13 Horrorfilme aus dem Krankenhaus, die ihr gesehen haben solltet!

Krankenhaus

8. Session 9 (2001)

Gordon steht mit dem Rücken zur Wand. Seiner Firma droht der Ruin, der nur noch von einem großen Auftrag abgewendet werden kann. So müssen er und seine Mitarbeiter eine inzwischen stillgelegte Klinik in Rekordzeit vom Asbest befreien. Doch hinter den Mauern verbirgt sich so manches Geheimnis.

Was Brad Andersons Klinik-Horror so besonders macht, ist vor allem die Wahl des Schauplatzes. Gedreht wurde Session 9 nämlich in dem 1992 geschlossenen Danvers State Hospital. Anderson katapultiert die Zuschauer somit nicht nur in sterile Krankenhausräumlichkeiten, sondern in einen real existierenden Schauplatz, der federführend für die einnehmende Atmosphäre verantwortlich zeichnet. Das stillgelegte Krankenhaus scheint zwar alt und vermodert, vermittelt ob seiner Erscheinung und dem teilweise zurückgelassenen Inventar aber immer noch ein Gefühl für längst vergangene Aktivitäten. Das Durchstöbern alter, beunruhigender Tonbandaufnahmen schlüsselt zudem Stück für Stück das Vorgehen innerhalb der kalten Mauern auf. Regisseur Brad Anderson (The Call) erzeugt durch das Auffrischen vergangener Gräueltaten und der Auseinandersetzung mit dissoziativen Identitätsstörungen einnehmenden Schauer und psychologische Tiefe zugleich und nimmt direkten Bezug auf einen Mordfall Mitte der 1990er Jahre. Punkten kann Session 9 außerdem mit seinen Charakteren, die mit zunehmender Laufzeit immer deutlicher psychische Schwächen erkennen lassen. Anderson gelingt das Aufgreifen psychischer Krankheitsbilder ebenso gut wie der strukturierte Aufbau seiner Geschichte, der sich fortführend Stück für Stück zusammensetzen lässt.

Session 9 überzeugt mit seiner Story, seiner Charakterzeichnung und – ganz besonders – mit der Wahl seines realen Schauplatzes. Andersons Mystery-Horror zeigt sich zwar nicht frei von Schwächen, lässt aufgrund des ungemein schaurigen Danvers State Hospital aber enorm viel verschmerzen. [Jan]

7. Fragile (2006)

Das baufällige Krankenhaus Mercy Falls auf der Isle of Wight steht kurz vor der Schließung. Ein Zugunglück und die damit einhergehende Überbelastung der umliegenden Krankenhäuser verhindert jedoch den frühzeitigen Abtransport der im Mercy Falls einquartierten Kinder. Die aus London stammende Krankenschwester Amy (Calista Flockhart) soll für die letzte Zeit einen Job übernehmen, muss jedoch schnell feststellen, dass das Hospiz ein dunkles Geheimnis birgt.

Dass Jaume Balaguerós (RecSleep Tight) klassische Geistergeschichte trotz narrativer Konventionalität und wenig Mut für ideenreiches Auftreten eine tadellose Wirkungskraft verzeichnen kann, liegt vor allem in der Kombination aus Setting und investigativem Aufdröseln der mysteriösen Vorfälle. Das Krankenhaus, eine Mischung aus sterilen Räumlichkeiten und stillgelegter Gruseletage – Letztere wird oft nur unserer Vorstellung überlassen – reproduziert ein Gefühl der Verletzlichkeit, bietet ob der wiederkehrenden, rätselhaften Vorfälle gleichzeitig eine ungemein orphische Aura, der man sich schlicht ausgeliefert fühlt. Das Aufstöbern neuer Details, der Blick in längst vergessen geglaubte Patientenakten und Videoaufnahmen sorgen für schaurigen Grusel und helfen den Zuschauer:innen beim Entschlüsseln der Ursache der grauenvollen Ereignisse. Die Dynamik, gerade zwischen Calista Flockhart und den Kinderdarsteller:innen, erweist sich als anstandslos glaubwürdig und federführend für die Emotionalisierung der Geschichte. Gewalteinlagen bietet Fragile nahezu keine, beschränkt sich lieber auf schaurigen Grusel als auf Bluteskapaden und spielt seine Stärken gekonnt aus.

Fragile überzeugt aufgrund seiner unaufgeregten Erzählung, seiner mitunter wundervollen Darsteller und seines einnehmenden Settings. Auch wenn sich die Geistergeschichte nicht in dramaturgischer Extravaganz suhlt, bietet das Aufstöbern der Details rundum die schaurigen Vorfälle jede Menge Spannungspotential. Allerfeinster Krankenhaus-Horror für Leute, die es gerne ruhiger angehen lassen. [Jan]

6. Grave Encounters (2011)

TV-Sendungen über das vermeintlich Übernatürliche und Unerklärliche erfreuen sich schon seit Dekaden großer Beliebtheit, sei es die von Leonard Nimoy moderierte Sendung In Search of… oder X-Factor mit Jonathan Frakes. Während hier Szenen noch nachgestellt wurden, revolutionierte MTV’s Fear das Supernatural Reality TV mit einem Found-Footage-Stil, der auch spätere Geisterjäger-Sendungen beeinflussen sollte. Eine der beliebtesten dieser Sendungen ist Ghost Adventures (2008-), bei der Geisterjäger rund um Zak Bagans vermeintlich verfluchte Orte untersuchen.

Genau jene Sendung diente Colin Minihan und Stuart Ortiz, auch bekannt als The Vicious Brothers (It Stains the Sands Red), als Inspiration für ihren Found-Footage-Grusler Grave Encounters, der einem fünfköpfigen Aufnahmeteam in das verlassene Collingwood Psychiatric Hospital folgt, wo schon seit Jahren unerklärliche Phänomene wahrgenommen werden. Dort eingesperrt wollen sie eine Nacht verbringen, um dem Spuk auf den Grund zu gehen.

Die Vicious Brothers machen sich mit Grave Encounters dann eben auch genau das zunutze, was eben schon schon im Reality TV funktioniert: sie geben uns das Gefühl, direkt vor Ort zu sein und zusammen mit der Crew die heruntergekommene Psychiatrie erkunden zu dürfen, was durch den Found-Footage-Stil perfekt zur Geltung kommt. Es kommt dem Film hier sehr zu Gute, dass sich das Team auch nicht sofort auf das Gebäude stürzt, sondern zuerst in mit Archivmaterial unterlegten Erläuterungen und Interviews historische Hintergründe und wiederholt aufgetretene Phänomene erklärt werden, dies verleiht der Psychiatrie, bevor wir sie überhaupt von innen sehen können, eine ominöse, bedrohliche Aura. Allein durch das Wissen, dass in den heruntergekommenen Räumlichkeiten unethische Experimente an Patient*innen stattgefunden haben, wirken diese gleich noch einmal um ein Vielfaches gruseliger.
Grave Encounters zieht ab dem Betreten der Psychiatrie und dem voranschreitenden Erkunden immer mehr die Daumenschrauben an und entzieht dem Publikum peu à peu die Orientierungspunkte, sodass ein Gefühl für Raum und Zeit immer mehr verloren geht, bis schlussendlich die dunklen Geheimnisse dieser Anstalt jeden und jede einzelne eingeholt haben wird. [Florian]

5. Eine Seite des Wahnsinns (1926)

Der Klassiker aus der Stummfilm-Ära spielt in einer Anstalt auf dem japanischen Lande, wo sich ein namenloser Mann (ergreifend: Masuo Inoue) als Hausmeister verdingt. Während sintflutartiger Regenfälle stellt er uns die Patienten samt ihrer geistigen Leiden vor, indem er durch ein Geflecht an dunklen Fluren stapft. Tags darauf erscheint die hübsche Tochter des Hausmeisters, die sich überrascht zeigt, ihn dort anzutreffen. Häppchenweise erfahren wir von seiner Motivation: Der ehemalige Seemann trat den Dienst an, um seiner Ehefrau nahe zu sein, wegen der ihn Schuldgefühle plagen. Plant er womöglich ihre Entführung aus dem gewalttätigen, einem Gefängnis gleichenden Haus? Jedenfalls steht er bereit einzugreifen, damit die Hochzeitspläne seiner Tochter gelingen. Allmählich reichen sich Realität, Traumwelt und Hirngespinste die Hände bis sie eins werden im Fiebertanz des Moments.

Das Künstlerkollektiv namens Shinkankakuha verabschiedete sich vom strengen Naturalismus zugunsten eines experimentellen Ansatzes. Shinkankakuha bedeutet „Schule der Neuen Wahrnehmungen’“ und was seinerzeit die Sehgewohnheiten reizen sollte, funktioniert nach bald einem Jahrhundert immer noch bestens: War das nicht eben eine Katze, die bei Nacht durchs Gemäuer huschte? Warum nur schießt uns anschließend im Sonnenlicht der schlappohrige Hund entgegen… Das Vexierspiel mit der Erwartungshaltung lockert inmitten des tragischen, angstbeladenden Stoffes kurzzeitig vergnüglich auf und sorgt für Erleichterung.

Eine Seite des Wahnsinns samt den avantgardistisch ausufernden Phantastereien, Theater-Masken und Fratzenbildern sowie all dem wilden Gelächter stellt einen grotesken, ersten Glanzpunkt des Krankenhaus-Horror dar. Zwar wissen wir inzwischen, dass die Zustände in den sogenannten Irrenanstalten realiter katastrophal waren, im Jahre 1926 muss eine solch drastische Darstellung aber äußerst provozierend gewirkt haben. Als über vierzig Jahre lang verloren geglaubtes Kleinod des Stummfilms beeindruckt Eine Seite des Wahnsinns auf technischer Ebene und schockt auf der emotionalen. Ein lebendig vibrierendes Stück Horrorgeschichte. [Michaela]

4. The Power (2021)

1974: Val ist Krankenpflegerin in Ausbildung und hat gerade erst ihre Stelle im Royal Infirmary in East London angetreten. Doch schon an ihrem ersten Tag muss die junge Frau die Nachtschicht im Krankenhaus verrichten. Da wegen Sparmaßnahmen abends der Strom abgeschaltet wird, ist nicht nur ein Großteil des Krankenhauses evakuiert, sondern die Zimmer und Flure sind nur mit spärlicher Notbeleuchtung illuminiert. Val muss sich nicht nur mit ihrer Angst vor der Dunkelheit, sondern auch mit merkwürdigen Geschehnissen auseinandersetzen, die in dem alten Gebäude vor sich gehen.

Regisseurin Corinna Faith widmet sich in ihrem Spielfilmdebüt The Power den Ängsten einer jungen Frau in einem britischen Krankenhaus der 70er Jahre. Hierbei sticht ihr Geschick für den Aufbau von Spannung und Atmosphäre hervor. Die dunkle Heilstätte ist nur in eine unheilvoll flackernde Notbeleuchtung getaucht. Es sind nur noch wenige Patienten in dem heruntergekommenen Krankenhaus, so dass es gespenstisch still ist. Dadurch entsteht das ideale Setting, in dem sich die Bedrohung aus der düsteren Vergangenheit des Ortes manifestiert und die dunklen Flure heimsucht – oder einem einfach die Imagination einen Streich spielen kann.

Besonders gut ist die Entwicklung der jungen Protagonistin Val herausgearbeitet. Die unerfahrene Frau muss sich nicht nur mit der strengen Krankenhaushierarchie auseinandersetzen, an deren Ende sie steht, sondern auch mit ihrer Angst vor der Dunkelheit. Im Laufe der Handlung lernt sie nicht nur, ihre Angst zu besiegen, sondern deckt auch mutig das dunkle Geheimnis des Krankenhauses auf.

Corinna Faith lies mit The Power einen hervorragenden und wichtigen Krankenhaus-Horrorfilm entstehen, der neben fein austariertem Spannungsaufbau und hervorragender Schauspielleistungen auch mit einer überraschenden Auflösung aufwartet. [Andreas]

DarkForest

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