The Human Centipede 3 (Final Sequence) (2015) – Review

…oder aber auch: Die Dieter-Laser-One-Man-Show!

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The Human Centipede 3 (Final Sequence)
Niederlande
102 Minuten
Tom Six
Tom Six

Der rassistische und völlig übergeschnappte Gefängnisdirektor Bill Boss tut alles daran, seinen Insassen Respekt einzuflößen. Nachdem er selbst mit den sadistischsten Methoden keine Ordnung in seine Reihen zu kriegen scheint, steht nun sein Job auf dem Spiel. Seinem Assistenten Dwight Butler, einem großen Fan der „Human Centipede“-Filme, scheint schließlich die perfekte Idee zu kommen…

Ring frei für die dritte Runde

Mit The Human Centipede 3 (Final Sequence) schickt Regisseur Tom Six den nunmehr dritten Ableger seiner Tausendfüßler-Idee ins Rennen. Ob man diesen wirklich gebraucht hätte, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Da die Vorgänger aber mittlerweile eine doch recht ordentliche Fanbase um sich gescharrt haben, kann man dem Filmemacher wohl kaum verübeln, diese weiterhin mit seiner, zugegeben absolut fantastischen, Grundidee füttern zu wollen. So scheut sich Six auch nicht davor, selbst eine Rolle in seinem dritten Ableger einzunehmen. Storytechnisch ist auch die neueste Auskopplung alles andere als ein Meilenstein, was der Regisseur aber auch selbst zu wissen scheint, denn er schreckt nicht davor zurück, seine Tausendfüßler-Machwerke über die Dauer des Streifens mehrmals auf die Schippe zu nehmen.

 

Dieter Laser als Alleinunterhalter

Ebenso wie in Teil eins gibt Dieter Laser auch im dritten Ableger wieder alles und schickt uns mit Hilfe seiner Gestik und Mimik auf einen psychotischen Konfrontationskurs mit einem Mann, der das unmenschlichste Übel verkörpert, das man sich nur vorstellen kann. Laser, der in The Human Centipede (First Sequence) schon durch sein absolut geniales Overacting überzeugte, besticht auch hier wieder mit seiner aufgedrehten Art. So kann man dem Mann letztlich nur Respekt dafür zollen, diese Rolle als „rassistisches Arschloch“ wirklich so knallhart und überspielt zu verkörpern, dass man merkt, wie angewidert er von sich selbst ist.

Das gleiche ist mir mit Teil drei passiert. Ich dachte:“Nein, das mache ich nicht! Ich weigere mich, eine komatöse Frau zu vergewaltigen und so weiter und sofort!“ Was war meine Rettung? Ich habe den Typ so lächerlich gemacht, so eine feige, blöde Sau, dass kein Typ, der am Wochenende seine arme Frau, die Kassiererin ist, schlägt, weil er besoffen ist und frustriert, dass kein Rassist, kein Vergewaltiger und was es auch alles gibt, sich mit diesem Arschloch und diesem Vollidioten identifizieren mag, sodass es wieder von der politischen Inkorrektheit auf die Füße kippt und wieder total politisch korrekt ist, weil der Mann ist der Lächerlichkeit preisgegeben. – Dieter Laser in einem Interview mit Sascha von Trashothek auf der Weekend of Hell am 07.11.2015

So bleiben Dieter Laser mit seiner cholerischen Art, genau wie Laurence R. Harvey als unterwürfiger Gehilfe, den viele schon aus dem zweiten Teil der Tausendfüßler-Reihe kennen, die wenigen Gründe, The Final Sequence voll und ganz auf sich wirken zu lassen.

Der Mut des zweiten Teils verpufft

Während Teil eins mit seiner Idee noch recht zurückhaltend umging, schlug Teil zwei ganz gewaltig aus und konfrontierte uns über seine komplette Spieldauer mit den unergründlichen Tiefen des Unzumutbaren. Blut und Fäkalien, Tom Six knallte uns jedmögliche Abscheulichkeit vor den Latz und hinterließ ein Grummeln im Magen des Zuschauers, mit dem er wohl noch einige Zeit zu kämpfen hatte. Wirklich schade ist, dass The Human Centipede 3 mit seinem Mut zur Darstellung nun wieder einen Schritt zurückweicht. Denn auch wenn uns Tom Six hier wieder das ein oder andere Mal mit nahezu unzumutbaren Szenarien konfrontiert, kann man THC 3 als durchaus zurückhaltend bewerten. So wird der Fokus hier nur all zu selten auf Gewaltspitzen gelegt und konzentriert sich stattdessen voll und ganz auf den hervorragend agierenden Dieter Laser, der den Film quasi alleine zu tragen scheint. Dennoch gibt sich der Regisseur wiedermal ordentlich Mühe, uns allerlei Kontroversen zu servieren. Final Sequence macht unter anderem sowohl vor Folter, als auch vor Vergewaltigung keinen Halt und setzt sich somit keine moralischen Grenzen.

Natürlich ist The Human Centipede 3 objektiv betrachtet kein guter Film. Plumpe Dialoge, Logiklöcher und ein vorhersehbarer Storyverlauf werden jeden Filmfan schon nach wenigen Minuten abschrecken. Dennoch wird auch der dritte Teil seine Fans finden. Alleine schon Dieter Laser hat mir persönlich so gut gefallen, dass ich mich über die komplette Dauer rundum wohl gefühlt habe. So bleibt mir letztlich nichts anderes übrig, als The Final Sequence ausschließlich Fans der Reihe zu empfehlen, die dafür sorgten, dass der menschliche Tausendfüßler praktisch schon einen Kultstatus genießt, der seinesgleichen sucht. Wenn euch die Neugier also nicht überkommt, so habt ihr nichts verpasst, solltet ihr The Human Centipede 3 auslassen.

Warum ihr, solltet ihr euch für eine Sichtung des dritten Teils entscheiden, zur englischsprachigen Fassung greifen solltet, erklärt Dieter Laser nochmal in einem Interview. Dass der gute Mann ausgesprochen erzürnt ist, ist nur all zu gut nachvollziehbar. Denn sollte der in Sammlerkreisen bekannte deutsche Rechteinhaber wirklich mit solchen Mitteln vorgehen, kann man jedem Filmfan nur nochmal ans Herz legen, genau darüber nachzudenken, ob man diesen mit seinem Geld finanzieren möchte.

Bewertung

SpannungRating: 1 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
Gewalt Rating: 2 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 1 von 5

Bildquelle: The Human Centipede 3 (Final Sequence) © IFC Films

Jan Ott
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