Double Feature: Escape Room – Review

Escape Room

Mit steigender Beliebtheit von Escape Rooms, war es nur eine Frage der Zeit bis sich diese in Genrefilmen widerspiegeln. Heute schauen wir uns zwei davon an.

Denkst Du gerne? Magst Du aktive Entspannung? Dann ist ein Live Escape Game wie für Dich geschaffen. Eine spannende Herausforderung und ein faszinierendes Gruppenspiel in einem. Die Escape Rooms stellen deine Logik und deine kombinatorischen Fähigkeiten auf die Probe. Spuren und Zusammenhänge müssen gefunden werden, damit Du die auftauchenden Aufgaben erfolgreich lösen kannst. Für den Erfolg im Escape Game brauchst Du ein Team, in dem die Mitglieder einander ergänzen und Herausforderungen willkommen heißen. Während des Spiels entdeckst Du in Dir Fähigkeiten, von deren Existenz Du vielleicht nicht die leiseste Ahnung hattest…

So beschreibt exittheroom.at deren Angebot. Ein Raum. Eine Gruppe. 60 Minuten Zeit um durch das Lösen von Rätseln den Raum wieder zu verlassen. Dieses Spielprinzip gibt es zwar schon seit Jahrzehnten, aber so richtig an Popularität gewann es in den 2010ern und in letzter Zeit nimmt das Phänomen auch im deutschsprachigen Raum Fahrt auf, wodurch in allen größeren Städten mehr und mehr Angebote aus dem Boden schießen. Thematisch darf man sich dabei meist sogar ein bevorzugtes Setting mit dazu passender Geschichte aussuchen. Von Mordfällen über Labore von verrückten Wissenschaftlern bis hin zu Zombie-Apokalypsen ist hier für jeden Geschmack und jede Schwierigkeitsstufe was dabei.

Eine Ausgangslage, die für Horrorfilme und Thriller durchaus einiges an Potential zu bieten hat. Dann wollen wir mal an Hand von zwei Filmen des letzten Jahres schauen, wie gut dieses genutzt wurde.

Escape Room (2017) von Peter Dukes

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Escape Room
USA
86 Minuten
Peter Dukes
Peter Dukes

Schon die Version von Dukes zeigt auf wie gut ein Escape Room als Genre-Film funktioniert. Das Grundszenario macht durchwegs Spaß, auch wenn die Rätsel im Raum nicht mehr als ok sind und kein wirkliches Schnitzeljagd-Feeling aufkommen mag. Dennoch schafft es Peter Dukes hervorragend Spannung aufzubauen und ich muss sagen ich hab mit der Protagonistin richtig mitgefiebert. Was ja schon einmal durchaus für den Film spricht.

Leider ist diese eine junge Frau der Vierergruppe auch schon die Einzige an deren Überleben ich auch nur irgendwie interessiert war. Der Rest besteht aus unausstehlichen Nervensägen. Im Mittelpunkt steht ein „Horrornerd“, der keine Minute auslässt seinen Freunden unter die Nase zu reiben, was für ein „Horrornerd“ er doch ist. Seine Freundin ist hübsches Beiwerk und hat außer „Freundin von“ keinerlei nennenswerte Charaktereigenschaften und darf während des gesamten Films genervt sein. Daneben dann noch das befreundete Paar, welches sogar Charakter „Freundin“ noch gut ausgearbeitet erscheinen lässt. Kurz gesagt: die Charakterzeichnungen sind komplett für die Tonne. Schauspielerisch wird hier leider auch nichts mehr rausgerissen. Allein Skeet Ulrich als Betreiber des Escape Room kann auf der Ebene noch was rausreißen.

Skeet Ulrichs Charakter Brice ist auch mit Abstand der Interessanteste, wodurch es mich sehr wundert, dass dessen Charakter vom Drehbuch links liegen gelassen wird. Brice‘ Escape Room gehörte zu den besten der Stadt und wurde als solcher sogar ausgezeichnet. Leider kämpft die Einrichtung immer mehr mit der Bedeutungslosigkeit und wird nach einer weiteren schlechten Saison bankrott sein. Dies wird jedoch nicht als Ausgangspunkt für die Geschichte genutzt, sondern Dukes weicht auf ein verfluchtes Objekt aus – und viel langweiliger hätte man das nicht lösen können. Das Objekt ist selbstverständlich böse und unverkäuflich, weshalb es besonders viel Sinn ergibt dieses prominent im Verkaufsraum auszustellen. Die Story leidet also nicht nur unter einer mangelnden Charakterzeichnung, sondern auch unter groben dramaturgischen Mängeln.

Dadurch lohnt sich Dukes Escape Room nur als kleiner Pausenfüller für all jene, die keinen großen Wert auf Story und Charaktere legen. Am Ende bleibt ein kleines spannendes Häppchen, das man ohne viel nachzudenken verspeisen sollte. Verdaut und vergessen ist es dann ohnehin schnell.

Escape Room (2017) von Will Wernick

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:

Escape Room
USA
81Minuten
Will Wernick
Noah Dorsey

Der Escape Room von Wernick hat mir wesentlich mehr Spaß gemacht als jener von Dukes. Jedoch ist es mir ein Rätsel, was sich Wernick bei den Charakteren gedacht hat. Ein Haufen unsympathische, schnöselige Endzwanziger bieten jetzt nicht sofort Identifikationspotential. Zudem diese, ohne Witz, dadurch eingeführt werden, dass die sieben Freunde schick essen gehen und die Rechnung weit über 1.000 €, die Person zahlt, deren Kreditkarte zufällig gezogen wird. Ich will da jetzt keine proletarische Kampfesrede halten, aber für viele Menschen ist das ein Monatsgehalt. Mein ja nur. Leider wird die Charakterzeichnung nicht besser. Möglicherweise sollen wir die Personen auch hassen und uns an deren Tod erfreuen. Vielleicht stehen die Freunde auch für den Raubtierkapitalismus, die sich schlussendlich gegenseitig zerfleischen, was weiß ich. Es ist mir auf jeden Fall ein Rätsel, welche Zielgruppe diese Charaktere ansprechen sollen. Ich gehör definitiv nicht dazu.

Bevor es dann auch so wirklich losgeht, müssen wir leider auch noch eine nicht enden wollende Fahrt über uns ergehen lassen, vollgestopft mit den beschissensten Dialogen, die man sich nur vorstellen kann. Wer all dies überspringt und den Film erst zu schauen beginnt, wenn die Gruppe im Escape Room ankommt, macht definitiv keinen Fehler – und verpasst auch rein gar nichts.

Das alles ist aber gar nicht so schlimm, denn der Film macht sobald die Truppe ihr Ziel erreicht hat ziemlich viel Spaß. Die Rätsel sind wesentlich komplizierter und besser ausgearbeitet als bei Dukes und es macht Spaß beim Rätsellösen zuzuschauen. Der Film ist sogar über weite Strecken so konstruiert, dass sich keine gröberen Lücken auftun – oder ich war einfach so gut unterhalten, dass sie mir schlicht und einfach nicht aufgefallen sind. So oder so spricht es für die Qualität des Films.

Grundsätzlich sind Regisseur Will Wernicks und Drehbuchautor Noah Dorsey an einer komplexeren Geschichte interessiert. War es bei Dukes noch ein dubioser Fluch, haben wir es hier mit undurchsichtigen menschlichen Abgründen zu tun. Wernick schraubt die Gewaltschraube auch noch einmal ordentlich nach oben, sodass sogar die Splatterfans in einigen Szenen auf ihre Kosten kommen werden. Jedoch sind die Tode weit vom Saw-Niveau entfernt, an welchen der Film zeitweise durchaus erinnert.

Schauspielerisch konnte mich der hier auch etwas mehr überzeugen, wenn auch hier bestimmt keine Oscars gewonnen werden. Wieso allerdings Elisabeth Hower den halben Film nackt verbringen darf, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.

Auch wenn mir Wernicks Version wesentlich besser gefallen und mich gut unterhalten hat, leidet der Film doch zu sehr an den furchtbaren Charakteren und der zu wenig ausgearbeiteten Hintergrundgeschichte. So bleibt nette Unterhaltung, welche nicht lange im Gedächtnis haften bleibt.

Beide Filme nutzen das Konzept der Escape Rooms nicht voll und ganz aus, aber sie zeigen doch auf, dass diese viel Potential beinhalten. Mal schauen, was uns hier in Zukunft noch erwarten wird. Zumindest Wernicks Version schielt auch ganz offen Richtung Fortsetzung.

Wie sieht es mit euch aus? Lust auf einen Escape Room bekommen?

Bildquelle: Escape Room © Global Genesis Group / Escape Room © Universum Film

Florian Halbeisen

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

...und was meinst du?