Wrong Turn – The Foundation (2021) – Review

Wrong Turn - The Foundation

Nach fünf Sequels zum Backwood-Horror Wrong Turn setzt Ursprungsautor Alan B. McElroy alles auf Null und unterzieht das Franchise einer Frischzellenkur. Wir begeben uns für euch abseits der Wege und prüfen, welches Unheil im Reboot auf euch wartet.

Originaltitel:Wrong Turn
Land:Deutschland/USA/England
Laufzeit:109 Minuten
Regie:Mike P. Nelson
Drehbuch:Alan B. McElroy
Cast:Charlotte Vega, Adain Bradley, Bill Sage u.a.

Hintergründe & Inhalt

Einfach mal in die Wälder und die Seele baumeln lassen – was in den bisherigen WrongTurn-Teilen schon nicht funktionierte, geht auch im lang ersehnten Reboot schief. Eine Gruppe Freunde unternimmt einen Campingausflug in die Berge von West Virginia. Als sie sich entgegen jeglicher Warnungen vom Wanderweg entfernen, nimmt das Unheil seinen Lauf. Eine tief im Wald lebende Gemeinschaft zeigt sich von den Fremden nicht besonders angetan.

Kritik

Das WrongTurn-Franchise hat trotz zunehmendes Qualitätsverlustes einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert im Horrorgenre inne. Dem 2003 erschienenen Original folgten fünf Fortsetzungen, deren Qualität zweifelsfrei diskutabel chargiert, letztlich aber trotzdem ihre Zielgruppe fanden. Verdanken kann die Reihe dies vor allem ihren kultigen Hillbilly-Kannibalen, die über elf Jahre Menschen durch die Wälder jagten. Dieses Konzept war zwar selten von Kreativität geprägt, dafür suhlte man sich aber auf groteske Art und Weise in völliger Akzeptanz dessen, was man ist und sein will. Mit kalkulierter Gleichgültigkeit akzeptierte man, dass die drei Menschenfresser rund um den unangenehm kichernden „Three Finger“ und eine Fülle an unappetitlichen Tötungen ausreichen, um die gewonnene Zielgruppe angemessen zu bespaßen. Das mag vielen Genre-Fans unverständlich erscheinen, ist letztlich aufgrund der Konsequenz aber absolut respektabel.

Wrong Turn - The Foundation

Dass Wrong Turn – The Foundation neue Wege gehen und Altes hinter sich lassen will, war bereits nach dem ersten Trailer keine Überraschung mehr. Diejenigen, die sich also auf ein Wiedersehen mit den bekannten Fieslingen freuten, dürften spätestens hier enttäuscht werden. Die degenerierten Antagonisten weichen einer neuen, zwar ebenfalls rückständigen, aber keinesfalls unbeholfenen Gemeinde, die sich über viele Jahrzehnte hinweg in den Bergen niedergelassen hat. Das Reboot wagt hier einen konsequenten Bruch, der den Bezug zu seinen sechs Vorläufern gänzlich abschüttelt. Genau genommen hat The Foundation, abgesehen davon, dass wieder einmal eine unschuldige Gruppe den falschen Weg einschlägt, überhaupt nichts mehr mit seinen Vorgängern gemein. Bei allem Respekt, den man dem Reboot für seinen Mut durchaus sollte, gelingt es dem neuesten Streich der Reihe dann allerdings doch erstaunlich selten zu überzeugen. Eines der Probleme liegt hier bei den Antagonisten.

Wrong Turn - The Foundation

Die erinnerungswürdigen Degenerierten aus der Originalreihe werden durch profillose Waldmenschen ausgetauscht, die so wenig bedrohlich wirken, dass man sie, sobald sie aus dem Bild verschwunden sind, schon aus seinem Gedächtnis gelöscht hat. Aber auch mit Blick auf die Story besitzt The Foundation außerordentlich wenig Wiedererkennungswert. Auf den ersten Blick erscheint der Film innerhalb des Franchises noch überraschend erfrischend, bewegt sich aber in dem Backwood-Genre selbst dann doch auf ausgetretenen Pfaden. Der Sprung von der einfachen Hetzjagd hin in eine rückständige Gemeinschaft überzeugt nur oberflächlich und erweist sich dann doch überraschend schnell als dysfunktional. Was zu Beginn noch wie eine durchaus spannende Konfrontation zwischen zwei verschiedenen Welten und moralischen Grundsatzfragen wirkt, wird wenig später mit undurchdachten Details gleich wieder zu Grabe getragen. Zwar erscheint Mike P. Nelsons (The Domestics) Reboot im Gegensatz zu den Fortsetzungen des Originals im Kern deutlich ernster und erwachsener, dafür aber an zu vielen Stellen reichlich überambitioniert und ausgesprochen konfus.

Wrong Turn - The Foundation

Wer sich bereits durch die sechs Teile der Original-Reihe wühlte, dürfte von The Foundation zumindest auf handwerklicher Ebene überrascht werden. Die zuletzt ausgiebig genutzte, mangelhafte Effekt-Arbeit aus dem Computer weicht endlich wieder handgemachten Schmierereien. Auch wenn die Maskenarbeit hier und da ein wenig schludrig wirkt, geht man hier insgesamt wieder drei Schritte nach vorne und lässt das amateurhafte CGI hinter sich. Zumindest in dieser Hinsicht gelingt dem Reboot ein klarer Stufenanstieg. Insgesamt lässt sich The Foundation inszenatorisch, gerade in den Szenen, in den es richtig zur Sache geht, ausgesprochen wenig vorwerfen.

Fazit

Den Mut zur Veränderung kann man Wrong Turn – The Foundation hoch anrechnen; leider beweist Nelsons Reboot aber auch, dass neu nicht unbedingt immer besser ist. Autor Alan B. McElroy, der auch schon für das inzwischen 18-jährige Original verantwortlich zeichnete, zeigt eindrucksvoll auf, dass das Verkomplizieren einer einfachen, aber durchaus funktionierenden Prämisse im Zweifel auch ganz schnell nach hinten los gehen kann. The Foundation, der zu oft an seiner eigenen Dramaturgie und innerfilmischen Logik scheitert, mangelt es an Originalität innerhalb des Backwood-Subgenres, an Wiedererkennungswert und ist somit etwas, das eine Franchise-Wiedererweckung einfach nicht sein darf: völlig belanglos.

 

Bewertung

GrauenRating: 3 von 5
SpannungRating: 2 von 5
Härte Rating: 3 von 5
Unterhaltung Rating: 2 von 5
Anspruch Rating: 2 von 5
GesamtwertungRating: 2 von 5

Ab 22.07.2021 im Handel:

Wrong Turn - The FoundationWrong Turn - The Foundation

Bildquelle: Wrong Turn – The Foundation © Constantin Film Verleih GmbH

Jan Ott

ein Kommentar

  • Der neue wrong turn der driftet voll ab .Ich hab mir denn film komplett angeschaut und mein Geschmack is er leider nicht voll und ganzen würde ich eine 3- geben. Die hätten denn film ein andern Titel geben sollen .

...und was meinst du?