Hellbound – Hellraiser II (1988) – Review

Hellbound - Hellraiser II

Nur ein Jahr nach Hellraiser übernahm Tony Randel die Regie von Hellbound: Hellraiser II. Ausgestattet mit deutlich mehr Mitteln als der Vorgänger, verschlägt es unsere Figuren dieses Mal in die Dimension der Zenobiten: in das Labyrinth des Geistes.

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Cast:

Hellbound: Hellraiser II
Großbritannien/USA
99 Minuten
Tony Randel
Peter Atkins, Clive Barker
Doug Bradley, Ashley Laurence, Clare Higgins u.a.

Die Hauptrollen übernehmen Ashley Laurence (Shocking Fear) als Kirsty, ein weiteres Mal Clare Higgins (The Libertine) als Julia und Doug Bradley, dessen Pinhead im Sequel deutlich mehr Raum und Screentime bekommt. Ein Highlight ist ebenfalls Kenneth Cranham als Dr. Channard, dessen Performance stets zwischen Overacting und solide hin und her schwingt. Glücklicherweise fügt er sich gut in das gesamte Bild des Films ein.

Inhalt

Hellbound: Hellraiser II setzt nach einem kurzen Flashback zu Hellraiser und einer Szene, wie Pinhead zu Pinhead geworden ist,  direkt wieder an Teil eins an. Kirsty wacht in der Psychiatrie auf und ist besessen von dem Gedanken, ihren Vater vor den Zenobiten zu retten, da sie in einer Vision seine Botschaft „Help me I am in hell“ gesehen hat. Währenddessen räumt die Mordkommission Larrys Haus aus Teil Eins aus. Dabei finden sie die von Frank und Julia hingerichteten Opfer in der Abstellkammer. Außerdem wird eine Matratze, die mit merkwürdigen Ketten und einem großen Blutfleck dekoriert ist, sichergestellt. Anstaltsarzt Dr. Channard, welcher sich schon länger mit den Spieluhren und den Zenobiten sowie okkulten Ritualen auseinander setzt, ist fasziniert von den Vorgängen und reißt sich besagte Matratze unter den Nagel. Wenig später bringt er einen unheilbaren Patienten zu sich nach Hause, welcher sich auf dieser Matratze umbringt. Sein Blut lässt Julia zurückkehren, welche einen teuflischen Plan verfolgt. Sie ist Seelensammlerin für Pinhead und verlangt für ihre vollständige Rückkehr weitere Opfer. Channard zwingt inzwischen die traumatisierte Tiffany (Imogen Boorman) die Dimension zu den Zenobiten zu öffnen.

Kritik

Wie oben schon kurz erwähnt, verfügte das Sequel über ungefähr das dreifache Budget (ca. 3 Millionen Dollar) des Vorgängers und dies macht sich gleich zu Beginn schon bemerkbar: Die Sets sind deutlich aufwendiger und es gibt viel mehr Schauplätze als noch in Teil Eins, wo wir Larrys Haus beinahe nie verlassen haben. Doch ist mehr auch gleich besser? Meiner Meinung nach in diesem Fall ja. Zum Beispiel in der Dimension der Zenobiten fühlt sich Hellbound: Hellraiser beinahe an, wie ein aufwendiger Fantasyfilm. Wir dürfen das Labyrinth in voller Pracht bestaunen und auch die einzelnen Szenarien, die uns gezeigt werden, sehen immer fantasievoll und aufwendig designt aus. Jede Figur macht ihre eigene Hölle durch und somit bekommen wir unterschiedlichste Albträume zu Gesicht: z.B. Frank, der sich für den psychischen Missbrauch seiner Affären verantworten muss oder auch Kirsty, die sich in einer Welt wiederfindet, in der Julia den Platz ihrer echten Mutter eingenommen hat. Kern des Films ist für mich ganz klar dieses Labyrinth und die Vorgänge die sich dort abspielen.

Hellbound - Hellraiser II

Julia ist ein gutes Stichwort. Als Figur macht sie eine finale Entwicklung durch. Nachdem sie von der Ehefrau, zur Ehebrecherin und zur unterdrückten, sowie psychisch missbrauchten Seele mutierte, sehen wir sie nun losgelöst von Frank. Sie treibt nun alleine ihr Unwesen. So diabolisch wie wir sie bereits aus Teil eins kennen, steht sie dieses Mal unter dem Bann der Zenobiten, um ihnen weitere Seelen zu beschaffen. Kirsty, als zweite starke weibliche Rolle, wird als Charakter ebenso vertieft. Da wären zum einen ihre zerrüttete Vergangenheit und der Hass gegenüber Julia, ihrer Stiefmutter, und zum anderen muss sie ihren eigenen Weg finden, um zu der Person zu werden, die sie sein möchte.

Zum Make-Up muss ich wieder ein Loblied anstimmen. Wer bereits vom Vorgänger begeistert war, wird hier aus dem Staunen nicht heraus kommen. Die blutigen Effekte sind so detailverliebt, dass man am liebsten jedes Mal die Pausetaste kurz drücken möchte, um das wunderschöne blutige Werk genauestens zu betrachten, wie zum Beispiel bei der monströsen Julia. Man erkennt jede Ader, jede Vene und jeden Muskel – alles wurde detailliert designt. Auch die Leichen sehen ein ganzes Stück besser aus als in Teil eins. Das Gleiche gilt für unsere Lieblings-Zenobiten. Auch wenn sie denen aus Hellraiser ähnlich sind, kommen auch die mir nochmal detailreicher vor. Gerade was die verschiedenen Farbpaletten an der blassen Haut angeht, ist das Make-Up deutlich gelungener.

Auch die blutigen Momente können glänzen. Im letzten Drittel, als Dr. Channard zum Zenobiten wird, darf der geneigte Monsterfan staunen. Seine Moves sind sehr schön in Szene gesetzt, insbesondere was die „Tentakel“ angeht, gibt es viel zu bestaunen. An Splattereffekten wird in Hellbound: Hellraiser nicht mehr gespart. Sei es die ziemlich heftige Szene, als der Irre sich aufschneidet oder eben Channards besagte Transformation zu einem Zenobiten. Es sieht einfach pervers fantastisch aus. Auch die „Hautanzüge“, so nenne ich sie mal, sind auf eine merkwürdige Art absolut überzeugend.

Hellbound - Hellraiser II

Fazit

Hellbound: Hellraiser II legt quasi in allen Punkten eine gute Schippe drauf. Dieses Sequel fühlt sich so an, als sei es genau der Film geworden, den Barker und die Produzenten haben wollten. Ein Albtraum in jeglicher Hinsicht. Der Film besitzt Atmosphäre, genügend blutige Effekte, tolle Masken und einen brillierenden Doug Bradley. Die Figuren entwickeln sich weiter und Hellbound besitzt, mit seinen zwei starken Frauen an der Spitze sowie einem tollen Bösewicht, ein richtig gutes Ensemble. Teil eins und zwei lassen sich am besten zusammen schauen und bilden eine düstere, abgründige Geschichte über den menschlichen Geist, fleischliche Lust und das Verlangen zu herrschen. Diese beiden Filme sind für mich die perfekten Horrorfilme, die auch heute noch uneingeschränkt funktionieren.

Ich möchte hier auch noch mal Barkers Buch „The Hellbound Heart“ empfehlen, es ist nicht minder faszinierend wie die Filme.

 

Bewertung

SpannungRating: 3 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 5 von 5
Ekel Rating: 4 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Hellbound: Hellraiser II © StudioCanal

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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