Das Dorf der Verdammten (1995) – Review

Das Dorf der Verdammten

In John Carpenters Neuverfilmung von Das Dorf der Verdammten kämpft Superman Christopher Reeve gegen eine Gruppe zerstörungswütiger Kinder, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Wir verraten euch, ob sich die Reise in das Dorf der Verdammten lohnt.

Originaltitel: Village of the Damned
Land: USA
Laufzeit: 95 Minuten
Regie: John Carpenter
Drehbuch: David Himmelstein
Cast: Christopher Reeve, Kirstie Alley, Linda Kozlowski u.a.
VÖ: ab 11.11 als VoD und ab 18.11 als Steelbook

Inhalt

Ein bizarres Phänomen trifft die nordkalifornische Kleinstadt Midwich: Während der Feier zum Dorfjubiläum verlieren alle Einwohner:innen das Bewusstsein. Sechs Stunden später ist alles vorbei und bis auf ein paar bedauerliche Todesfälle scheint das Leben weiterzugehen. Doch dann stellt der Arzt Dr. Alan Chaffee (Christopher Reeve, Deathtrap) fest, dass zehn Frauen aus dem Ort, darunter auch seine eigene, schwanger sind. Nicht nur, dass sie zur selben Zeit ihre Kinder gebären, diese sehen sich auch zum Verwechseln ähnlich und entwickeln mit zunehmenden Alter beängstigende übernatürliche Fähigkeiten. Unter der Führung von Dr. Chaffees Tochter Mara (Lindsey Haun, Shrooms) scheinen die Kinder einen tödlichen Plan zu verfolgen und wer sich ihnen widersetzt, wird gnadenlos beseitigt.

Kritik

Basierend auf dem gleichnamigen Schwarz-Weiß-Thriller von Wolf Rilla aus dem Jahr 1960 und John Wyndhams Roman „Kuckuckskinder“, bleibt John Carpenters (Die Mächte des Wahnsinns) Adaption den Vorlagen weitestgehend treu, verlagert seine Handlung jedoch von England nach Nordkalifornien. Viele Handlungsstränge sind nahezu identisch, auch wenn es ein paar Modernisierungen gibt und Carpenter eine ordentliche Portion grafische Gewalt hinzufügt.

Das Dorf der Verdammten

Drehbuchautor David Himmelsteins unausgegorener Versuch, neue Akzente zu setzen,  wird von  Christopher Reeve kompensiert und der Schauspieler gibt alles, um dem Film emotionales Gewicht zu verleihen. Reeve strahlt sanfte Autorität und Rechtschaffenheit aus, die im starken Kontrast zur kühlen Amoralität der Kinder steht. Diese unterscheiden sich äußerlich kaum von denen des Originals. Auch wenn der Film ein farbiges Update ist, bleiben die Kinder mit ihrer blassen Haut und den weißen Haaren in einer grauen Uniform gekleidet. Einerseits eine Art visuelle Isolation, andererseits ein Indiz für die tatsächliche, denn ihre wahren Absichten verschleiern die Kinder nie. Die Subtilität aus Rillas Film ist gänzlich verschwunden und die kleinen Monster sind bösartiger, brutaler und gnadenloser. Allen voran die junge Lindsey Haun als Mara, die eine eiskalte, arrogante Superschurkin abgibt. Mühelos arbeitet sie sich durch Dialoge und muss sich vor ihren erwachsenen Kolleg:innen, mit denen sie die Szenen teilt, nicht verstecken. Carpenters Änderungen zum Original, wo die Kinder noch von einem Jungen angeführt wurden,  erweist sich als Glücksgriff.

Das Dorf der Verdammten

Aufwühlend ist auch das Drama innerhalb der geschlossenen Gruppe, wenn eines der Kinder plötzlich Emotionen und Empathie entwickelt. Tatsächlich ist der Kampf um Menschlichkeit, die dem Großteil der Kinder völlig fremd ist, eine wichtige und spannungssteigernde Änderung in Himmelsteins Drehbuch.  Allgemein machen die jungen Schauspieler:innen einen wunderbaren Job, indem sie die Belanglosigkeit einiger erwachsener Figuren auffangen, die nur dazu da sind, um getötet zu werden. Hier werden Atmosphäre und Unheimlichkeit zugunsten grundloser Gewalt oftmals einfach aufgegeben.

Die einst freundliche und verschlafene Stadt Midwich entwickelt sich zu einem grauenvollen Ort, in dem nicht nur ein Teil der Bevölkerung unter mysteriösen Umständen verstirbt, sondern auch Misstrauen, Isolation und Wahnsinn die Menschen befallen. Carpenter versteht es, die Kleinstadt von einem lebenswerten Ort in einen wahrgewordenen Albtraum zu verwandeln. Es herrscht eine allgegenwärtige Aura der Traurigkeit, die alles durchdringt.

Das Dorf der Verdammten

Trotz engagierter Besetzung und hervorragender visueller Momente, tragen weder Drehbuch noch Carpenters halbherzige Regie dazu bei, die Zuschauenden wirklich an die Geschichte zu binden oder dauerhaft Spannung zu erzeugen. Stattdessen wird oftmals einer erzwungen wirkenden Gewalt der Vorrang gegeben. Der Film versperrt sich wichtigen gesellschaftlichen Themen der 1990er-Jahre in den Vereinigten Staaten und verschenkt das Potenzial, aktuellen Problemen wie beispielsweise Abtreibung, Vergewaltigung oder religiösem Eifer Ausdruck zu verleihen. Die Modernisierung, die bei Das Ding aus einer anderen Welt so gut funktionierte, bleibt hier völlig auf der Strecke. Zudem gibt viele Ereignisse im Film, die emotional sein sollen, durch die distanzierte Erzählweise aber unglaublich kalt und beliebig wirken. Szene für Szene schleppt sich der Film nach vorne, ohne die einzelnen Entscheidungen und Handlungen der Figuren plausibel zu erklären.

Das Dorf der Verdammten

Fazit

Während Drehbuchautor Himmelstein und Regisseur Carpenter das Hauptthema der Vorlage beibehalten und um einige gut durchdachte Änderungen erweitern, bleibt die Geschichte schlussendlich auf der Strecke. Unnötige und unentwickelte Nebenhandlungen zerstreuen die saubere Spannung, sodass Das Dorf der Verdammten nie die Stärke des Originals erreicht. Anstelle einer dichten, durchdringenden Atmosphäre des Grauens gibt es exzessive Gewaltausbrüche, die nur ein überwältigendes Gefühl der Sinnlosigkeit vermitteln.

Bewertung

Grauen Rating: 2 von 5
Spannung Rating: 2 von 5
Härte  Rating: 2 von 5
Unterhaltung  rating3_5
Anspruch Rating: 2 von 5
Gesamtwertung Rating: 2 von 5

ab 18.11.2021 im Handel:

Das Dorf der Verdammten

Bildquelle: Das Dorf der Verdammten © Koch Media

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