Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971) – Review

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes

Vincent Price brilliert als mordlustiger Arzt in einer seiner letzten großen Hauptrollen. Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes ist der Abgesang auf die Hammer-Filme der 50er und 60er und präsentiert sich in einer grotesk eleganten Schönheit aus Horror und Humor.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:

The Abominable Dr. Phibes
Großbritannien/USA
94 Minuten
Robert Fuest
James Whiton, William Goldstein
Vincent Price, Joseph Cotten, Virginia North u.a.

Inhalt

In Das Schreckenskabinet des Dr. Phibes spielt Vincent Price den ominösen Arzt Anton Phibes. Bei einem Unfall schwer entstellt macht sich Phibes auf, seine verstorbene Frau Victoria (Caroline Munro) zu rächen. Er plant das medizinische Personal zu bestrafen, von dem er glaubt, dass es versagt hat, ihr Leben zu retten. So macht sich Phibes daran, eine aufwändige Serie von Rachemorden zu konstruieren, die auf den biblischen Plagen Ägyptens basieren.

Kritik

Price‘ Leistung gehört zu den wohl größten und einprägsamsten seiner gesamten Karriere. Im Hinblick auf jene Rollentypen, mit denen der Schauspieler bekannt geworden ist (der gequälte verrückte, trauernde Witwer oder der tragische wie geniale Bösewicht), könnte diese Rolle schon fast als eine Art Persiflage von Price‘ Karriere im Horrorgenre angesehen werden. Der Humor ist heftig, dunkel und trocken. Dennoch schaffen es die schrecklichen Elemente, den Film zu erden und verhindern, dass er zu einer vollständigen Parodie wird. Die Leistung von Price ist faszinierend und seine Präsenz auf dem Bildschirm dominiert das Bild. Wenn man bedenkt, dass die Figur des Dr. Phibes aufgrund des Unfalls, eine Idee, die auf seine frühere Rolle in House of Wax zurückgeht, nur mit Hilfe eines improvisierten Grammophons sprechen kann, wodurch Dialogszenen mit Price Mangelware sind, wird seine Darstellung noch weitaus beeindruckender. So schafft es Price die gesamte Bandbreite an Emotionen oftmals nur durch simple Gesichtsbewegungen zum Vorschein zu bringen; entweder durch eine gelegentlich gehobene Augenbraue hier und dort oder mittels seines durchdringenden, stahlharten Blickes. Überzeugen kann auch die komplette Nebenbesetzung, die ihre Rollen hervorragend spielen. Peter Jeffrey bietet als Inspector Trout einige der lustigsten Dialoge und willkommene Comedy-Erleichterungen und Joseph Cotten legt als Dr. Vesalius eine überzeugende Wende ein und erdet das Stück mit seinem dramatischen Schauspielstil.

Die Todesfälle häufen sich in rasendem Tempo: Tod durch Fledermäuse, Ratten, eine aufwendige Frosch-Maske bei einer Maskerade, Heuschrecken und anderen abscheuliche Konzepte wie Aderlass – alle mit Bravour und einer Extraportion schwarzen Humor serviert. Die wundervollen Performances und die großartigen Effekte werden durch die prunkvollen Sets noch verstärkt. Nichts bleibt vom Glamour verschont. Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes ist nichts weniger als ein stilvolles Meisterwerk, das Originalität und Eleganz ausstrahlt. Insbesondere wenn man das ausschweifende Bühnenbild betrachtet: Marmorböden, eine gigantische, ominöse Orgel, die mit einer Diashow einer glamourös aussehenden Caroline Munro verziert ist, knallige Farben und Phibes Uhrenarmband geben dem Setting eine extrem ungewöhnliche Atmosphäre, die in keinem anderem Film zu dieser Zeit zu finden ist.

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes

Fazit

So schwelgt der Film in Exzentrizität und teils erhabenen Gothic-Flair. Als Höhepunkt der langen Karriere von Price in diesem Genre schwingt im Film aber auch die traurige Resonanz mit, dass sich Price bald darauf als amtierender Hauptschurke vom Horrorgenre verabschiedete und andere Wege beschritt. Während der Schauspieler für den Rest seiner aktiven Karriere mit dem Zeh im Wasser des Horrorfilms steckte, entstanden mit diesen letzten Hauptrollen einige seiner interessantesten und einprägsamsten Charaktere.

 

Bewertung

SpannungRating: 4 von 5
AtmosphäreRating: 4 von 5
Gewalt Rating: 3 von 5
Ekel Rating: 2 von 5
Story Rating: 4 von 5

Bildquelle: Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes © MGM Home Entertainment

Jörg

Horrorfilme sind wie Essen. Zwischen dem immer gleichschmeckenden Fast Food, gibt es auch mal kulinarische Höhepunkte, die es aber nur zu Erkunden gibt, wenn man sich auch mal traut, etwas Neues auszuprobieren.
Jörg

Letzte Artikel von Jörg (Alle anzeigen)

...und was meinst du?