31 (2016) – Review

31

oder: mit Clowns spielt man nicht.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

31
USA
102 Minuten
Rob Zombie
Rob Zombie

Inhalt

Rob Zombie nimmt uns an der Hand und führt uns zurück ins staubig-trockene US-amerikanische Hinterland. Ins White-Trash-Milieu, in welchem er sich bevorzugt suhlt.

Wir folgen einer Gruppe Schausteller mit ihrem Hippiebus durch die Einöde bis sie entführt und Teil eines Spieles wird. Eines tödlichen Spieles: 31.

 

Kritik

Ich bin ein großer Fan von Zombies Schaffen und halte ihn für einen der wichtigsten US-amerikanischen Horror-Regisseure des neuen Jahrtausends. Ich schätze dabei sein frühes Grindhouse-Terrorkino genau so sehr wie seine mutigeren, visionären Werke wie Halloween II oder The Lords of Salem. Rob Zombie hat einen sehr individuellen, fiebrig-wahnsinnigen Stil, dem er bisher immer wieder neue Facetten abgewinnen konnte und weiterentwickelt hat. Mit 31 nimmt das leider ein jähes Ende.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich ausgerechnet Zombies Crowdfunding-Projekt wie eine lustlose Studioarbeit anfühlt. Wie ein Prequel zu House of 1000 Corpses als reine Auftragsarbeit, auf das niemand gewartet hat.

An dieser Stelle möchte ich aber auch betonen, dass es sich bei 31 um keinen schlechten Film handelt. Er ist nach wie vor eine überdurchschnittliche Genreproduktion. In seinen besten Momenten ist das Setting grotesk-albtraumhaft, das Killer-Design comichaft-abgefahren und die Stimmung dreckig-bedrohlich. Insbesondere die Anfangsszene und das Intro sind Gold wert. Auch im Finale schafft er es noch einmal ein paar Pluspunkte zu sammeln.

Das reicht für einen ganz unterhaltsam, aber eben nicht für einen guten Film. Denn daneben ist die Kameraführung über weite Strecken wirr und der Schnitt das reinste Massaker. Die Darsteller agieren abgesehen von Richard Brake im Stand-By-Modus und die Charaktere sind durchwegs unsympathisch. Das führt dazu, dass null Empathie aufgebaut und ich mit niemandem wirklich mitfiebern konnte. Und wenn Zombie zwischendurch geniale Einstellungen wie das letzte Abendmahl erschafft, dann wirken diese wie absolute Fremdkörper im Film. Hier wirkt alles einfach irgendwie unfertig.

Über weite Strecken hatte ich das Gefühl die Familie Firefly macht bei The Running Man mit. Und das ist schlussendlich auch das größte Problem von 31. Er wirkt wie ein liebloses Best-Of. Alles ohne Ecken und Kanten, ohne Risiko, ohne den Willen zur Eigenständigkeit zusammengeschustert. Rob Zombie hat einen soliden Standard-70er-Terrorfilm abgeliefert. Und das ist das Enttäuschende. Von Rob Zombie hätte ich mehr erwartet als 08/15-Fanservice.

 

Bewertung

SpannungRating: 1 von 5
AtmosphäreRating: 2 von 5
SplatterRating: 3 von 5
EkelRating: 0 von 5
StoryRating: 3 von 5

Bildquelle: Filmtitel © deutscher Verleih

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Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

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