The Monster Project (2017) – Review

The Monster Project

Der Found-Footage-Horrorfilm ist noch lange nicht tot. The Monster Project schafft es dem Genre durchaus ein paar neue Facetten abzugewinnen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

The Monster Project
USA
95 Minuten
Victor Mathieu
Victor Mathieu, Corbin Billings, Shariya Lynn

Bei der neuesten Veröffentlichung von Pierrot Le Fou ist vornherein klar wohin die Reise geht: schnörkelloser Found-Footage-Horror. Dabei wird früh klar, dass sich Regisseur und Co-Autor Victor Mathieu wenig um Authentizität schert – der Spaß steht im Vordergrund. In einem Interview sagte Mathieu, dass er zwar ein großer Fan von Found-Footage sei und Paranormal Activity und V/H/S zu seinen Alltime-Favourites gehören, aber es dem Subgenre an Qualität mangele. Inspiriert durch Ego-Shooter wie „Call of Duty“, aber auch innovative POV-Filme wie Henry, sollte der Fokus wesentlich stärker auf der Action liegen und die Monster dementsprechend schon früh enthüllt werden.
Daher sollte es auch nicht verwundern, dass fleißig zwischen unterschiedlichen Filmquellen hin und her geschnitten wird – auch solchen, die nicht im Besitz der Protagonisten sein können. Man sollte sich aus diesem Grund auch keine Gedanken darüber machen, wieso Personen zu einem Zeitpunkt überhaupt filmen. Das ganze Konstrukt ergibt an vielen Stellen leider herzhaft wenig Sinn.

Dennoch bedient sich das Team nicht nur formell den Stilmitteln des Found-Footage-Genres, sondern versucht diese auch inhaltlich zu begründen. Der Film handelt von den zwei Freunden und Geschäftspartnern Devon und Jamal, die ihren Lebensunterhalt mit Fake-Gruselfilmchen auf Youtube verdienen. Dies wollen sie nun mit dem titelgebenden Monster Project auf die Spitze treiben. Hierfür starten sie einen Aufruf im Internet, um „echte Monster“ zu finden. Daraufhin melden sich eine Vampirin, eine Dämonin und ein Gestaltwandler. Devon und Jamal mieten sich ein altes – früher einem Satanskult gehörenden – Herrenhaus, packen noch zwei alte Freunde ein und los geht es zum großen Shooting…

Die kleine Gruselshow im Web, die für die größere Reichweite auf Extreme zurückgreift, hatten wir schon zum Beispiel bei Scare Campaign. The Monsters Project bringt hier einen neuen Ansatz rein, in welchem wir es mit drei Monstern zu tun haben. Victor Mathieu gelingt es dabei gut, die Aufmerksamkeitsspanne aufrecht zu erhalten, indem es lange unklar bleibt, ob die drei Monster wirklich real sind oder wir es nur mit drei Verrückten zu tun haben. Selbst wenn dies, wie Mathieu im Interview verlauten lässt, sehr früh und auch recht plötzlich aufgeklärt wird. Obwohl ich Mathieus Ansatz hier durchaus nachvollziehen kann, tut er sich damit in meinen Augen leider keinen Gefallen und gibt einen seiner ganz großen Trümpfe schon früh aus der Hand.

Denn fortan leidet der Film unter seiner mangelnden Charaktereinführung, die viel zu kurz gekommen ist. Abgesehen von einem Ex-Junkie und einer alten Liebe bleiben die Motive der Charaktere sehr vage. Es fällt mir schwer, mit auch nur einer einzelnen Person eine Verbindung aufzubauen, wenn ich mir nicht die Haare sowieso schon von deren nervigem Verhalten raufe. Besonders schlimm ist hier leider der „Quoten-Schwarze“ Jamal, der dermaßen schlecht und klischeehaft geschrieben ist, dass er selbst für Scary Movie zu unglaubwürdig gewesen wäre.

The Monster Project

Wenn der Spannungsaufbau schon zugunsten von mehr Action beschnitten wird, dann sollte man eben schauen, dass zumindest ein Charakter genug hergibt, um als Identifikationsfigur zu dienen. Mit ein paar Pappkameraden fiebert es sich schlecht mit – da bräuchte es schon außergewöhnliche Action-Sequenzen, um dies wieder wettzumachen. Damit kann The Monster Project allerdings leider nicht dienen. Nach der verfrühten Aufklärung bekommen wir alles zu sehen, was an Found-Footage-Horror-Filmen oft so schlecht funktioniert: komplett verwackelte, schlecht ausgeleuchtete Nightvision-Aufnahmen. Die Protagonisten, die mich wenig kümmern und schreiend durch ein Haus rennen, in dem ich mich schlecht zurecht finde und werden immer wieder mal von ein paar Schießbudenfiguren erschreckt. Das ist leider nur leidlich erschreckend für mich, aber dafür umso ermüdender. Dass dabei noch zusätzlich eher mäßig gelungenes CGI zum Einsatz kommt, macht es leider auch nicht besser. Einzig das gelungene Sounddesign schafft es hier noch ein paar Pluspunkte zu sammeln.

The Monster Project

Bevor ich jedoch endgültig das Interesse verliere, serviert mir The Monster Project eine äußerst krude Mischung aus Flatliners-Sünden-Grusel, Exorzismus und Body-Horror. Diese unterhält mich zumindest wesentlich besser, als die vorangegangene Found-Footage-Stangenware. Leider wirkt das äußerst deplatziert und bestärkt mich in dem Gedanken, dass sich die Macher mit Found Footage hier keinen Gefallen getan haben. Dabei sind das sogar noch die letzten sinnvollen Momente, bevor der Film endgültig in kompletten Nonsense abdriftet. Es kommt leicht das Gefühl auf, dass die Macher vor lauter Twists selbst nicht mehr wussten, worum es jetzt eigentlich geht.

Unterm Strich konnte mich The Monster Project nicht vollends überzeugen, da der Film zu wenig Neues bietet und in seiner Ausführung doch gröbere Mängel aufweist. Fans von Found-Footage-Filmen könnte der Film unter Umständen durchaus zusagen, da gerade die Einbeziehung von unterschiedlichen Monstern dem Streifen noch etwas Pepp verleiht. Ihr müsst euch allerdings auch darauf gefasst machen, dass die Geschichte zum Ende hin reichlich konfus wird.

 

Bewertung

SpannungRating: 2 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 1 von 5
Story Rating: 3 von 5

Bildquelle: The Monster Project © Pierrot Le Fou

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

Letzte Artikel von Florian Halbeisen (Alle anzeigen)

...und was meinst du?