Creature Designers – The Frankenstein Complex (2015) – Review

Creature Designers: The Frankenstein Complex

Creature Designers: The Frankenstein Complex ist eine französische Doku von Gilles Penso und Alexandre Poncet, die mit Ray Harryhausen: Special Effects Titan schon von sich Reden machten. In ihrem neuesten Werk bleiben sie den Spezialeffekten treu und legen ihren Fokus auf Monster aller Art.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

Le complexe de Frankenstein
Frankreich
107 Minuten
Gilles Penso, Alexadre Poncet
Giles Penso, Alexandre Poncet
Rick Baker, Greg Nicotero, Phil Tippett u.a.

Im Gegensatz zu ihrer vorhergehenden Doku setzen sie dieses Mal weniger auf bekannte Regisseure, sondern geben vor allem Special-Effects-Künstlern Raum von ihrem Handwerk zu erzählen. Das soll aber nicht heißen, dass Creature Designers nicht mit einigen hochkarätigen Regisseuren aufwarten kann. So dürft ihr euch auf die Ausführungen von Kevin Smith (Tusk), Mick Garris (Nightmare Cinema) und Guillermo del Toro (Shape of Water) freuen. Besonderes Highlight ist jedoch ein gemeinsames Gespräch von Joe Dante (Das Tier) und John Landis (American Werewolf in London) auf Dantes heimischem Sofa.
Aber die Hauptbühne gehört den Künstlern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Von Stop-Motion-Meister Phil Tippett (Star Wars, Robocop) über Creature-Effect-Spezialist Rick Baker (An American Werewolf in London) bis hin zu Visual-Effects-Guru Dennis Muren (Star Wars, Jurassic Park).

Creature Designers beginnt mit einer Reise durch die Zeit. Angefangen mit den Make-up-Effekten von Lon Chaney Sr., der nicht umsonst als „der Mann mit den tausend Gesichtern“ bezeichnet wird und Schauspieler und Make-up-Künstler in einem war. Dann natürlich Jack Pierce, der mit seinen Masken für die Mumie und vor allem Boris Karloff als Frankenstein, die Ära der Universal Monsters prägte. Weiter geht es zu Stop-Motion-Pionier Willis O’Brien (King Kong, 1933) und seinem Schüler Ray Harryhausen (Sindbads siebente Reise, 1958), die die Technik weiterentwickelten und perfektionierten. Es folgen die bahnbrechenden Effekte von Dick Smith beim Exorzisten (1973), die Werwolf-Verwandlungsszenen in Das Tier (1981) und American Werewolf in London (1981) von Rob Bottin und Rick Baker. Rob Bottin war es dann auch, der die wahrscheinlich revolutionärsten Creature-Special-Effects in der Geschichte des Horrorfilms schuf. Die Rede ist natürlich von Das Ding aus einer anderen Welt (1982), der bis heute rein gar nichts an seiner Faszination verloren hat und wenn es jemals ein perfektes Creature-Feature gab oder geben wird, dann ist es dieser Film.
Abgeschlossen wird die Reise durch die Geschichte der Creature Designer mit dem Aufkommen der Visual Effects. Bahnbrechend waren hier vor allem die Dinosaurier in Jurassic Park (1993), das Wasser-Tentakel in Abyss (1989) und der T-1000 in Terminator 2 (1991). Eher kurz angeschnitten wird deren Weiterentwicklung wie zum Beispiel bei Smaug aus The Hobbit oder allgemein dem Motion-Capturing-Verfahren.

Creature Designers -The Frankenstein Complex

Stephen Chiodo mit einem seiner Werke aus Critters

Bei Creature Designers geht es jedoch keinesfalls darum handgemachte gegen computergenerierte Effekte auszuspielen. Die Doku lässt beide Seiten zu Wort kommen, diskutiert Vor- und Nachteile unterschiedlicher Effekte. Aber natürlich liegt bei vielen Practical-Effect-Artists etwas Wehmut in der Stimme, wenn sie über die neuesten Entwicklungen in ihrer Branche sprechen. Dies dürfte vor allem mit der Wertschätzung zu tun haben, die ihnen früher entgegen gebracht wurde. Es gibt wohl kaum ein anderes Genre, in dem die Fans die Effekte so sehr zu schätzen wissen und die Künstler dahinter dementsprechend feiern, wie im Horror. So hatten oder haben Leute wie Tom Savini teilweise ein höheres Starpotential als so mancher Schauspieler. Doch die 80er sind lange vorbei und viele Studios und Regisseure greifen vermehrt zu computergenerierten Effekten. Dadurch kommen auch bereits fertig gebaute Monster oft nicht mehr zum Einsatz, wie zum Beispiel in Men in Black oder The Thing (2011), wo handgemachte Effekte zu 100% mit CGI ersetzt wurden.

Falls sich jemand gewundert haben sollte, wieso ich immer nur von Männern sprach, dann liegt es daran, dass der Film ausschließlich von Männern handelt (von einer kurzen Szene abgesehen). Was äußerst schade ist, findet sich im Bonus Material doch ein Interview mit der oscarprämierten Ve Neill, welche unter anderem für die Maske von Beetlejuice oder Danny DeVitos Oswald Cobblepot in Batmans Rückkehr verantwortlich war. Gerade ihre Ausführungen fand ich äußerst spannend und finde es schade, dass sie der Schere zum Opfer fiel.

Creature Designers -The Frankenstein Complex

Alec Gillis und Tom Woodruff Jr. vor einer Vielzahl ihrer Kreationen

Ihr solltet euch jedoch nicht von „The Frankenstein Complex“ täuschen lassen. Mit Isaac Asimovs Begriff für die Angst vor künstlichem Leben hat er schon einmal überhaupt nichts zu tun. Auch Frankenstein kommt darin nur kurz vor und komplex ist daran wirklich auch nichts. Der Film bietet keinerlei tiefere Auseinandersetzung, sondern ist in erster Linie eine Liebeserklärung an die Kunst der Special Effects – genau als solche sollte man den Film auch sehen.
Abgesehen von diesen Mankos bietet Creature Designers: The Frankenstein Complex eine spannende Reise durch die Effekte der Filmgeschichte und schafft es durchaus Faszination für dieses wundervolle Handwerk zu wecken.

Bildquelle: Creature Designers – The Frankenstein Complex © Capelight Pictures

Florian Halbeisen

...und was meinst du?