Blutgletscher (2013) – Review

Blood Glacier

Creature Horror made in Austria: Vor alpiner Kulisse wandelt Rammbock-Regisseur Marvin Kren auf den Spuren von John Carpenters Das Ding. Wir haben uns in eisige Höhen gewagt und verraten euch, ob der Blutgletscher eine Reise wert ist.

Originaltitel:Blutgletscher
Land:Österreich
Laufzeit:98 Minuten
Regie:Marvin Kren
Drehbuch:Benjamin Hessler, Marvin Kren
Cast:Gerhard Liebmann, Edita Malovcic, Brigitte Kren u.a.

Inhalt

Der eigenbrötlerische Ingenieur Janek verbringt bereits das vierte Jahr auf einer Klimaforschungsstation in den österreichischen Alpen, gemeinsam mit drei Wissenschaftler*innen. Das zwischenmenschliche Klima im Team entspricht ungefähr den Außentemperaturen, die Stimmung ist längst abgestürzt. Das soll sich schon bald ändern: Die Entdeckung eines unbekannten Mikroorganismus im Schmelzwasser und ein Überraschungsbesuch der Umweltministerin samt Entourage sorgen für Turbulenzen. Doch die Neuentdeckung bringt dem Team nicht den erhofften wissenschaftlichen Ruhm ein, denn als die Ministerin endlich eintrifft, ist bereits ein gnadenloser Kampf ums Überleben ausgebrochen.

Kritik

Eine entlegene Forschungsstation, ein kleines Team aus Wissenschaftlern und Ingenieuren und eine gestaltlose Bedrohung, die schon bald für blutige Splatter-Effekte sorgt: Die Grundzutaten von Marvin Krens Blutgletscher dürften eingefleischten Horror-Fans bekannt vorkommen, in Kombination mit einem breiten Wiener Dialekt und vor trauter Heimatfilmkulisse aber erst einmal für Befremden sorgen. Nach seinem Debüt, dem Zombie-Thriller Rammbock, liefert Regisseur Marvin Kren abermals Genre-Kino mit Lokalkolorit, eine schräge Milieustudie mit derbem Charme, die auf waschechten Horror trifft.

Die alpine Berglandschaft wird vom Postkarten-Panorama zur Spielwiese urzeitlicher Schrecken, die im Schmelzwasser der Gletscher lauern. Bald schon ist die schroffe und bedrohliche Bergwelt bevölkert von Monstrositäten, die sich in einer ungeheuerlichen Geschwindigkeit vermehren und dabei noch ungeheuerlichere Kombinationen hervorbringen, unter denen der Schweine-Bär-Adler nur eines von zahlreichen reizenden Exemplaren ist. Die radikale Unbestimmtheit von John Carpenters Das Ding behält auch Blutgletscher bei: In grausamen Metamorphosen treten die feindlichen Organismen den Protagonist*innen entgegen, während ihre Herkunft sowie ihr Motiv im Dunkeln verbleiben. Ob man sie als bissigen Kommentar zur Klimakrise zu lesen oder als Konfrontation mit dem Fremden zu verstehen hat, lässt der Film konsequenterweise offen.

Blood Glacier

Der Blutgletscher macht seinem Namen alle Ehre

Wer aber Das Ding als Einfluss nennt, der muss vor allem eines unter Beweis stellen: ein Herz für handgemachte Spezialeffekte. Eine echte Konkurrenz für Carpenter und seinen kongenialen Maskenbildner Rob Bottin ist Blutgletscher – natürlich – nicht. Hektische Schnitte und spärliche Ausleuchtung versuchen zu verbergen, dass das Budget der Kreativität Grenzen gesetzt hat und eine Frontalaufnahme bei Tageslicht die meisten Kreaturen ihres Schreckens berauben würde. Allerdings gibt es genügend Filme, bei denen man sich eine ähnliche Zurückhaltung gewünscht hätte – und deren praktische Effekte mit weitaus weniger Liebe und Herzblut designt wurden. Kren beweist ein gutes Gespür dafür, wie viel er zeigen kann und zeigt genug, um den Verdacht zu erregen, dass Dr. Moreau als konzeptioneller Berater tätig gewesen sein könnte. Das über all den Monsterattacken die Story teilweise etwas vernachlässigt wird, ist für Fans von Creature Features sicher leicht zu verschmerzen, wenn sie dafür noch ein paar weitere wahnwitzige Kreationen zu Gesicht bekommen.

Blood Glacier

Die exotische Tierwelt der Alpen

Ein stumpfes Schlachtfest ist Blutgletscher aber keinesfalls, dagegen halten schon die eigensinnigen Figuren, denen eine hochkarätige Besetzung Leben einhaucht – fernab vom Schultheater-Flair manch anderer Produktionen. Brigitte Kren sorgt als wehrhafte Ministerin mit Schnapsflasche in der einen, Akkubohrer in der anderen Hand für beste Unterhaltung und hat, wenn sie nicht gerade degenerierte Steinböcke erledigt, auch noch hilfreiche Tipps für ihre Mitarbeiterin parat: „Hören Sie auf eine Banane zu fressen, während Sie weinen!“ Als bärbeißiger Janek hätte Gerhard Liebmann – rein optisch – auch gut den Antagonisten in einem Backwood-Slasher mimen können, während er sich als schmächtiger Trunkenbold in Blutgletscher zum widerwilligen Helden aufschwingt und dafür mit dem österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Blood Glacier

Umweltministerin auf Abwegen

Fazit

Blutgletscher ist ein ambitioniertes Creature Feature mit Oldschool-Charme, das von der dichten Atmosphäre der eingeschneiten Berge ebenso profitiert, wie von seinen kauzigen Figuren und den liebevoll handgemachten Mischwesen. Obwohl Regisseur Marvin Kren sich nicht immer entscheiden kann, ob er ein ernsthaftes Horror-Drama oder doch lieber eine unterhaltsame Splatter-Komödie auf die Leinwand bringen kann, ist Blutgletscher ein deutschsprachiger Genre-Beitrag voller Herzblut, der seinen ganz eigenen Weg geht.

 

Bewertung

GrauenRating: 4 von 5
SpannungRating: 3 von 5
Härte rating4_5
Unterhaltung Rating: 4 von 5
Anspruch Rating: 2 von 5
GesamtwertungRating: 4 von 5

Bildquelle: Blutgletscher © Koch Media

Catherin

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