Finale (2018) – Review

Finale

Der dänische Folter-Thriller Finale wird beim 5. Obscura Filmfestival in Anwesenheit von Regisseur Søren Juul Petersen und Hauptdarstellerin Anne Bergfeld seine Deutschlandpremiere feiern. Wir hatten die Gelegenheit den Film schon einmal vorab unter die Lupe zu nehmen.

Originaltitel:
Land:
Laufzeit:
Regie:
Drehbuch:
Cast:
Vorlage:

Finale
Dänemark
100 Minuten
Søren Juul Petersen
Casrsten Juul Bladt, Søren Juul Petersen
Anne Bergfeld, Karin Michelsen, Damon Younger u.a.
Roman „Finale“ von Steen Langstrup

Inhalt

Dänemark hat es in das Finale eines größeren Sportevents geschafft, was dazu führt, dass die Straßen wie leergefegt sind. Allein Agnes und Belinda haben das Pech, an diesem Abend die Nachtschicht in einer abgelegenen Tankstelle übernehmen zu müssen. Beide stellen sich auf einen ruhigen Abend ein. Agnes will an der Abschlussarbeit für ihr Psychologiestudium arbeiten und Belinda hat sich mit ihrem Freund verabredet, der allerdings lieber das Spiel sehen würde. Abgesehen von ein paar unheimlichen und aufdringlichen Kunden verläuft die Schicht zunächst wie gewohnt, doch merkwürdige Dinge beginnen sich zu häufen und schon bald müssen die beiden Frauen feststellen, dass jemand sein ganz eigenes Spiel mit ihnen zu spielen scheint…

Kritik

Finale basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stehen Langstrup und übernimmt auch dessen nicht-lineare Erzählweise. Denn der Film spielt nicht ausschließlich in der Tankstelle, sondern beginnt an einem gänzlich anders gearteten Ort: im Dark Web. Eine Computerstimme begrüßt uns mit den Worten „Willkommen in Dänemark. Land der Märchen, ‚Hygge‘ und das Zuhause von einigen der glücklichsten Menschen der Welt. Wir werden unser Möglichstes tun, um all das heute zu ändern.“ Als nächstes finden wir uns zusammen mit Agnes in einem Käfig wieder – sie ist Teil einer sadistischen Foltershow, die über das Dark Web gestreamt wird. Um herauszufinden, wie Agnes in diese Lage gekommen ist, reisen wir in der Zeit zurück zu ihrer Nachtschicht in der Tankstelle. Von nun an springt der Film immer wieder zwischen beiden Zeitebenen hin und her, bevor diese im letzten Drittel zusammenlaufen.

Finale

Seine Stärken offenbart Finale vor allem im Tankstellen-Setting. Regisseur Søren Juul Petersen gelingt es erstaunlich gut diese Szenerie für sich zu nutzen. Eine latente Bedrohlichkeit durchzieht diesen Ort, denn spätestens mit Einbruch der Dunkelheit werden die Isolation und Abgeschiedenheit hier förmlich greifbar. Auch wenn wir schon von vornherein wissen, dass die Nacht kein gutes Ende für Agnes und Belinda bereithält, so wird die Spannung dennoch hochgehalten, da nicht klar ist, was genau sich abgespielt hat. Es bleibt also ungewiss, von welchen Kunden eine tatsächliche Gefahr ausgeht und welche einfach nur harmlose Verrückte oder Arschlöcher sind. Die ausschließlich männliche Kundschaft genießt es sichtlich, sich in einer überlegenen Machtposition suhlen. Im vollen Bewusstsein, dass sie als Kunden von den beiden Frauen hofiert werden müssen und den beiden obendrein physisch überlegen wären, wagen sie immer wieder kleinere bis größere Grenzüberschreitungen. Das Erschreckende an diesen Übergriffen ist, dass nie klar ist, wie sie enden werden: Sind es nur dumme Streiche, kleine Machtdemonstrationen von ein paar unterbelichteten Halbstarken oder ist die körperliche Unversehrtheit der Protagonistinnen ernsthaft in Gefahr? Eine Frage, die sich Frauen durchaus öfter stellen müssen und die in Finale für eine äußerst bedrohliche Stimmung sorgt. Durch Kameraeinstellungen und Beleuchtung wird dies geschickt verstärkt, sodass die Tankstelle eine beklemmende Atmosphäre verströmt.
Petersen lässt sich zudem viel Zeit mit seiner Geschichte. Wir haben Gelegenheit, die Protagonistinnen kennen zu lernen und eine emotionale Verbindung zu ihnen aufzubauen. Das funktioniert auch aufgrund des starken Casts außerordentlich gut. Anne Bergfeld und Karin Michelsen waren hier eine gute Wahl und harmonieren hervorragend auf der Leinwand.

Finale

Zwischendurch werden wir immer wieder mit Schnitten in die Gegenwart auf die anstehende Torture-Show vorbereitet, die im Verlauf des Films auch einen stetig größeren Teil einnehmen. Leider kann dieser Teil von Finale nicht mehr die Stärke des ersten Teils erreichen. Petersen versucht hier verstärkt, die ZuschauerInnen mit ins Spiel zu bringen und diese mit dem fiktiven Publikum der Web-Show gleichzusetzen, was allerdings nur bedingt funktioniert. Bedeutungsschwanger ein Gemälde von Gladiatoren ins Bild zu hängen, macht aus dem Film eben noch keine Abhandlung zu Gewalt zu Unterhaltungszwecken. Erschwerend kommt hinzu, dass Finale nicht wirklich etwas zu sagen hat, das wir nicht schon hundertfach in elaborierterer Form gesehen hätten. Er zieht den Vergleich zwischen den sadistischen Schweinen der Torture-Show und dem eigenen Publikum, das nach diesen Filmen lechzt. Dies funktioniert allerdings nicht, da der Film viel zu handzahm ist, um irgendwen dazu zu bringen, die Augen zu verschließen und sich vor Abscheu wegzudrehen. Michael Haneke sagte einmal über seinen Film Funny Games, dass er Gewalt so darstellen wolle, wie sie wirklich ist: unkonsumierbar. Und genau daran scheitert Finale schlussendlich gewaltig. Der Film bleibt leichte Unterhaltung und tut nie weh. Doch genau das müsste er, um seinem Subtext Kraft verleihen zu können.

Finale

Fazit

Finale kann mit einer stark inszenierten und spannenden ersten Hälfte aufwarten, ist als Ganzes aber leider zu unausgereift, um wirklich überzeugen zu können. Die Aufteilung der Erzählweise bremst den Film unnötig aus und führt zu Leerlauf. Einiges davon wird jedoch durch das einnehmende Schauspiel von Bergfeld und Michelsen wieder gut gemacht und auch Damon Younger als sadistischer Zirkusdirektor kann der ansonsten faden Vorstellung noch etwas Würze verleihen. Unterm Streich bleibt ein Film, der zwar noch etwas holprig inszeniert wurde, aber bereits viel Talent erkennen lässt. Für alle, die das Thema interessiert, ist Finale auf jeden Fall einen Blick wert.

 

Bewertung

GrauenRating: 3 von 5
SpannungRating: 3 von 5
Härte Rating: 2 von 5
Unterhaltung rating3_5
Anspruch Rating: 1 von 5
GesamtwertungRating: 3 von 5

Bildquelle: Finale © Frightgeist Film

Florian Halbeisen

Horrorfilme sind für mich ein Tor zu den unheimlichen, verstaubten Dachböden und finsteren, schmutzigen Kellern der menschlichen Seele. Hier trifft man alles von der Gesellschaft abgeschobene, unerwünschte, geächtete, begrabene: Tod, Schmerz, Angst, Verlust, Gewalt, Fetische, Obsession. Es ist eine Entdeckungsreise auf die "Schutthalde der Zivilisation".
Auf diese Reise würde ich euch gerne mitnehmen.
Florian Halbeisen

...und was meinst du?