Suspiria (1977) – Review

Suspiria

Suspiria ist ein bild- und tongewaltiges Referenzwerk Dario Argentos, welches erst viele Jahre nach Release die Anerkennung bekam, die es verdient.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Suspiria
Italien
98 Minuten
Dario Argento
Dario Argento, Daria Nicolodi

Die junge US-Amerikanerin Suzan Boyle besucht eine altehrwürdige Ballettschule in Freiburg. Schon bei ihrer Ankunft geschehen merkwürdige Dinge. Noch bevor sie in einem schlimmen Gewitter an der Tür zur Schule abgewiesen wird, trifft sie auf eine Schülerin, die aus der Tür stürmt, etwas Unverständliches schreit und in der Dunkelheit verschwindet. Am nächsten Tag wird sie ermordet aufgefunden. Immer mehr unerklärliche und grausame Dinge geschehen, sodass sie selbst Nachforschungen anstellt und ein dunkles Geheimnis aufdeckt…

„The only thing more terrifying than the last 12 minutes of the film are the first 92.“

Nach seinem endgültigen Durchbruch mit Rosso – Die Farbe des Todes entfernt sich Dario Argento vom altbekannten Giallo, gleitet übergangslos in Richtung des Horrors und lässt gleich in den ersten Minuten nichts anbrennen. Die Eröffnungssequenz bietet einen Doppelmord, der sich gewaschen hat und von der Entertainment Weekly zur grausamsten Mordszene aller Zeiten gekürt wurde. Da überrascht es nicht, dass der Film in Deutschland bis 2014 indiziert war.

Der Adrenalinpegel ist auf Anschlag und Goblin befeuern diesen noch zusätzlich mit ihrem hypnotisierenden Score. Bei ihrer zweiten Zusammenarbeit mit Dario Argento zaubern sie keinen ästhetischen, schön anzuhörenden Soundteppich. Stattdessen gibt es eindringliche, verstörende Töne, die die Fingernägel hochklappen lassen.

Argento wollte, dass Goblin einen Sound erschaffen, den es so noch in keinem Film gab. Daher kamen afrikanische und griechische Instrumente zum Einsatz. Zusätzlich wurde viel improvisiert indem Gegenstände gegen andere geschlagen wurden. Wie wichtig der Score für den Film und auch den Entstehungsprozess war, beweist die Tatsache, dass dieser während des Drehs laut am Set lief. Die Sprachsequenzen wurden nachträglich eingeführt, so dass das kein Problem darstellte.

Nicht minder intensiv sind die Farbspiele. Die Farbe Rot ist stets im Vordergrund. Rot ist die Ballettschule, rot sind die Zimmer und Flure, rot schimmert der dunkle Schlafsaal, in dem die jungen Damen eine Nacht gemeinsam verbringen. Und als wäre das nicht genug, ermöglichte ein besonderes Verfahren die Farben noch intensiver und kräftiger wirken zu lassen. Argento selbst sagte dazu, dass das Farbschema an Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge angelehnt wurde. Ich habe noch keinen Horrorfilm mit derart farbintensiven Spielereien gesehen. Ein Fest für das Auge. Und auf Blu-ray sieht das ganze unglaublich gut aus.

Suspiria

A gruesome fairy tale

Märchen waren auch darüber hinaus ein wichtiger Bestandteil in der Entstehung des Films. Daria Nicolodi, seine Co-Produzentin und Lebensgefährtin, ließ sich während des Entstehungsprozesses von Alice im Wunderland, Blaubart und Pinocchio inspirieren. Dario Argento empfand Schneewittchen und die sieben Zwerge derart inspirierend, dass er den Kameramann dazu verpflichtete, diesen Film vor Drehbeginn von Suspiria zu schauen.

Ursprünglich war sogar fest eingeplant, dass die Darsteller Kinder sein sollten. Jedoch hatten die Produzenten Angst, dass ermordete Kinder auf der Leinwand zu Empörungen führen könnten. Es war auch fraglich, ob solch junge Darsteller die Anforderungen Argentos erfüllen könnten. So wurden die Darsteller neu gecastet, das Script wurde jedoch nicht mehr angefasst. Wenn dem Zuschauer also während des Schauens auffällt, dass einige Dialoge sehr kindlich wirken, liegt das am unveränderten Skript. Das führt beim Schauen schon zu einigen unangenehmen Momenten. Wer jedoch Argento kennt, weiß auch, dass dies nicht nur bei Suspiria der Fall ist. Die infantilen Verhaltensweisen gab es u.a. auch bei Phenomena.

Der Erfolg von Suspiria führte dazu, dass man den Film zu einer Trilogie erweiterte. Suspiria ist der Beginn der sogenannten Drei-Mütter-Trilogie. Die dazugehörigen Filme sind Horror Infernal und der erst 2007 erschienene Mother of Tears. Leider kann keiner der Teile mit Suspiria mithalten.

Suspiria

Zudem hat Luca Guadagnino Anfang 2017 die Dreharbeiten zu einem Remake beendet. Namenhafte Schauspieler sollen dabei helfen, Suspiria eine Neuauflage zu geben, die es verdient hat. So konnten Dakota Johnson, Chloë Grace Moretz und Tilda Swinton für sein Projekt gewonnen werden. Argento scheint jedoch weniger begeistert von der Idee zu sein. Er meint, dass sein Film eine gewisse Grundstimmung habe. Er kritisiert: Entweder macht man es dann genauso wie in seinem Film, was dazu führen würde, dass es nur eine Kopie ist oder man verändert Dinge und macht sie anders. Was wiederum zu der Frage führen würde, wieso man den Film dann „Suspiria“ nennt.
Ich frage mich da eher, ob Argento sauer war, dass man ihn nicht konsultiert hat und er deswegen gegen das Projekt schießt.

Argento hat mit dem Film schon früh den Höhepunkt seines Schaffens erreicht. Suspiria ist ein Alptraum, der mir eine Gänsehaut bis zum Schluss beschert hat. Das Böse scheint allgegenwärtig und doch kann man es nicht genau ausmachen. Genau das verlangt meine Leidenschaft für diese Filme.

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 2 von 5

Bildquelle: Suspiria © ’84 Entertainment

Fred
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