Hellraiser (1987) – Review

Hellraiser

Hellraiser und dessen Sequel Hellbound: Hellraiser II basieren auf Clive Barkers Geschichte „The Hellbound Heart“. Für die Verfilmung übernahm Barker selber die Verantwortung und adaptierte sein Buch für die große Leinwand.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Hellraiser
Großbritannien
94 Minuten
Clive Barker
Clive Barker
Andrew Robinson, Clare Higgins u.a.

Fragt man Menschen nach ihrem Lieblingskiller, kommen meistens Freddy Krueger, Michael Myers oder Jason Voorhees zur Sprache. Sie alle haben das Genre geprägt und die Franchises haben bis heute Bestand. Es kommt aber auch vor, dass jemand Pinhead nennt. Pinhead? Das war doch der mit den Nägeln im Kopf. Genau der. Ikonisch verkörpert von Doug Bradley, der mit seiner markanten Stimme, einen bleibenden popkulturellen Fußabdruck hinterlassen hat.

Inhalt

Larry (Andrew Robinson, Star Trek: Deep Space Nine) und Julia (Clare Higgins, Ready Player One, The Libertine) beziehen das Elternhaus von Larry und dessen verschwundenem Bruder Frank. Das Haus sieht aus, als wäre Frank Hals über Kopf aufgebrochen. Überall finden sich Essensreste und Ungeziefer macht sich breit. Nach einer Säuberungsaktion kommen nach und nach Möbel und Einrichtung in das neu bezogene Domizil. Larry ahnt jedoch nicht, dass Julia schon früher dort war, denn sie unterhielt eine Affäre zu Frank. Als sich Larry eines Tages die Hand verletzt und sein Blut sich auf dem düsteren Dachboden verteilt, löst er damit eine Kette von mysteriösen Ereignissen aus. Frank kehrt als monströse Gestalt aus einer anderen Dimension zurück. Nur Julia zeigt er sich. Er verlangt von ihr, ihm Körper zu bringen, damit er durch deren Blut wieder zu alter Kraft kommen kann. Nur Larrys Tocher Kirsty kommt hinter Julias Geheimnis und wird wenig später mit einem geheimnisvollen Würfel konfrontiert.

Als ich in jungen Jahren zum ersten Mal Hellraiser sah, war ich sofort fasziniert von der Bedrohung, die von Pinhead und den dämonischen Zenobiten ausging. Im Gegensatz zu anderen klassischen Killern wie z.B. Michael Myers, waren sie nicht greifbar und wirkten wegen ihrer Herkunft aus einer anderen Dimension übermächtiger. Heraufbeschworen durch einen okkulten Würfel, manchmal auch Spieluhr genannt, wusste man nie woran man bei ihnen ist. Ihre Körper sind entsetzlich geschunden: Pinhead selbst hat Nägel im Kopf, das Gesicht eines seiner Helfer ist grausam entstellt und seine weibliche „Kollegin“ hat einen aufgeschnittenen Kehlkopf. Dabei sehen die Zenobiten aus wie Leichen: blasses Gesicht, toter Blick. Ihr Outfit ist stets aus Leder und sie haben allerhand Folterwerkzeug dabei. Wer die Figurenserie Tortured Souls kennt, kann sich ein ungefähres Bild machen.

Rund um den Film

Wir befinden uns die überwiegende Zeit in Frank und Larrys Elternhaus. Allein durch das kleine, verwinkelte und teils heruntergekommene Haus  verbreitet sich schon eine gewisse, drückende und beißende Grundstimmung, vergleichbar am ehesten mit der aus Amityville Horror. Man weiß, hier ist etwas geschehen, kann es aber noch nicht zuordnen. Der Fokus liegt auf dem Haus, besonders auf dessen Dachboden. Das Set ist sehr minimalistisch gehalten. Erst als sich die Tore in die andere Dimension öffnen, fallen Ketten von der Decke und eine „Säule des Leidens“ erscheint in der Mitte des Raums. Zwischendurch wagt sich Kirsty auch in Pinheads Welt, hier sehen wir eine dunkle Gasse, die aber genauso wenig einladend wirkt wie der Dachboden zuvor. Angesichts des knappen Budgets, schafft Hellraiser eine stimmige und wohl durchdachte Kulisse für die Horrorgestalten, die uns im Film begegnen.

Der Cast

Die Leistung der Darsteller ist solide bis gut. Allen voran ist Clare Higgins für mich der absolute Star des Films. Die Frau hat eine starke Leinwandpräsenz, ihre Figur wirkt sehr unsympathisch und diabolisch, zieht den Zuschauer aber gerade dadurch in ihren Bann. Vor allem ihre durchdringenden Augen lassen einen nicht mehr los. Auch Andrew Robinson macht seine Sache gut, er bekommt seine glanzvollen Minuten aber erst gegen Ende des Films. Doug Bradley hingegen stiehlt allen die Show und ist für mich die Idealbesetzung. Gestik, Mimik und Stimme lassen ihn buchstäblich zu diesem Dämon werden. Bisher wurde es bereits zweimal versucht, ihn als Darsteller zu ersetzen, und das ist kläglich gescheitert.

Bezug zu BDSM

Hellraiser ist auch bekannt geworden durch seine sadomasochistischen Elemente. Schon die fetischinspirierte Lederkleidung der Zenobiten deutet darauf hin, dass sie nicht nur Schmerzbringer sind, sondern auch eine morbide Lust bei ihrem Treiben empfinden. Die ewigen Schmerzen, zu denen sie verdammt sind, preisen sie auch ihren Opfern lustvoll an. Dieser kühle erotische Unterton findet sich auch in der Beziehung von Julia und Frank wieder, die stark von Motiven von sexueller Dominanz geprägt ist. 

Diese Dominanz setzt sich auf der psychologischen Ebene fort. Frank hat bereits zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass Julia ihm unterwürfig ist und lässt sich von ihr Daddy nennen. Sie würde alles dafür tun, dass er zurückkehrt und dies auch weiterhin tun kann – wirklich alles, wie sich im Verlauf der Handlung zeigt. Ein deutlicher Hinweis auf eine giftige Beziehung der beiden. Sicherlich findet man hier auch einige Aspekte des Rollenspiels und wir sehen die beiden in den Flashbacks stets sehr sexuell, aber dennoch, sie ist ihm hörig. Ich finde diesen Aspekt sehr interessant und bin immer wieder verwundert, dass der Film auch bei diesen Themen sehr gut funktioniert. In der BDSM-Szene ist Hellraiser sehr beliebt, da er nicht nur die positiven Punkte anspricht, sondern sich auch kritisch mit den Folgen einer toxischen Beziehung auseinandersetzt.

Hellraiser

Make-Up, Musik und Maske

Auch handwerklich ist Hellraiser nach wie vor eindrucksvoll. Wenn man die Make-Up- und handgemachten Effekte sieht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Grade bei Franks Design wurde ganze Arbeit geleistet. Es schleimt, eitert und blutet äußerst realistisch vor sich hin. Aber auch die Leichen, Splattereffekte und Monster können sich für einen Low-Budget Streifen wirklich sehen lassen. Abgerundet wird Hellraiser durch den Soundtrack von Christopher Young (Sinister, Ghost Rider, Drag Me to Hell). Das Maintheme ist sehr eingängig und man erkennt es stets wieder, sollte man es irgendwo hören.  Es besticht durch düstere Trompeten-Klängen und Streicher, man sieht beinahe das untote Zenobiten-Orchester vor seinen Augen. Der Soundtrack unterstützt den Film zudem in seiner Bedrohlichkeit, um aber auch in entsprechenden Szenen ebenso mysteriös und leise daher zu kommen. Für mich zu jeder Zeit die perfekte Untermalung. 

Fazit

Meiner Meinung nach ist und bleibt Hellraiser die unangefochtene Nr. 1 bei den großen Horrorserien. Hellraiser bietet weit mehr auf als nur Blut und Tod. Er funktioniert als Mystery-Thriller genauso wie als klassischer Horrorfilm oder sogar Beziehungsdrama. Das Zenobiten-Design ist einzigartig und ein echtes Eyecandy für Fans düsterer Gestalten und fremder Dimensionen. Traut euch an diese Reihe, ihr werdet Spaß damit haben.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 5 von 5
Ekel Rating: 4 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: Hellraiser © StudioCanal

Mathias

Horrorfilme… sind für mich ein Ventil. Ich schaue Horrorfilme, um mich kurz in eine andere Welt zu flüchten. Ich kann mich sehr gut in Situationen hinein versetzen. Deshalb stehen bei mir Geschichte, Atmosphäre und Charaktere im Vordergrund. Mit Jumpscares kann ich meistens nichts anfangen. Meine Favoriten kommen meist aus den 70ern oder 80ern. Natürlich ist es auch möglich über Subgenres Grenzen abzuchecken. Genau diese Vielfalt ist es, was ich am Horror mag. Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Mathias

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