Come True (2020) – Review

Come True

Come True befasst sich mit den dunklen Gestalten in unseren Träumen und kann mit einer traumwandlerischen Atmosphäre glänzen. Wir haben uns beim Slash Filmfestival einer Schlafstudie unterzogen.

Originaltitel:Come True
Land:Kanada
Laufzeit:105 Minuten
Regie:Anthony Scott Burns
Drehbuch:Anthony Scott Burns
Cast:Julia Sarah Stone, Landon Liboiron, Skylar Radzion u.a.

Mit Filmen über Träume, ganz speziell Albträume, bin ich sehr leicht zu locken. Das Eintauchen in Traumlogik und -welten eröffnet phantastische Möglichkeiten, um all das Verdrängte und Verschüttete auszugraben, was in den dunkelsten Ecken des menschlichen Geistes lauert.

Come True verbindet die wundervolle (Alb-)Traumthematik jedoch mit etwas ganz Speziellem: Schlafparalyse und Schattenwesen. Und hier liegt die Krux, denn schon Filme wie The Shadow Man haben eindrücklich bewiesen, wie unfassbar langweilig die Bedrohung durch diese schattenhafte Wesen sein kann. Und so vermögen sie auch in Come True als Antagonisten nichts anderes zu tun, als langsam auf Betten zu zu schlurfen, stehen zu bleiben und zu starren. Das Bedrohungspotential hält sich demnach in engen Grenzen und der Film verläuft sich in eine von vielen Sackgassen.

Dabei ist die Geschichte um die junge, albtraumgeplagte Sarah (Julia Sarah Stone, The Killing), die von zuhause weggelaufen ist und sich die ohnehin schon bedrückenden Nächte bei Freunden oder auf dem Spielplatz um die Ohren schlägt, durchaus ansprechend. Come True erlaubt uns glücklicherweise auch die Protagonistin näher kennen zu lernen, ohne die familiären Verhältnisse oder ihre Vergangenheit aufzurollen, die beide im Dunkeln bleiben. Vielmehr folgen wir geradezu schlafwandlerisch dem Alltag der Highschool-Schülerin: von den komplett übermüdeten Schulstunden über nächtliche Eskapaden und die Suche nach einem Schlafplatz bis hin zu ihren Albträumen. In dieser Exposition ist der Film am stärksten und lebt von einer einnehmenden melancholisch-somnambulen Atmosphäre, einem absolut bezaubernden Score und der betörenden, düsteren und überaus ästhetischen Bildsprache, die Come True für seine Traumszenen findet.

Die Geschichte kommt dann so richtig in die Gänge als Sarah auf eine Schlafstudie stößt, die ihr nicht nur ein sicheres Bett, sondern auch noch etwas Kleingeld verspricht. Die Studie beschäftigt sich mit einem bildgebenden Verfahren, das es erlaubt, Trauminhalte zu visualisieren – wenn auch nur mit starkem Bildrauschen. Die Aufnahme der Trauminhalte und hier vor allem die Aufnahmen von vermeintlich bösen Entitäten, die sich aus dem Unbewussten heraus materialisieren, eröffnet spannende Möglichkeiten das Traumthema abzuhandeln und zudem bietet das Krankenhaus, in dem die Studie stattfindet, mit seinem gruseligen Retro-Look ein hervorragendes Setting.

Come True funktioniert die ersten zwei Akte daher auch wirklich fabelhaft. Problematisch wird es, als der Film versucht, seine ausgelegten Handlungsstränge wieder aufzunehmen und zu einem kongruenten Ende zusammenzuführen. Denn hier wird schnell klar, dass diese allesamt ins Leere führen. So schlurft der Film schlafwandelnd seinem sinnbefreiten Ende entgegen, wobei mit jedem Schritt die zuvor aufgebaute Atmosphäre und Spannung immer weiter abblättern, bis zum Schluss nichts mehr übrigbleibt. Come True endet zudem leider nicht mit einem brachialen Paukenschlag, der uns aus diesem Albtraum reißt, sondern mit dem langsamen Hirntod aller Beteiligten.

Fazit

Come True ließ mich mit gemischten Gefühlen zurück. Regisseur und Drehbuchautor Anthony Scott Burns (Our House) gelingt es hervorragend eine gruselige Atmosphäre zu kreieren, die mit ihren Retro-Bezügen und dem Synth-Soundtrack durchaus an Stranger Things erinnert. Die Exposition ist großartig, Stones Performance eindringlich und die Welt, die Burns kreiert, lädt zum Eintauchen ein. Leider weiß Come True, damit nichts anzufangen und kommt nie wirklich über seine Einführung hinaus. Weder die Albträume, die Schattenwesen noch die Möglichkeit, eine feindselige Entität direkt im Unbewussten einer Person beobachten zu können, werden näher beleuchtet. Es ist zwar beachtlich wie Burns unterschiedliche Einflüsse in Come True kanalisiert und eine wirklich einnehmende Bildsprache dafür findet, hinter dieser schönen Fassade fehlt aber leider jegliche Substanz.

 

Bewertung

GrauenRating: 3 von 5
SpannungRating: 2 von 5
Härte Rating: 0 von 5
Unterhaltung rating3_5
Anspruch Rating: 1 von 5
GesamtwertungRating: 3 von 5

Bildquelle: Come True © Raven Banner Entertainment 

Florian Halbeisen

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