13 Corman-Produktionen, die ihr gesehen haben solltet

Corman

8. Die Folterkammer des Hexenjägers (1963)

Mitte des 18. Jahrhunderts wird der Hexenmeister Joseph Curwen (Vincent Price, Das Pendel des Todes) von einem Lynchmob aus wütenden Dorfbewohnern der neu-englischen Kleinstadt Arkham auf dem Scheiterhaufen verbrannt, verflucht die Einwohner samt ihrer Nachkommen und schwört grausame Rache. 110 Jahre später kommt Curwens direkter Nachfahre Charles Dexter Ward in die Stadt, um sein Erbe anzutreten. Im verfallenen Anwesen angekommen, dauert es nicht lange, bis Ward schon bald unter dem Bann seines Ahnen steht und mit Hilfe eines magischen Buches Verbindung mit finsteren Mächten aufnimmt.

Obwohl Die Folterkammer des Hexenjägers im Originaltitel – The Haunted Palace – nach einem Gedicht Edgar Allan Poes benannt ist und dem Poe-Zyklus zugeordnet wird, basiert er auf der Kurzgeschichte „Der Fall des Charles Dexter Ward“ von H.P. Lovecraft. Corman wollte mit dem Film etwas Neues probieren und wählte deshalb die Geschichte des Schriftstellers aus Providence. AIP änderte den Titel des Films gegen Cormans Willen, um Kontinuität mit der beliebten Poe-Reihe zu suggerieren.

Dennoch ist gibt es trotz des starken Einfluss von Lovecraft Ähnlichkeit zu den vorigen Poe-Verfilmungen und Corman schafft eine Harmonie zwischen beiden Autoren, in dem er erfolgreich Ästhetik, Themen und Atmosphäre verbindet. Lovecrafts Fiktion thematisiert eine pessimistische Welt, ohne Hoffnung und von schrecklichen Kreaturen bewohnt, die unter der Oberfläche lauern. Auch Die Folterkammer des Hexenjägers bietet keine Zuversicht, sondern die Figuren bewegen sich unaufhaltsam in Richtung Chaos und Verfall. Die Zerbrechlichkeit des menschlichen Geistes wird in den Figuren von Vincent Price deutlich. Bemerkenswert leichtfüßig wechselt er zwischen dem nachdenklich, kultivierten Charles Dexter Ward zu dem bedrohlich kalten Joseph Curwen.

Die Dunkelheit der Thematik spiegelt sich auch im Setting wider. Das Leben wird nicht nur aus der Stadt und ihren Bewohnern gesogen, sondern auch aus den Bildern. Die Kamera schwenkt anmutig durch dunkle Gänge, neblige Dorfstraßen und feuchte, schattige Plätze. Trotz des detailreichen Einrichtung und einer dramatischen Beleuchtung gibt es nur ein gedämpftes Kolorit, wobei die Stadt in einen stetigen Nebel getaucht wird. [Jana]

7. Forbidden World (1982)

In einer fernen Zukunft arbeitet ein Forscherteam auf dem entfernten Wüstenplaneten Xarbia an einer Lösung für die Nahrungsmittelkrise in der Galaxis. Dafür entwickelten sie eine Lebensform aus künstlicher DNS. Doch „Subject 20“ mutiert wesentlich schneller als erwartet und gerät außer Kontrolle. Nur Spezialist Mike Colby kann die Crew noch davor bewahren, auf der Speisekarte des Mutanten zu landen.

Aus dem Hause Corman kommt dieses pornös angerichtetes Alien-Rip-off, bei dem es nicht schwer fällt über die chauvinistischen Abziehbildchen von Charakteren, die reduzierte und vorhersehbare, aber zweckdienliche Story sowie das äußerst geringe Budget hinwegzusehen.

Denn trotz der geringen Mittel sind Body Horror und Alienschleim hervorragend geworden, ebenso wie, bis auf einige Ausnahmen, die praktischen Splattereffekte. Der wütende Mutant hingegen besticht nur mäßig, bewegt sich vor allem sehr unglaubwürdig.

Aber: gar nicht so schlimm! Denn in beeindruckender Taktung und gutem Tempo inszeniert Holzman hier ein klebriges Abenteuer, das trotzdem gut funktioniert und vor allem die üblichen Langeweilestrecken vieler Corman-Produktionen ganz vermissen lässt. Ergänzt wird dieses von liebenswerten Details wie dem Roboter SAM oder dem famosen einsamen Blasinstrumentspiel Brians, in das herrlich aus Mikes erstem Techtelmechtel übergeschwenkt wird.

Am meisten überzeugt jedoch sein primärer Schauplatz, die Raumstation auf der Oberfläche der Forbidden World selbst. Noch nie waren Eierkartons und Take-Away-Boxen so bezaubernd, denen man ihren Ursprung durchaus ansieht, die aber trotzdem wirklich gut funktionieren. Einfach gebaut, große Wirkung.

Ein spaßiges Unterfangen für alle Freunde von exploitativem Low-Budget-Sci-Fi-Horror. [Alexander & Florian]

6. Das Pendel des Todes (1961)

Spanien im 16. Jahrhundert: Der Engländer Francis Barnard besucht seinen Schwager Don Nicholas Medina (Vincent Price, Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes), um die genauen Umstände des Todes seiner Schwester Elizabeth (Barbara Steele, Die Stunde, wenn Dracula kommt) zu erfahren. Sein Gastgeber scheint etwas verbergen zu wollen und dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit überschatten die Gegenwart. Schon kurz nach seiner Ankunft häufen sich im Schloss die seltsamen Vorfälle und während Barnard die Dienstboten des grausamen Spuks verdächtigt, ist der wahnsinnige Medina sich sicher – es ist die tote Elizabeth, die sich an ihm rächen will.

In Das Pendel des Todes setzt der erklärte Edgar-Allan-Poe-Liebhaber Roger Corman dem Meister des Grauens ein filmisches Denkmal. Übertriebene Werktreue ist dabei ganz offensichtlich nicht sein Schlüssel zum Erfolg, denn bis auf das titelgebende Folterwerkzeug hat seine Adaption nichts mehr mit der Vorlage gemein. Dennoch ist der Film unverkennbar von den düster-morbiden Kurzgeschichten des amerikanischen Schriftstellers inspiriert und fängt die fantastisch-groteske Atmosphäre seiner Geschichten ebenso wie deren Faszination für die Schattenseiten der menschlichen Natur ein.

Gewohnt routiniert und sensationsorientiert setzt Corman die schwarzromantische Spuk- und Rachegeschichte um und macht dabei glatt vergessen, dass Das Pendel des Todes innerhalb von gerade einmal fünfzehn Tagen abgedreht wurde. Das sturmumpeitschte Schloss, die spinnwebenverhangene Folterkammer mitsamt dem hypnotisch schwingenden Pendel, die spitzen Schreie und die schreckgeweiteten Augen lassen die wildesten Schauerfantasien wahr werden – und die Kamera scheint stets genau zu wissen, aus welchem Winkel sie den Horror einzufangen hat. Ein schrecklich-schönes Spektakel. [Catherin]

5. The Dunwich Horror (1970)

Es sind die ausgehenden 1960er Jahre in Arkham, Massachusetts. Die Philosophie-Studentin Nancy macht die Bekanntschaft des Okkultismus-interessierten Wilbur Whateley, als dieser sich ein seltenes Buch ausleihen will, das einem von Nancys Professoren, Dr. Armitage, gehört. Dieser verweigert Whateley die Ausleihe; Nancy jedoch ist von der mysteriösen Aura des jungen Mannes wie gebannt. Ohne Necronomicon, dafür aber mit Nancy an seiner Seite begibt sich Wilbur zurück in seinen Heimatort Dunwich, wo er mit seinem knausrigen Großvater das alte Familiengehöft bewohnt. Von Wilbur unter Drogen gesetzt merkt Nancy nicht, dass sich neben ihnen noch etwas anderes, ungeheuerliches in dem Haus befindet…

Ursprünglich mit der italienischen Regie-Legende Mario Bava auf dem Regiestuhl geplant, entstand unter der Schirmherrschaft von Berufs-Chaot Roger Corman 1970 nicht nur eine von seinen besten Produktionen, sondern auch eine der bis heute besten Verfilmungen einer Geschichte von H.P. Lovecraft. In The Dunwich Horror, der in Deutschland auch unter dem unsäglichen Namen Voodoo Child veröffentlicht wurde, wird die Geschichte Lovevrafts aus den 20er Jahren in die ausgehenden 1960er Jahre verlegt. Das Kollidieren von unterschiedlichen Welten wird dadurch zu einem immer wiederkehrenden Motiv des Films: Städtisches, naiv-gemütliches Interesse an Esoterik wird durch ländlichen, in aller Ernsthaftigkeit praktizierten, Okkultismus zerrüttet, moderne sexuelle Freigeistlichkeit trifft auf uralte, unaussprechliche Abscheulichkeiten.

Während Corman in seiner Filmografie als Regisseur stilsicher diverse Geschichten von Edgar Allan Poe auf Zelluloid gebannt hat, war für ihn in The Dunwich Horror erneut Daniel Haller für die Regie verantwortlich, der einige Jahre zuvor bereits Das Grauen auf Schloss Witley inszenierte, ebenfalls eine Lovecraft-Adaption. Die erneute Zusammenarbeit zahlte sich aus, denn The Dunwich Horror vereint großartig schaurige Kulissen, wie man sie aus vielen Filmen der Corman-Schmiede kennt, und phantasmagorische Träume mit dem uralten Schrecken Lovecrafts. Der Film beweist auf ungewöhnliche Art die Zeitlosigkeit von Lovecrafts unaussprechlichem Horror, indem er zeigt, dass der Mythos Lovecraft im Sinne des Wortes „lebt“ – in den schillerndsten Farben und widersprüchlichsten Spielarten. [Robert]

4. Planet des Schreckens (1981)

1979 feierte der Science-Fiction-Horrorfilm Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt seine Weltpremiere und erntete durchweg positive Kritiken sowie eine Oscarauszeichnung in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“. Angespornt von dem Erfolg, welcher Alien einfuhr, sahen andere Produktionsfirmen die Möglichkeit, sich ein Stück von der Torte abzuschneiden und mit billigen Rip-Offs eine buchstäblich goldene Nase zu verdienen. So entstand 1981 für gerade einmal rund 2 Millionen US-Dollar der von Roger Corman produzierte Film Galaxy of Terror, so der Originaltitel, unter der Regie von Bruce D. Clark (Naked Angels). Doch was dieser Film anderen Kopien seinerzeit voraushatte, waren Cormans Gespür für Erfahrung, Talent und Eifer. Dadurch wurde der Streifen alles andere als eine weitere Leiche im VHS Regal, sondern auch der Kickstarter für einen der besten Filmemacher unserer Zeit: James Cameron.

Galaxy of Terror ist schlichtweg großartig. Obwohl der Science-Fiction-Film in erster Linie tatsächlich ein weiteres Ripp-Off darstellt, entwickelt er sich im Laufe der Geschichte zu einem völlig eigenständigen Werk. Er überzeugt durch clevere Ideen, hochkarätige Darsteller, eine unheimliche Atmosphäre, ein kreatives Set Design und hervorragende Special Effects. Schmelzende Gesichter, freilegende Gehirne und die berühmt-berüchtigte Vergewaltigungsszene durch eine intergalaktische Weltraummade sind nur einige bemerkenswerte Spitzen, die dieser Low-Budget-Streifen für den Zuschauer parat hält. Bruce D. Clark und Roger Corman haben sich wirklich ins Zeug gelegt, um einen Film zu schaffen, der definitiv in Erinnerung bleibt. Er ist blutig, unangenehm und teils hysterisch schlecht, aber schlichtweg unterhaltsam und unter dem Strich sogar einer der wichtigsten Filme produziert von Roger Corman. Denn ohne Galaxy of Terror hätten wir wahrscheinlich niemals eine der besten Fortsetzungen aller Zeiten zu Gesicht bekommen: Aliens – Die Rückkehr. [Jörg]

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