (X-Men) verbinden althergebrachte Motive von Heimsuchung und Rache, aber auch Verlust und Sehnsucht, auf angsteinflößende Weise miteinander.

Dass Die Frau in Schwarz einer der unheimlichsten Filme der letzten Jahre ist, liegt weniger an genretypischen Schockeffekten, als vielmehr an der starken Atmosphäre. Wie Radcliffe in einem Interview erzählte, ließ Watkins sich hier vor allem von Shining inspirieren und setzte auf psychologischen Horror – was nicht heißen soll, es gäbe keine handfesten Geister. Doch die Gefahr lauert meist im Hintergrund, das Übernatürliche wird nur angedeutet. Die Frau in Schwarz spielt mit der menschlichen Urangst vor dem, was in der Dunkelheit lauern könnte. Durch die schwarzweiße Ausleuchtung und die starken Kontraste blickt man angestrengt ins Dunkel, das sich wie ein Vorhang über die Handlung legt. Jeden Moment glaubt man aus dem Augenwinkel einen auffälligen Schatten zu sehen, der sich anschleicht, ständig scheint das unheimliche Herrenhaus selbst zum Leben zu erwachen. Im flackernden Kerzenschein wirken die langen Gänge endlos, hinter den verschlossenen Türen scheinen sich eigentümliche Dinge abzuspielen und das verwitterte Spielzeug, das Kipps im alten Kinderzimmer entdeckt, wäre schon bei Tageslicht besehen nichts für schwache Gemüter.

The Woman in Black

Wie in Shining ist auch bei Watkins das Geisterhaus der eigentliche Protagonist des Films. Das imposante steinerne Gebäude, das verlassen inmitten der öden Marsch steht und nur bei Ebbe zu erreichen ist, hat definitiv das Zeug zur Horrorikone. Die Grundstimmung des Films scheint sich an diesem Ort nochmals zu verdichten. Der verwilderte Garten und das umliegende Marschland wirken trist und farblos, die welke Schönheit des sich selbst überlassenen Hauses wird von den morbiden Rot- und Lilatönen im Inneren widergespiegelt. Das ehemals prunkvolle Anwesen ist zu einem schaurigen Lost Place geworden, erfüllt von der düsteren Präsenz der Frau in Schwarz.

Fazit

Mit Die Frau in Schwarz gelingt Regisseur James Watkins eine Hommage an den klassischen Hammer-Horror, die mit dichter Atmosphäre, stimmungsvollen Drehorten und reichlich viktorianischem Spuk begeistert. Doch der Film ist nicht nur etwas für Nostalgiker, sondern für alle, die statt kurzlebiger Schocks lieber dem gepflegten Grusel frönen.

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: Die Frau in Schwarz © Concorde Filmverleih

Catherin
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