13 Horror-Geheimtipps, die ihr wahrscheinlich noch nicht kennt

Geheimtipps

3. Horsehead (2014)

Die Teenagerin Jessica leidet seit Jahren unter furchtbaren Albträumen, in denen sie von einer dämonischen Gestalt mit einem Pferdekopf verfolgt wird und die sie nicht zu deuten vermag. Mit ihrem Freund Sean, einem Psychotherapeuten, trainiert sie die Fähigkeit, ihre Träume bewusst zu erleben und auf diese Einfluss zu nehmen, um ihren Albträumen damit auf den Grund zu gehen. Die Situation verschlimmert sich allerdings, als ihre Großmutter stirbt und sie diese anschließend in einem weiteren abgründigen Albtraum sieht. Zudem mehren sich Hinweise auf ein dunkles Familiengeheimnis. Erst eine weitere Konfrontation mit der Pferdegestalt soll sowohl Jessicas Ängste mindern als auch Licht ins Dunkel bringen.

Regisseur und Drehbuchautor Romain Basset liefert mit Horsehead sein Spielfilmdebüt ab, das auf dem L’Étrange Festival in Paris seine Premiere feierte. Der Titel Horsehead bezieht sich auf das Monster in Jessicas Träumen, eines der vielen Symbole im Film, das aber mit Abstand das fürchterlichste und einprägsamste ist. Zunächst beginnt die Geschichte linear und erst nach und nach übernehmen die düsteren Albträume das Ruder, die auch zunehmend in Jessicas Realität überhandnehmen. Basset treibt die Story anhand von Traumsymbolen und bedeutungsschwangeren Momenten stetig voran und findet trotz des begrenzten Budgets eine starke Bildsprache. In die Traumsequenzen werden auch die Familiengeschichte und die Charakterzeichnung verschiedenster Figuren kreativ eingewebt, so dass Horsehead nicht nur ein abstraktes Bild nach dem anderen liefert, sondern diese entscheidend zur Auflösung des großen Geheimnisses beitragen.

Der Film ist inszenatorisch ungewöhnlich und mit einer klaren Handschrift umgesetzt wurde, wodurch Horsehead sein Publikum in einen paralysierenden Albtraum entführt, den ich so bisher kein zweites Mal gesehen habe. [Mathias]

2. La Casa Lobo (2018)

In düster-märchenhaften Bildern nähert sich La Casa Lobo dem ganz realen Horror der „Colonia Dignidad“ an. Von deutschen Auswanderern 1961 in Chile gegründet, wahrte die christliche Religionsbewegung nach außen das Bild der friedliebenden Gemeinschaft, während die Mitglieder – darunter zahlreiche Minderjährige – unter sklavenartigen Bedingungen auf dem Gelände der Kolonie lebten, das nach dem Putsch von Diktator Pinochet 1973 auch für die Folterung von Regimegegner:innen genutzt wurde. 2016 kündigte Deutschland eine umfassende Aufarbeitung an – da war die Kolonie bereits unter Zwangsverwaltung gestellt und der Gründer Paul Schäfer des sexuellen Missbrauchs von 27 Kindern für schuldig befunden. In den Jahrzehnten zuvor hatte die deutsche Außenpolitik, trotz der Berichte von Geflüchteten, weggeschaut.

La Casa Lobo zeigt eine junge Frau namens María, die aus Angst vor einer Bestrafung aus der Siedlung flieht und in einer Hütte im Wald Zuflucht findet. Dort lebt sie mit zwei Schweinen, die sich allmählich in Menschen verwandeln, während ein Wolf um die Hütte streift. Ist María hier in Sicherheit?

Joaquín Cociñas und Cristóbal Leóns La Casa Lobo beleuchtet ein düsteres Kapitel der Geschichte, dessen umfassende Aufarbeitung bis zum heutigen Tag aussteht, und schafft dabei betörend-albtraumhafte Visionen mit starker metaphorischer Kraft. So märchenhaft die Erzählung beginnt: La Casa Lobo verhandelt den Versuch einer radikalen Selbstbehauptung. Das verlassene Haus wird zur Projektionsfläche von Marías Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und zugleich zum Ort der Heimsuchung durch die erlittenen Traumata. Der umherstreifende Wolf dringt zwar nicht physisch in die Hütte ein, doch seine unheimliche Präsenz lagert sich als Voice-Over über Marías eigene Stimme und droht ihre kindliche Fantasiewelt permanent zum Einsturz zu bringen.

Visuell setzt der Film diese gegenseitige Durchdringung als Collage aus Pappmaché-Gebilden, Zeichentrick- und Stop-Motion-Technik um, die unermüdlich fragmentarische Umgebungen, Figuren und Gegenstände hervorbringt, sie transformiert und kollabieren lässt – um daraus wiederum etwas Neues entstehen zu lassen. Wie Bastelprojekte aus Kinderhand sehen diese hybriden Welten aus, die einzig der (Alp-)Traumlogik gehorchen und Marías Trauma erlebbar machen als zwar seine Gestalt ändernden, aber immer wiederkehrenden Horror. [Catherin]

1. Demons (1971)

Ein herrenloser Samurai bekommt dank der Bemühungen eines treuen Dieners eine große Geldspende. Damit hätte er die Möglichkeit, sich seiner früheren Gruppe von Rōnin wieder anzuschließen, nutzt aber stattdessen das Geld, um eine Geisha, die er heiraten will, von ihrem Herrn freizukaufen. Doch die Involvierten dieses Tauschgeschäftes treiben ein doppeltes Spiel mit dem Samurai, der auf die folgende Demütigung nur eine Antwort kennt: blutige Rache.

Demons ist ein wahrhaft abgründiges Rachedrama, dessen Handlung einen wie in einem Strudel immer tiefer ins Verderben zieht. Das Tempo ist extrem bedächtig, jedoch ist Demons durch den Einsatz von irreführenden Vision- und Traumszenen bei der Gestaltung seiner Narration durch und durch korrupt. Oftmals entpuppt sich das Gezeigte als bloße Vorahnung, die vorerst vermeintlich nicht eintritt, nur um sich anschließend auf noch fatalere Weise doch noch zu erfüllen. Dadurch demaskiert der Film jede Hoffnung auf eine friedvollere Entwicklung der Geschichte als närrische Illusion. Demons spielt mit diesem eigens entfachten Misstrauen des Publikums, das bei den zahlreichen grausamen Szenen die Auflösung als reine Fantasie erhofft. Doch statt Erlösung präsentiert der Film nur grausame Gewissheit darüber, zu welchen unvorstellbaren Gräueltaten Menschen fähig sind. Und dass Rache als erbarmungsloser, alles verschlingender Akt nichts als Spuren der Verwüstung zurücklässt. Solche Dämonen, wie sie in Demons wandeln, können nur aus den tiefsten Abgründen emporsteigen, wenn die Welt der Menschen am dunkelsten ist.

In atemberaubenden Bildern erzählt Demons eine dermaßen nihilistische Geschichte, dass es nur konsequent ist, dass der Film ausschließlich bei Nacht spielt. Ein dankbarer Umstand für den Kameramann Tatsuo Suzuki, denn einige dieser Bilder aus Licht und Schatten sind wahrlich nicht von dieser Welt. Einen solch finsteren Film wird man selten zu Gesicht bekommen. [Robert]


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