Die Körperfresser kommen (1978) – Review

Die Körperfresser kommen

Die Körperfresser kommen aus den Weiten des Alls auf die Erde, um alles Leben auf der Erde zu assimilieren. Ein Klassiker des Alien-Invasion-Films und des Paranoia-Thriller-Kinos mit Starbesetzung.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Invasion of the Body Snatchers
USA
115 Minuten
Philip Kaufman
W.D. Richter
Donald Sutherland, Brooke Adams, Jeff Goldblum u.a.

Inhalt

Sporen heben von der Oberfläche eines sterbenden Planeten ab, treiben durch die Tiefen des Weltalls, um schließlich die Erde zu erreichen. Dort setzen sie sich auf die Pflanzen, bilden Knospen und erblühen. Schon bald werden die wunderschönen, roten Blüten bestaunt und gepflückt, so auch von Elizabeth Driscoll (Brooke Adams, Dead Zone), die eine der Blüten mit zu sich nach Hause nimmt. Elizabeth wird von ihrem Freund Geoffrey (Art Hindle, Jessy – Die Treppe in den Tod) empfangen und erklärt ihm, dass die Blume wohl ein Gattungsbastard sei, ein Parasit. Sie stellt die Blume in ihrem Schlafzimmer in einem Glas auf den Nachttisch an Geoffrey Seite.

Die außerirdische Lebensform auf ihrem sterbenden Planeten.

Derweil geht der Gesundheitsinspektor Matthew Bennell (Donald Sutherland, Wenn die Gondeln Trauer tragen) seiner Arbeit nach. Dies bringt ihm beileibe nicht dieselben Sympathien ein, die er und seine Kollegin Elizabeth für einander hegen, dafür bürgt eine eingeschlagene Frontscheibe. Am nächsten Morgen scheint Geoffrey seltsam kalt und distanziert, statt sich um sie zu kümmern, kehrt er Dreck neben seinem Bett auf und bringt es zu einem wartenden Müllfahrzeug. Am Abend wirkt Geoffrey so, als sei er völlig verändert. Selbst die Playoffs seiner Lieblingssportart interessieren ihn nicht mehr, stattdessen geht er zu einem seltsamen, geheimen Treffen. Die irritierte Elizabeth wendet sich damit an Matthew, der ihr empfiehlt, sich an einen befreundeten Psychiater (Star-Trek-Legende Leonard Nimoy) zu wenden.

In San Francisco verbreitet sich rasch eine eigenartige Atmosphäre. Die Menschen verhalten sich merkwürdig, so auch Geoffrey, der sich, statt in seiner Praxis zu sein, mit seltsamen Fremden trifft und riesige Samenhülsen austauscht. Ein Schneider erklärt Matthew, dass seine Frau nicht mehr seine Frau wäre. Und auf der Straße rennt Matthew und Elizabeth ein Fremder (Kevin McCarthy, Die Invasion der Körperfresser) vor den Wagen. Der Mann schreit, dass “Sie“ kommen, sie beide auf ihn hören sollen und alle in Gefahr wären. Kurz darauf flieht er, von einer großen Menschenmenge verfolgt, die Straße hinab, wo er tödlich verunglückt. Doch obwohl Rettungskräfte und Polizei ungewöhnlich schnell am Ort sind, weiß die Polizei später nichts davon. Und dies ist nur der Auftakt zu einem Strudel apokalyptischer Ereignisse, denn: Die Körperfresser kommen nicht, sie sind längst unter uns…

Kritik

1954 erschien in einem Magazin der Fortsetzungsroman „Die Körperfresser kommen“ von Jack Finney. Der Mehrteiler wurde von den Kritikern mäßig aufgenommen, stieß jedoch bei dem Produzenten Walter Wenger auf so viel Begeisterung, dass dieser vor der Veröffentlichung des zweiten Teils einen Vertrag abschloss. 1955 folgte mit Die Dämonischen, der auch den Titel Invasion der Körperfresser trägt, die erste Verfilmung. 1978 nahmen sich W.D. Richter (Big Trouble in Little China, Buckaroo Banzai) und Philip Kaufman (Der Stoff, aus dem die Helden sind, The Wanderers) erneut des Stoffes an.

Sie verlegten die Geschichte von der vertraulichen, beschaulichen Atmosphäre einer Kleinstadt in die trendsetzende, schnelllebige, anonyme Metropole San Francisco. Zudem modernisierten sie die Handlung und verpassten der Geschichte sogar ein anderes Ende. Man spürt den Zeitgeist der 70er über dem Film kreisen, vor allem aber merkt man deutlich den Einfluss des 1970er Politik-Paranoia-Kinos.

Noch begreift Matthew Bennell (Donald Sutherland) nicht, was vor sich geht.

So ähnlich wie Gene Hackman in Der Dialog werden die Protagonisten verfolgt und sind allen Leugnern zum Trotz auf der Suche nach Beweisen. Wie Warren Beatty in Zeuge einer Verschwörung stehen sie einem dicht vernetzten (und diesmal außerirdischen) Komplott schier hilflos gegenüber – und werden gnadenlos gehetzt. Parallelen zum Kommunismus werden der auf dem Höhepunkt der zweiten „Rote Angst“-Welle veröffentlichten Geschichte seit jeher – um es aus Jack Finneys Sicht zu sagen – angedichtet. Dem Autor ging es nach eigener Aussage jedoch weder um einen politischen Subtext noch um eine Warnung vor dem Kommunismus, der sich überall verbirgt und vor dem sich viele hysterisch fürchteten. Vielmehr nutzte er diese Angst erfolgreich, um seine Story gesellschaftlich und lesernah zu gestalten und ihr somit mehr Wirkung zu verleihen. Er sprach damit die amerikanische Volksseele an, die den Stoff dankbar annahm.

Und das Thema war auch 1978, zu Zeiten des Kalten Krieges, omnipräsent. Kaufman und Richter nutzten es trefflich und inszenierten einen Film, der bis heute kaum von seiner Wirkung verloren hat, auch ohne den fragwürdigen Subtext der roten Bedrohung. Die Frage, ob auch heute noch höherentwickeltes außerirdisches Leben existiert, ist zwar bislang nicht geklärt, hat aber nichts von seiner Faszination eingebüßt. Ebenso wie die Furcht vor einem totalitären Überwachungsstaat, der zudem neben den Emotionen jegliche Form der Individualität ausgemerzt hat. Beides sind globale Themen, mit welchen Die Körperfresser kommen sehr erfolgreich spielt.

Matthew (Donald Sutherland), Elizabeth (Brooke Adams) und Jack (Jeff Goldblum).

Erfolgreich spielen auch die Schauspieler und selten gab es in Horrorfilmen ein derart prominentes Aufgebot. Neben Donald Sutherland, Brooke Adams und Leonard Nimoy, die allesamt für den Saturn Award nominiert wurden, treten Jeff Goldblum (Die Fliege) und Veronica Cartwright (so hysterisch wie in Alien) auf.

In Gastrollen sind neben Kevin McCarthy auch Don Siegel, der Regisseur der Erstverfilmung, Robert Duvall (Falling Down) und The-Grateful-Dead-Gitarrist Jerry Garcia zu sehen. Richter und Kaufman gelang es sogar, selbst den Nebencharakteren ein Profil zu verleihen, was die Besetzung auch sichtbar dankend aufnahm. Vor allem Donald Sutherland war selten besser und brachte sich in die Dreharbeiten ein. Er übernahm sogar die Stuntszenen im explosiven Finale.

Die Toneffekte, vor allem in der berühmten letzten Sequenz, sind ein weiteres Highlight. Alleine der schrille Schrei, mit dem die Aliens fremdes Leben melden, fährt einem durch Mark und Bein; der Ton ist ein Mix aus mehreren verschiedenen Klängent, u.a. von Schweinen. Hervorheben möchte ich auch die Trick-Effekte, wobei eine Kreatur in einer Szene sogar an Das Ding aus einer anderen Welt erinnert. Ton und Make-Up wurden für je einen Saturn Award nominiert.

„They’re here! They’re here!“ Kevin McCarthy lief direkt aus der Erstverfilmung in die Neuverfilmung – und Donald Sutherland vors Auto.

Sie kommen! Sie kommen! (They’re here! They’re here!)

Die Sporen landeten im „Film“ über der Transamerica Pyramide, die zu der damaligen Zeit das Management des Produktionsstudios, United Artists, beherbergte. Wenn also von United Artists behauptet wird, es handle sich um einen reinen Spielfilm, sollte man das womöglich mit Vorsicht genießen. Denn die Leugnung ist schließlich eines der Mittel der Invasoren!

Und Donald Sutherland wurde während der Dreharbeiten von einem Auto angefahren, dessen Fahrer (vermutlich mit panisch aufgerissenen Augen) „Oh, my God! Not you!“ ausstieß. Ein Schelm, wer eine Parallele zu jener Szene zieht, in der Kevin McCarthy von Donald Sutherland angefahren wurde. Passend dazu wurden in der Nacht der Kinopremiere riesige Samenhülsen quer über ganz Los Angeles verteilt…

Vielleicht ist es tatsächlich so: Die Körperfresser kommen nicht, sie sind längst unter uns! Dies zeigen auch die beiden Neuverfilmungen von 1993 (Body Snatchers – Angriff der Körperfresser) und 2007 (Invasion), wenngleich beide sehr weit hinter den ersten beiden Verfilmungen anstehen.

Fazit

Die Körperfresser kommen ist einer der ganz großen Alien-Invasion-Filme. Die zeitlosen Themen, eingefangen im Zeitgeist des 1970er (Paranoia)-Kinos – hervorragend gespielt und gekonnt inszeniert.

 

Bewertung

SpannungRating5_5
AtmosphäreRating: 5 von 5
Gewalt Rating: 1 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 5 von 5

Bildquelle: Die Körperfresser kommen © MGM

Stephan Lydike

Stephan Lydike

Horrorfilme sind der Stoff aus den Albträumen, der im besten Fall zu dem Stoff in den Albträumen wird.
Stephan Lydike

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