Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009) – Review

Triangle

Mit seinem Mystery-Thriller Triangle – Die Angst kommt in Wellen hat der britische Regisseur Christopher Smith am Ende der 2000er ein fahrlässig unterschätztes Kleinod geschaffen, das noch immer viel zu wenig Beachtung erfährt. Wir haben uns für euch mit auf den Kreuzer Aeolus gewagt, um zu gucken, was es mit dem Grauen auf dem Ozeandampfer auf sich hat.

Originaltitel:Triangle
Land:Australien/Großbritannien
Laufzeit:99 Minuten
Regie:Christopher Smith
Drehbuch:Christopher Smith
Cast:Melissa George, Michael Dorman u.a.

Der folgende Text enthält massive Spoiler zur Handlung und Auflösung von Triangle. Wenn ihr den Film möglichst unvorbereitet sehen wollt, empfehlen wir diesen zuerst zu schauen und danach unsere Review zu lesen.

Inhalt

Die junge Jess (Melissa George, Mulholland Drive, 30 Days of Night), alleinerziehende Mutter eines autistischen Sohnes, unternimmt mit ein paar Freunden einen Segeltörn. Schon zu Beginn des gemeinsamen Ausflugs plagt Jess ein seltsames Gefühl, das sich in apathischer Abwesenheit und merkwürdigen Vorahnungen äußert. Und tatsächlich gerät das Segelschiff alsbald in einen plötzlichen Sturm und kentert. Glücklicherweise kommt schon kurz darauf ein großes Passagierschiff mit dem Namen Aeolus vorbei, auf das sich die Schiffbrüchigen vorerst retten können. Zu ihrem Erstaunen ist der Dampfer jedoch menschenleer. So scheint es zumindest…

Kritik

Triangle gehört zu der Sorte Film, über die man im Vorfeld am besten so wenig wie möglich wissen sollte, um sie voll genießen zu können. Was in den ersten Minuten nämlich die Erwartung an standardisierte Slasher-Stangenware aufkommen lässt, entwickelt sich rasant zu einem unglaublich clever konstruierten Mystery-Thriller, der neben viel Spannung ebenso für allerhand rauchende Köpfe sorgen dürfte.
Nachdem das Segelboot der Gruppe gekentert ist, taucht der große Ozeandampfer wie eine unheilvolle Fata Morgana am Horizont auf und mit ihm die Illusion eines helfenden Refugiums. Was Jess zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnt, ist, dass sich auf dem Schiff ein maskierter Killer befindet und sie mit Betreten des Schiffs in eine tödliche Zeitschleife gerät, die immer wieder von vorne beginnt, sobald ihre Freunde alle tot sind. Nur wie kann man einem Killer entkommen, der jeden Schritt bereits zu kennen scheint? Durch das Verflechten von mehreren Loops ineinander entsteht eine komplexe Handlungsstruktur, die einen mit anfangs vermeintlichen Drehbuchfehlern und späteren Auflösungen gekonnt an der Nase herumführt. Wie ein Möbiusband entfaltet sich die Geschichte Loop für Loop und sorgt mit immer neuen Änderungen und Variationen für einen unvorhersehbaren und spannungsgeladenen Verlauf.

Triangle

Das innere des Schiffs ist ganz im Sinne der rätselhaften Handlung gestaltet. Neben einer offensichtlichen Anspielung an Stanley Kubricks Shining wecken auch die unheimlich verworrenen Gänge des Kreuzers Erinnerungen an die labyrinthartige Struktur des Overlook Hotels. Und auch in Triangle stellt sich diese Unübersichtlichkeit und das Gefühl des Verloren-Seins innerhalb der endlos scheinenden Architektur als ausgesprochen effektiv heraus. Neben dieser offensichtlichen Huldigung von Kubricks Klassiker schafft es Triangle aber auch äußerst souverän, eigene Akzente zu setzen.

Triangle

Geschickt spielt der Film nicht nur mit den selbst aufgebauten Erwartungshaltungen, sondern bemüht selbstsicher das Motiv des Spiegeltricks. Was wir sehen und was wir glauben zu wissen, ist in Triangle oft nur ein verschobenes Abbild oder die leicht verzerrte Wiedergabe dessen, was wir für die Realität halten. In Wirklichkeit dient die Aeolus als Jess‘ persönliches Fegefeuer, in dem sie für ihre vorherigen Taten für immer büßen muss. Verdeutlicht wird dieses Spiel mit der Wahrnehmung in einer Szene unmittelbar vor Beginn des zweiten Loops, in der sich Jess, verwirrt und verängstigt, im Spiegel betrachtet. Wenn sie sich vom Spiegel abwendet, um den Raum zu verlassen, folgt die Kamera nicht ihr, sondern fährt in den Spiegeln hinein. Dieser „öffnet“ sich nach innen in den Raum und die Kamera folgt ihrer Reflexion dann erst nach draußen, während die Umgebung gespiegelt bleibt. Der Filmt läuft ab diesem Punkt dann nicht mehr in der (scheinbaren) Realität, sondern lediglich in einem Abbild dieser ab. Zusammen mit der clever in Szene gesetzten Kameraarbeit, wie dem ständigen Blenden durch das Filmen gegen die Sonne, und dem Fata-Morgana-ähnlichem Auftauchen des Passagierschiffs erzeugt Triangle eine jenseitige Atmosphäre, die den gesamten Film durchzieht. Mit dem Fährmann des Todes, der am Ende in Form eines Taxifahrers auftaucht, schließt sich der Kreis und besiegelt erneut Jess‘ Sisyphos-Aufgabe: auf der Aeolus in alle Ewigkeit nach einem Ausweg aus der Zeitschleife suchen zu müssen.

Triangle

Fazit

Christopher Smith‘ Triangle ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Film. Während es immer wieder vorkommt, dass andere moderne Mystery-/Horror-Streifen an ihrem Selbstanspruch scheitern, gelingt es Triangle mühelos und ganz ohne sich groß aufzuplustern, tatsächlich so clever zu sein, wie es viele andere Filme gerne wären. Dabei fühlt sich der Film anfangs selbst noch an, als wäre man „schon mal dort gewesen“: Die Erwartungen an einen gängigen Slasher werden geweckt, nur um dann bewusst in komplett andere Gefilde überzusetzen. Triangle ist ein fahrlässig unterschätztes Kleinod, dem leider noch immer deutlich weniger Beachtung zuteilwird als er verdient.  

Bewertung

GrauenRating: 3 von 5
SpannungRating: 4 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung Rating: 4 von 5
Anspruch Rating: 4 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Bildquelle: Triangle – Die Angst kommt in Wellen © Ascot Elite Home Entertainment

Robert

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